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Landtag diskutiert am letzten Sitzungstag über Lehrermangel | BR24

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Landtag diskutiert über Lehrermangel

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Landtag diskutiert am letzten Sitzungstag über Lehrermangel

Am letzten Sitzungstag des Bayerischen Landtags vor der Sommerpause ging es vor allem um den Schulunterricht und die Kinderbetreuung nach den Sommerferien. Denn es herrscht Lehrermangel, der durch die Corona-Krise zusätzlich verschärft wird.

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Von
  • Christoph Dicke

Schon vor der Corona-Krise war für das Kultusministerium klar: Für das neue Schuljahr fehlen in Bayern rund 1.400 Vollzeitkräfte an Grund-, Mittel- und Förderschulen. SPD und Grüne wollten deshalb im Landtag wissen, wie viele der Stellen bereits besetzt werden konnten. Thomas Gehring von den Grünen plädierte für mehr Quereinsteiger:

"Wir haben Künstlerinnen und Künstler, Pädagogen aus der außerschulischen Bildung, aus der Erwachsenenbildung, die coronabedingt keine Arbeit haben: Holen sie die Leute an die Schulen, geben sie ihnen Geld aus dem Corona-Fonds, damit diese Leute dann bezahlt werden können.“ Thomas Gehring, Grüne

Das sei keine wirkliche Lösung für die nötigen Lehrerstellen, widersprach Kultusminister Michael Piazolo von den Freien Wählern:

"Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, auch den einen oder anderen Künstler an der Schule zu haben. Aber mein Ziel ist es, und das seit Jahren, dass wir Leute im Schulsystem haben als Lehrerinnen und Lehrer, die zwei Staatsexamen haben, die pädagogisch ausgebildet sind – das mag in anderen Bundesländern anders sein.“ Kultusminister Michael Piazolo, Freie Wähler

Pensionierte Lehrer sollen helfen

Der Kultusminister setzt unter anderem auf die freiwillige Rückkehr von pensionierten Lehrkräften. Rund 200 hätten bereits für das neue Schuljahr zugesagt. Wer zu einer Risikogruppe zähle, werde für andere Aufgaben als den Präsenzunterricht eingesetzt.

Doch keiner weiß, ob die Infektionslage im Herbst den angestrebten Regelunterricht für alle Schüler überhaupt wieder zulässt. Piazolo gab sich im Landtag aber sicher, dass die 1.400 Lehrerstellen bis dahin besetzt sind.

Bei einem zweiten Lockdown – und sei er nur regional – müsse die Staatsregierung mehr Rücksicht auf Familien nehmen, forderte die Landtags-SPD in einem Dringlichkeitsantrag. Die sozialpolitische Sprecherin der Fraktion, Doris Rauscher:

"Wir wollen einen Plan für mögliche Alternativen. Familien brauchen bei einer möglichen zweiten Corona-Welle, die hoffentlich nicht kommen wird, eine Perspektive, um sich auch vorbereiten zu können. Der Shutdown, wie er war, den dürfen wir Familien in dieser Weise nicht noch einmal zumuten.“ Doris Rauscher, SPD

Voraussagen sind schwierig

Weil von Epidemiologen wenn, dann eher mit regionalen Coronaausbrüchen gerechnet wird, sei ein Gesamtkonzept schwierig, sagte Sozialministerin Carolina Trautner von der CSU. Man sei daher in Gesprächen mit Kita-Trägern über lokale Antworten auf Corona-bedingte Schließungen.

Den Vorwurf der SPD, die Staatsregierung habe beim Lockdown im Frühjahr zu wenig die Belange von Kindern mit Behinderung oder belastenden Familiensituationen im Blick gehabt, hielt Trautner entgegen:

"Wir haben von Beginn an die Jugendämter mit ins Boot geholt und gesagt: Eine Notbetreuung aus Gründen des Kindeswohls ist immer möglich gewesen. Und auch Eltern, die Anspruch auf Erziehungshilfen haben, konnten ebenfalls ihre Kinder in die Kita bringen – wie die Eltern von Kindern mit Behinderung. Seit 11. Mai ging das ganz regulär – und das haben wir auch vorgezogen." Sozialministerin Carolina Trautner, CSU

Eine deutliche Ausweitung der Notbetreuung dürfte bei einem möglichen zweiten Lockdown wohl unausweichlich sein. Bis zu den Sommerferien will Trautner eine Zusammenfassung möglicher Reaktionen geben.

Alle Coronamaßnahmen sofort aufzuheben, wie es die AfD gefordert hatte, lehnten alle anderen Fraktionen ab.

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Der Bayerische Landtag hat sich in die parlamentarische Sommerpause verabschiedet. Die letzte Sitzung stand ganz im Zeichen der Corona-Krise.

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