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Sargpflicht-Aus: Koalition arbeitet an Regelung | BR24

© pa/dpa/Maurizio Gambarini

Särge stehen im März 2012 in Berlin in einem Ausstellungsraum des Bestatters Woite

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    Sargpflicht-Aus: Koalition arbeitet an Regelung

    Aktuell gilt in Bayern die Sargpflicht. Das könnte sich ändern - die Regierung arbeitet laut eigenen Worten an einem entsprechenden Vorschlag. Ein Grünen-Antrag zum Sargpflicht-Aus stößt im Landtag dennoch auf Kritik von CSU und Freien Wählern.

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    Die Regierungsfraktionen im Bayerischen Landtag arbeiten derzeit an einer Regelung zur Abschaffung der Sargpflicht. Joachim Hanisch (Freie Wähler) sagte am Dienstag in der Plenardebatte: "Wir werden ihnen etwas vorlegen, da sind wir am Arbeiten. Das ist die positive Botschaft."

    Laut dem CSU-Abgeordneten Max Gibis gibt es Überlegungen, nicht das Bestattungsgesetz, sondern die Bestattungsverordnung zu ändern. Beide Redner der Regierungskoalition kritisierten allerdings einen Gesetzentwurf der Grünen, der eine Abschaffung der Sargpflicht fordert und die Kommunen unter anderem verpflichten will, Räume für Leichenwaschung zur Verfügung zu stellen.

    SPD und FDP begrüßen Grünen-Vorstoß zum Ende der Sargpflicht

    Die Grünen-Abgeordnete Gabriele Triebel argumentierte, das Bestattungsgesetz müsse der religiösen und kulturellen Vielfalt Rechnung tragen. Sie betonte, dass auch Kirchen und kommunale Spitzenverbände Zustimmung signalisiert hätten. SPD und FDP begrüßten den Vorstoß der Grünen.

    Bereits vergangene Woche hatte die SPD einen weniger weitgehenden Gesetzentwurf zur Abschaffung der Sargpflicht in den Landtag eingebracht. Der CSU-Abgeordnete Max Gibis hatte im Anschluss von "Sympathie für eine Liberalisierung" gesprochen. In seiner Reaktion auf den Grünen-Entwurf äußerte sich Gibis nun deutlich zurückhaltender.

    Das Thema Sargpflicht beschäftigt die Abgeordneten im Landtag seit Jahren. Vertreter jüdischer und muslimischer Organisationen sprechen sich laut den Grünen schon lange für eine Aufhebung der Sargpflicht aus, um Verstorbene nach ihren Riten beerdigen zu können.

    Hanisch: "Nicht das Brauchtum beschwören"

    Einzig die AfD lehnt ein mögliches Ende der Sargpflicht rundweg ab. Der AfD-Abgeordnete Richard Graupner nannte Bestattungen im Leichentuch einen "Frontalangriff auf unsere Pietätsvorstellungen. So etwas wollen wir hier nicht haben." Der Freie-Wähler-Abgeordnete Hanisch verwies wenig später darauf, dass vor vielen hundert Jahren auch Christen nur im Leintuch beerdigt worden seien. Deshalb müsse man an dieser Stelle nicht das Brauchtum beschwören, sagte Hanisch in Richtung der AfD-Fraktion.

    In den meisten anderen Bundesländern existiert die Sargpflicht bereits nicht mehr. Aktuell gibt es sie noch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern. In einer Expertenanhörung im Innenausschuss des Landtags im Juni 2015 hatten sich Vertreter der katholischen und evangelischen Kirchen für eine Aufhebung der Sargpflicht ausgesprochen. Auch das Landesgesundheitsamt hatte keine Einwände.

    Bedenken hatte damals nur der Interessenverband der Bestattungsunternehmen geäußert.