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Kommende Woche sollen Kreise und Städte bereit sein, ihre Einwohner gegen das Corona-Virus zu impfen. Dabei sind viele Fragen noch offen. Die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger befürchtet, dass die Impfzentren zunächst ohne Impfstoff dastehen.

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Landrätin kämpft mit Unklarheiten bei Corona-Impfung

Kommende Woche sollen Kreise und Städte bereit sein, ihre Menschen gegen das Corona-Virus zu impfen. Dabei sind viele Fragen noch offen. Die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger befürchtet, dass die Impfzentren zunächst ohne Impfstoff dastehen.

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Von
  • Ursula Heller
  • Robin Köhler

Beim Landratsamt Regensburg wird akribisch gearbeitet. Kommende Woche sollen die neuen Impfzentren bereit sein, täglich mindestens 300 Menschen gegen das Corona-Virus zu impfen. Eine Herausforderung, wie die Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler) im Interview mit dem BR-Politikmagazin Kontrovers feststellt: "Also es ist sportlich, aber wir sind bereit und was zu organisieren ist, das haben wir organisiert. Es fehlt aber noch einiges, um auch wirklich loslegen zu können."

Die Vorgaben kommen dabei direkt aus München: Die Kreisverwaltungsbehörden haben die Anweisung erhalten, bis zum 15. Dezember einsatzbereite Impfzentren inklusive mobilen Impfteams einzurichten. Damit tragen Landratsämter oder kreisfreien Städte die Verantwortung und müssen Fragen des Standorts, der Sicherheit, des Personals und der Logistik klären.

Schwierige Planung bei vielen offenen Fragen

Die Organisation stellt sich laut Schweiger aber als schwierig heraus, wenn zahlreiche Fragen auch vom bayerischen Gesundheitsministerium bisher nicht beantwortet werden können. Bisher stehe noch nicht einmal fest, welcher Impfstoff genutzt werde und für welche Zielgruppen dieser geeignet sei. "Ich wünsche mir Klarheit, welcher Impfstoff es ist, für wen er zugelassen ist, für wen er geeignet ist, mit welcher Priorisierung, und wie viele Dosen uns dann auch zur Verfügung stehen werden", sagt Tanja Schweiger.

Das bayerische Gesundheitsministerium zeigt sich auf BR-Anfrage dagegen optimistisch. Die meisten der aktuell 93 geplanten Impfzentren seien "logistisch, wie auch konzeptionell weit fortgeschritten" heißt es von einem Ministeriumsprecher. Weitere Aspekte hingen von den Vorgaben und Informationen des Bundes ab: "Dazu zählen zum Beispiel die Prozesse rund um die Terminvereinbarung sowie Fragen der Priorisierung und damit der Festlegung, welche Gruppen zuerst geimpft werden sollen." Zumindest bei der Priorisierung sollte es bald mehr Klarheiten geben. Die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert-Koch-Institut hat inzwischen sechs Kategorien erstellt, nach denen die Bevölkerung geimpft werden soll. Unter anderem ganz oben auf der Liste: Menschen im Alter von über 80 Jahren.

Kritik an Parallel-Struktur zu Hausärzten

Zuletzt hatte bereits Peter Dreier (Freie Wähler), Landrat von Landshut, das Vorgehen der Staatsregierung bei der Impfzentrums-Strategie kritisiert, weil er die Impfungen lieber den Hausärzten überlassen hätte: "Sie verfügen über ein weiträumiges, flächendeckendes Netzwerk, sodass wir auch über die Hausärzte sicherlich umgehend eine hohe Impfquote hätten erreichen können." Zudem sei medizinisches Personal auf dem freien Markt quasi nicht mehr zu bekommen.

Die nationale Impfstrategie des Bundes sieht dagegen vor, dass in einer ersten Phase zunächst zentralisiert geimpft wird. Erst später, wenn größere Mengen des Impfstoffs für die Gesamtbevölkerung zur Verfügung stehen, sollen niedergelassene Ärzte und andere ärztliche Einrichtungen mit einbezogen werden.

Wann ist der Impfstoff da?

Auch wenn die Impfzentren am 15. Dezember bereit sind, ist weiterhin offen, wann mit den Impfungen begonnen werden kann. Dafür muss zunächst die Zulassung eines Impfstoffes über die Europäische Union erfolgen. Tanja Schweiger ahnt bereits, dass man erstmal ohne Impfstoff dastehen wird: "Ich glaube, wir haben viel vorbereitet, um loslegen zu können. Aber ich mache ein Fragezeichen dahinter, ob es Sinn macht, dass wir alle mit mehreren Impfteams am Dienstag bereit sind, wo wir wissen, dass der Impfstoff noch nicht da ist."

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