BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR

Die Winterklausur der Grünen im Münchner Ampere verlief weitgehend digital

2
Per Mail sharen

    Landtagsgrüne beenden Klausur: "Soziale Berufe stärken!"

    Die Grünen-Landtagsfraktion hat sich diesmal hauptsächlich um die sozialen Berufe in Bayern gekümmert. Das Motto des Treffens: "Yes we care: Den Dienst am Menschen aufwerten!" Dazu trafen sich die Grünen im Ampere des Münchner Muffatwerks.

    2
    Per Mail sharen
    Von
    • Daniel Knopp

    Die Grünen im Bayerischen Landtag wollen sich um die Kümmerer in der Gesellschaft kümmern. Im Fokus ihrer Klausur steht der Dienst am Menschen. Den wollen sie aufwerten, attraktiver machen. Denn gerade durch die Pandemie seien die großen Belastungen für die Fachkräfte, sei die Care-Krise offen zu Tage getreten.

    Beifall klatschen reicht nicht!

    Dem oft gehörten Satz "Beifall klatschen allein hilft nicht" sollen Taten folgen. Dazu legt die Grünen-Fraktion einen großen Forderungskatalog am Ende der Klausur vor. Vieles davon ist nicht neu, sondern nur neu verpackt. So fordern die Grünen bessere Arbeitsbedingungen, eine bessere Bezahlung und eine höhere Wertschätzung für Pflegende. Dafür müsse man auf Landesebene andere Rahmenbedingungen setzen, so die Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen Katharina Schulze.

    Sofortprogramm für 1.000 Studienplätze

    Die fachlichen Anforderungen an die Pflege werden weiter steigen, das bestätigen auch die Expertinnen und Experten, die die Grünen zu ihrer Klausur digital eingeladen haben. Die Grünen wollen deswegen neue Rahmenbedingungen schaffen, um so dem "historisch geprägten Bild der Pflege mit starren und veralteten Hierarchien" entgegenzuwirken. Laut Positionspapier der Grünen folgt die Partei damit einer Empfehlung des Wissenschaftsrates, der eine Akademi­sierungsquote von 10 bis 20 Prozent eines Ausbildungslehrgangs in Bayern vorschlage. Die Forderung der Grünen sind deswegen ein Sofortprogramm zur Schaffung von eintausend Studienplätzen.

    Meisterbonus und mehr Forschung

    Um den Beruf attraktiver zu machen, fordern die Grünen den Meisterbonus für Fachkrankenpflegekräfte in Intensivstationen, Anästhesie, Unfallchirurgie, Geriatrie, Psychiatrie und im Bereich der Altenpflege. Der Freistaat biete den sogenannten Meisterbonus, der aus Sicht der Grünen auf die Praxisanleiterinnen ausgeweitet werden muss. Gleichzeitig wollen die Grünen Forschung und Wissenschaft stärken und eine universitäre Fakultät für Pflegewis­senschaft in Bayern gründen.

    Neben öffentli­chen Aufklärungskampagnen und kindgerechten Unterstützungsangeboten setzen sich die Grünen dafür ein, dass die "Young Carer", also die jungen Pflegerinnen und Pfleger, Ansprechpartner in der Schule sowie psychologische Hilfe erhalten. Keines­falls dürfe hier Stigmatisierung entstehen und müssten die Fachstellen entsprechend sensibilisiert werden.

    Einstiegsmöglichkeiten für Migrantinnen und Migranten

    Niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten für Migrantinnen und Migranten sind für die Grünen essenziell, dies auch "unabhängig vom Aufent­haltsstatus". Dabei müsse die Integration in den Arbeitsmarkt erleichtert werden. Dafür wollen die Grünen speziell zugeschnittene Beratungsmöglichkeiten anhand von entsprechenden Regionalstellen schaffen.

    Auch Teilzeit-Ausbildung möglich machen

    Mit einer Teilzeitausbildung wollen die Grünen auch jungen Eltern, Alleinerziehenden, aber auch Menschen mit Beeinträchtigungen oder mit pflegebedürftigen Angehörigen den Einstieg in den Pflegeberuf ermöglichen. Flexiblere Einstiege in Ausbil­dungsberufe, wie die Teilzeit-Ausbildung, könne auch den Care-Berufsfeldern zugutekommen. Die Berufseinsteiger könnten sich damit langfristig ihren Lebensunterhalt finanzieren und sich so unabhängig von staatlichen Transferleis­tungen machen, so die Grünen in ihrem Positionspapier "Kursänderung jetzt – für eine starke und zukunftssichere Pflegepolitik in Bayern".

    Verpackung und Inszenierung

    Vieles aus den drei Positionspapieren ist, wie bereits festgestellt, nicht neu, sondern nur neu verpackt und mit Verpackung kennen sich die Grünen aus. Ihr Klausur-Setting sticht ins Auge, ihr Slogan geht ins Ohr. Unter einer nun schon seit fast einem Jahr erloschenen Diskokugel im Veranstaltungsraum Ampere im Münchner Muffatwerk, wo sonst Musik, Kultur und der Bär steppt, tagt die Fraktion. Die Chefs sind präsent, der Rest der Fraktion ist digital dabei, wie auch die Gäste und Experten. Das alles nennt sich "hybrid"! Allein die Studiokulisse hat der fraktionseigenen Grafikabteilung so manchen Arbeitstag gekostet. Die Fraktionsvorsitzenden Katharina Schulze und Ludwig Hartmann sitzen im Corona-Abstand voneinander vor einer riesig-bunten Popart Plakatwand. Darauf eine Superheldin auf deren Brust "Yes we care" prangt.

    "Yes we care!"

    Das weckt Erinnerungen: An Barack Obamas "Yes we can", an seinen Wahlkampf in schweren Zeiten, 2008 auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise. Jetzt sind auch schwere Zeiten und dazu noch beginnender Bundestagswahlkampf. Die überlebensgroße Pflegerin in Supermanmanier ist für die Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen Katharina Schulze aber nicht nur ein PR-Gag, sondern auch ein wichtiges politisches Statement.

    Feministischer Aufbruch!

    In den Pflegeberufen seien meist Frauen beschäftigt, sagt Katharina Schulze, und mit Blick auf das Plakat gerichtet wird die Fraktionsvorsitzende sehr klar: "Ich finde es ungerecht und unfair, dass dieser Bereich so schlecht bezahlt wird und die Arbeitsbedingungen so katastrophal sind. Deswegen brauchen wir einen feministischen Aufbruch, denn die Arbeit von Frauen ist nicht weniger wert als die Arbeit von Männern."

    "Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!