BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Landkreise Passau und Regen müssen Schulen wieder schließen | BR24

© BR
Bildrechte: dpa/Frank Rumpenhorst

"Wir können so nicht mehr weitermachen", sagt Regens Landrätin Rita Röhrl. Sie übt massive Kritik an der derzeitigen Corona-Politik der Staatsregierung.

40
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Landkreise Passau und Regen müssen Schulen wieder schließen

Auf - Zu, Auf - Zu: Nach einer sehr kurzen Öffnungsphase müssen die Landkreise Passau und Regen ihre Schulen schon wieder schließen. Die 7-Tage-Inzidenzwerte sind erneut über 100 gestiegen. Regens Landrätin Röhrl versteht den Protest vieler Eltern.

40
Per Mail sharen
Von
  • Martin Gruber
  • Renate Roßberger
  • BR24 Redaktion
  • Christian Riedl

Es ist ein Hin und Her für Lehrer, Schüler und Eltern: Nachdem sie nur ganz kurz geöffnet waren, sind die Schulen in den Landkreisen Passau und Regen wegen steigender Infektionszahlen schon wieder geschlossen worden. Der Landkreis Passau weist laut Robert Koch-Institut aktuell einen 7-Tage-Inzidenzwert von 114,2 auf - der Landkreis Regen kommt sogar auf 143,4.

Kein Ermessensspielraum

Am Wochenende hatte sich abgezeichnet, dass die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis Passau wieder die 100er-Grenze überschreitet. Weil sich die Entwicklung die nächsten Tage voraussichtlich fortsetzen wird, entschied Landrat Raimund Kneidinger (CSU) in Abstimmung mit dem staatlichen Schulamt und dem Gesundheitsamt, die in der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vorgesehenen Schulen beziehungsweise Jahrgangsstufen sowie die Kitas im Landkreis Passau mindestens am Montag und Dienstag zu schließen.

Kinder befinden sich damit wieder im Distanzunterricht. Liege der Inzidenzwert bei über 100, habe der Landkreis bei der Frage der Schul- und Kitaschließungen keinen Ermessensspielraum, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamts.

Landrat schreibt Brandbrief an Söder

Das kurzfristige Hin und Her und die Planungsunsicherheiten bei den Schulen und Kitas veranlassten Landrat Kneidinger jetzt, einen Brief an Ministerpräsident Söder (CSU) zu schreiben. Darin fordert er einen längeren Beobachtungszeitraum, um die Schulen stabil für wenigstens eine Woche offenhalten zu können.

In der Stadt Passau bleiben Schulen und Kitas zunächst weiter geöffnet. Der Inzidenzwert liegt hier deutlich unter 100. Zur Wochenmitte werde die Lage neu bewertet, hieß es aus dem Rathaus.

Wochenende verändert die Lage im Landkreis Regen

"Das starke Infektionsgeschehen im Landkreis Regen zwingt uns zu dem Schritt, die Schulen, schulvorbereitenden Einrichtungen und Kindertagesstätten bereits ab Montag, 1. März, zu schließen", teilte Regens Landrätin Rita Röhrl (SPD) mit. Während man am Freitag noch davon ausgegangen war, dass das Infektionsgeschehen nicht weiter steigen wird und lokal eingrenzbar ist, zeigte sich im Laufe des Samstags ein neues Bild.

Abschlussschüler ausgenommen

Da die Zahlen in den kommenden Tagen sicher nicht sinken werden, müsse man so reagieren, betont Rita Röhrl. "Für die Schulen bedeutet dies, dass ab Montag wieder Distanzunterricht an allen Schulen und in allen Jahrgangsstufen ist", erklärt die Landrätin, weist aber zugleich darauf hin, dass es "eine Notbetreuung geben muss".

Eine Ausnahme gibt es lediglich für die Klassen, die bereits seit 1. Februar im Wechselunterricht waren. Somit dürfen der Abiturjahrgang, die Abschlussklassen an FOS und BOS sowie die Abschlussschüler aller beruflichen Schulen, deren Prüfungen vor den Osterferien stattfinden, wie schon im Februar die Schulen besuchen.

Bevölkerung aufgebracht

Das Landratsamt Regen hat um die 1.000 Kommentare aus der Bevölkerung auf seiner Facebook-Seite als Reaktion auf die erneuten Schließungen von Kindergärten und Schulen erhalten, die meisten davon waren kritisch, negativ, teils auch sehr wütend. Das sagte Heiko Langer, der Pressesprecher des Landratsamts, dem BR. Die Nachricht, dass Schulen und Kindergärten ab heute wieder geschlossen werden müssen, nachdem über das Wochenende die Inzidenz im Landkreis Regen auf fast 150 hoch geklettert war, wurde auf Facebook rund 123.000 mal geklickt.

Landrätin wehrt sich gegen Kritik

Landrätin Rita Röhrl hat sich heute in einer kurzfristig angesetzten Online-Pressekonferenz zu Wort gemeldet. Sie wehrt sich gegen Kritik an den erneuten Schulschließungen im Landkreis. Viele Menschen seien offenbar nicht richtig über das Procedere informiert, meint sie. Die Kreisverwaltung habe keine andere Alternative. Ab einem Inzidenzwert von mehr als 100 müssten gemäß der bayernweit geltenden Regeln die Schulen wieder geschlossen werden. "Der Landkreis kann das nicht entscheiden", so Röhrl.

Röhrl versteht Eltern-Protest

Gleichzeitig betont Röhrl, dass sie den Protest vieler Eltern nachvollziehen könne: "Wir können so nicht mehr weitermachen!" Schülerinnen und Schüler, Schulen und Eltern stünden ständig vor einer nicht kalkulierbaren Situation. Des Weiteren übt Röhrl massive Kritik an der derzeitigen Corona-Politik der Staatsregierung. "Wir müssen mit Konzepten öffnen", so die Regener Landrätin. Die Verdrossenheit in der Bevölkerung nehme zu, "die Menschen gehen das nicht mehr mit".

Röhrl will "kontrollierte Öffnungen in allen Bereichen"

Röhrl ist der Ansicht, dass die strengen Lockdown-Maßnahmen zurückgefahren werden können, wenn ein entsprechendes Schutzkonzept dahinter liege. Dazu gehören aus ihrer Sicht unter anderem Corona-Selbsttests und in Schulen und Kindergärten die Impfung des Lehr- und Erziehungspersonals. Die SPD-Kommunalpolitikerin ist der Meinung, der Neidfaktor verbunden mit der Frage, warum manche Branchen öffnen dürfen, andere aber nicht, nehme zu: "Wir würden gut daran tun, kontrollierte Öffnungen in allen Bereichen anzustreben."

"Hin und Her bei Schulöffnungen verhindern"

Im Bereich der Schulen und Kindergärten setzt die Regener Landrätin darauf, dass die Ministerpräsidentenkonferenz in dieser Woche neue Konzepte vorschlage. Ein Hin und Her von Schulöffnungen und -schließungen abhängig von Inzidenzwerten sollte verhindert werden, meint sie.Der bayerische Gesundheitsminister Holetschek (CSU) habe ihr in einem Telefonat am Vormittag signalisiert, dass es praktikablere Lösungen geben werde.

Warum der Inzidenzwert im Kreis Regen wieder so stark anstieg, ist nicht ganz klar. Neben Infektionen in einer Großfamilie gab es ein über den Landkreis verbreitetes diffuses Infektionsgeschehen ohne erkennbare Schwerpunkte, sagte Regens Pressesprecher dem BR.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!