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Landshut bekommt ersten "Weltacker" Bayerns | BR24

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In Landshut wird ein bayernweit einzigartiges Projekt gestartet: Ein sogenannter "Weltacker". Diese landwirtschaftlichen Flächen sollen zu einem besseren Verständnis der Welternährung beitragen.

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Landshut bekommt ersten "Weltacker" Bayerns

In Landshut wird ein bayernweit einzigartiges Projekt gestartet: Ein sogenannter "Weltacker" wird angelegt. Diese landwirtschaftlichen Flächen sollen zu einem besseren Verständnis der Welternährung beitragen. Weltweit gibt es bisher nur zehn Stück.

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In Landshut entsteht der erste sogenannte "Weltacker" Bayerns. Das gaben Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich und die Gründer des jungen Vereins "Weltacker Landshut" bekannt.

Weltweit nur zehn "Weltäcker"

Weltweit gibt es derzeit zehn solcher Weltäcker, die zu einem besseren Verständnis der Welternährung beitragen sollen. Der Weltacker Landshut entsteht auf einer landwirtschaftlichen Fläche des Lehrguts für ökologischen Landbau am Agrarbildungszentrum Landshut-Schönbrunn. Vorbild für die Landshuter Initiative ist die "Zukunftsstiftung Landwirtschaft" in Berlin, die den weltweiten landwirtschaftlichen Anbau durch einen beispielhaften "Weltacker" begreifbar machen will.

Fläche würde für alle reichen

Grundlage ist eine einfache Rechnung: Derzeit leben etwa 7,8 Milliarden Menschen auf der Erde – bei 1,4 Milliarden Hektar Ackerfläche. Daher muss jeder Mensch rund gerechnet mit 0,2 Hektar bzw. 2.000 Quadratmetern Ackerland auskommen – eine Fläche, die im Grunde für die Ernährung eines einzelnen Menschen reicht. Genau das wollen die Initiatoren auf der Weltackerfläche in Landshut zeigen.

Auf ein einziges Nahrungsmittel reduziert, würde die Fläche beispielsweise für 8.500 Kilogramm Kartoffeln pro Jahr ausreichen. In der Praxis teilt sich die bewirtschaftete Fläche auf viele verschiedene Kulturen wie etwa Getreide- und Gemüsesorten auf. Hinzu kommen Pflanzen, die nicht oder nur indirekt der Lebensmittelversorgung dienen, stattdessen der Tierfütterung und der Produktion von Energiepflanzen zur Herstellung von Bio-Ethanol bzw. Bio-Diesel.

Saisonal und regional

Je häufiger ein einzelner Mensch mit dem Auto fährt und Fleisch isst, desto mehr muss er dafür von "seinen" 2.000 Quadratmetern aufwenden. Je weniger regional und saisonal sich der Mensch ernährt, umso mehr "persönliche" Fläche geht zusätzlich verloren, denn auch die Energie für Lagerung und Lebensmittel-Transporte muss angerechnet werden.

In der Realität ist die deutsche Bevölkerung aber bestens versorgt mit allem, was das Herz und der Magen begehren – allerdings sind dazu deutlich mehr als 2.000 Quadratmeter nötig, was auf Kosten der sozialen Gerechtigkeit geht und damit der Menschen in ärmeren Regionen. Ihnen bleibt durch die Ernährungsgewohnheiten in den Industrienationen weniger Fläche für den eigenen Lebensmittelanbau. "Wir wollen nicht missionieren, sondern den Menschen verdeutlichen, was unsere Ernährungs- und Lebensgewohnheiten bedeuten", so Klaus Karg vom "Weltackerverein Landshut".

Erster "Weltacker" Bayerns

Weltweit gibt es den Angaben zufolge derzeit zehn Weltäcker. Der Landshuter Weltacker wird der erste in Bayern sein. Konkret soll der Landshuter Weltacker so aussehen: Knapp die Hälfte der Fläche entfallen auf Getreide, ungefähr 15 Prozent auf Ölfrüchte und rund sieben Prozent auf Gemüse und Wurzelfrüchte.

Naturgemäß, so die Initiatoren, ließen sich nicht alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Welt in Niederbayern anbauen. "Für Pflanzen, die in unserer Klimazone nicht gedeihen, werden wir Alternativen pflanzen. So ersetzen wir beispielsweise Kaffee durch Hagebutte", erklärt Mitinitiator Markus Roos.

Helfer gesucht

Im nächsten Jahr soll der Landshuter Weltacker erstmals bewirtschaftet werden. Dann sind auch öffentliche Führungen für alle Altersgruppen geplant sowie unterschiedliche Veranstaltungen wie Vorträge, Seminare und Koch-Werkstätten. "Neben dem geeigneten Acker brauchen wir noch helfende Hände für den Anbau und die Pflege der Kulturen, Hilfe bei der Bildungsarbeit und Organisation, auch Sachspenden beziehungsweise Leihgaben von Werkzeugen und Maschinen zur Ackerbearbeitung würden uns sehr helfen", so Roos.

Anpassung an Klimawandel

Wer das Projekt monetär unterstützen möchte, könne dies durch eine Mitgliedschaft im Verein, Spenden oder eine Acker-Patenschaft (20 Euro pro Quadratmeter und Jahr). Der Bezirk Niederbayern will mit der angebotenen Fläche seinen Beitrag zu dem Projekt leisten. "Schon seit fast 30 Jahren engagiert sich der Bezirk für den ökologischen Landbau. In den letzten Jahren wurde nicht zuletzt durch die klimatischen Veränderungen immer deutlicher, wie wichtig und richtig diese Strategie war", so Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich. Auch der Weltacker soll biologisch nach den strengen Richtlinien von Naturland bewirtschaftet werden.

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