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Landtag beschließt Quote gegen Landärztemangel | BR24

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Um den Hausärztemangel auf dem Land zu bekämpfen, hat der Landtag beschlossen, dass ein Teil der Medizinstudienplätze für Studierende reserviert wird, die Landarzt werden wollen. Sie dürfen dann auch einen schwächeren Notendurchschnitt haben.

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Landtag beschließt Quote gegen Landärztemangel

Um den Hausärztemangel auf dem Land zu bekämpfen, hat der Landtag beschlossen, dass ein Teil der Medizinstudienplätze für Studierende reserviert wird, die Landarzt werden wollen. Sie dürfen dann auch einen schwächeren Notendurchschnitt haben.

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Ab dem kommenden Wintersemester haben demnach auch Abiturientinnen und Abiturienten eine Chance auf einen Medizinstudienplatz, die kein 1,0-Abi gemacht haben.

Knapp sechs Prozent der Plätze werden reserviert

Künftig werden 5,8 Prozent der Plätze für diejenigen reserviert, die nach dem Studium als Landarzt arbeiten wollen. Das sind pro Jahr bis zu 110 Studienplätze. Die jungen Leute verpflichten sich für zehn Jahre, dorthin zu gehen, wo ein Arzt gebraucht wird. Sollte das nicht eingehalten werden, droht eine Strafe von 250.000 Euro. Laut Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) ist das genau die Summe, die ein Medizinstudienplatz kostet.

Auswahl in zwei Stufen

Die Ministerin erläuterte im Plenum, dass es für Interessenten ein zweistufiges Auswahlverfahren geben wird. Auch die angehenden Landärzte müssen erstmal den sogenannten Medizinertest bestehen. Bei der Platzvergabe spielen aber auch Berufserfahrung im medizinischen Bereich und ehrenamtliche Tätigkeit eine Rolle. In einem zweiten Schritt müssen die Studienplatz-Bewerber in einem persönlichen Auswahlgespräch von sich überzeugen.

Opposition wittert Planwirtschaft und Zwang

Christina Haubrich, die gesundheitspolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, kritisierte, das Gesetz klinge für sie nach Planwirtschaft. Am Imageproblem des Landarztberufs ändere es nichts. Laut AfD sind die Studierenden durch den – so wörtlich – Knebelvertrag und die Strafandrohung zum Erfolg verdammt. Auch Ruth Waldmann (SPD) äußerte Bedenken. Denn es zeige sich erst in etlichen Jahren, ob die Maßnahme wirke.

Viele Hausärzte sind nahe am Rentenalter

Aktuell gibt es gut 9.300 Hausärztinnen und Hausärzte in Bayern. Schon jetzt ist mehr als ein Drittel von ihnen über 60, wird also in den kommenden Jahren in Rente gehen. Dominik Spitzer von der FDP sagt, die Landarztquote greife erst in elf Jahren – zu spät angesichts der Zahlen. Am Ende wurde das Gesetz mit den Stimmen von CSU, Freien Wählern und SPD angenommen. Die Grünen und die FDP stimmten dagegen, die AfD enthielt sich.