BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Landkreis Wunsiedel ist erstes Radon-Vorsorge-Gebiet | BR24

© BR
Bildrechte: picture-alliance/dpa

Der Landkreis Wunsiedel ist das erste bayerische Radon-Vorsorgegebiet.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Landkreis Wunsiedel ist erstes Radon-Vorsorge-Gebiet

Eine Radon-Kur hilft bei Gelenkschmerzen. Doch wenn in Räumen zu viel von dem Edelgas vorkommt, besteht Krebsgefahr. Im Landkreis Wunsiedel ist das der Fall. Er ist deshalb jetzt das erste Radon-Vorsorgegebiet in Bayern. Doch viele Fragen sind offen.

Per Mail sharen
Von
  • Annerose Zuber

Der Landkreis Wunsiedel ist ab heute sogenanntes Radon-Vorsorgegebiet. Das bayerische Umweltministerium geht davon, dass in mehr als zehn Prozent der Gebäude erhöhte Radon-Werte vorliegen. Der Referenzwert liegt bei 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft. Dieses natürlich vorkommende radioaktive Edelgas kann über undichte Fugen und Risse aus Boden und Luft in Gebäude gelangen. In geschlossenen Räumen kann deshalb die Gefahr für Lungenkrebs oder andere Lungenkrankheiten steigen. Lüften allein reicht oft nicht aus.

Auch Bayreuth und Südbayern betroffen

Der Landkreis Wunsiedel ist momentan das einzige Vorsorge-Gebiet bayernweit. Und das, obwohl das Bundesamt für Strahlenschutz auch in der Stadt Bayreuth sowie den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Miesbach und Traunstein von erhöhten Radonwerten ausgeht. Doch in diesen Regionen will das bayerische Umweltministerium erst noch weitere Untersuchungen durchführen.

Arbeitgeber müssen messen

Die neue Verordnung hat nun direkte Auswirkungen auf Bauherren und Arbeitgeber in der Region Wunsiedel. Ab sofort muss in bestehenden Gebäuden in allen Arbeitsräumen, die im Keller oder im Erdgeschoss liegen, die Radonkonzentration gemessen werden. Bei erhöhten Werten ist dann unter anderem das Abdichten von Fugen und Rissen im Mauerwerk vorgeschrieben.

Rund 30 Euro pro Messung

Gemessen wird das farb-, geruch- und geschmacklose Edelgas mit sogenannten Exposimetern. Diese kleinen dosenförmigen Geräte kosten nach Auskunft des Umweltministeriums mitsamt Auswertung rund 30 Euro. Arbeitgeber, die ihre Daten an das Landesamt für Umwelt (LfU) übermitteln, bekommen eine Kostenerstattung. Das LfU startet im Landkreis Wunsiedel ein neues Pilotprojekt zur Radonmessung am Arbeitsplatz.

Radon-Schutzmaßnahmen beim Bau neuer Gebäuden

Unter dem Motto "Informieren, messen, handeln" gibt das Landesamt für Umwelt (LfU) eine ausführliche Übersicht. Da geht es auch um Radon-Schutzmaßnahmen beim Bau neuer Gebäude – zum Beispiel bei der Auswahl spezieller Betonsorten.

Unklar, wer informiert und kontrolliert

All dies gilt zwar ab dem 11. Februar 2021, aber bei dieser neuen Verordnung für Radon-Vorsorgegebiete des Umweltministeriums bleiben noch viele Fragen offen. Zum Beispiel, welche Behörde in welcher Weise die Bauherren und Arbeitgeber im Landkreis Wunsiedel über die neue Messpflicht und den konkreten Ablauf informiert und auch, wer wie die neue Vorschrift kontrolliert. Nach BR-Recherchen stehen dazu am Freitag und damit einen Tag nach dem Inkrafttreten der neuen Verordnung, Gespräche des Landratsamts mit dem Landesamt für Umwelt an.

Umweltministerium verweist auf Ministerialblatt

Auf Nachfrage des BR erklärt das Umweltministerium lapidar, dass die Verordnung am 27. Januar 2021 im "Bayerischen Ministerialblatt" und in der Tagespresse veröffentlicht worden sei. Außerdem halte das LfU umfangreiche Informationen zu Radonmessungen auf seiner Internet-Seite bereit, so der Hinweis aus dem Ministerium.

Kritik der SPD

Die SPD im bayerischen Landtag hatte im Januar kritisiert, dass das Umweltministerium erst jetzt ein erstes Radon-Vorsorgegebiet ausgewiesen hat. Bundesweit wird bereits seit Ende 2018 im Strahlenschutzgesetz auf die Gefahren durch Radon hingewiesen. Demnach sollten die Bundesländer bis zum 31. Dezember 2020 Vorsorgegebiete festlegen.

Radon-Kuren in Oberfranken und Oberpfalz

Das erhöhte Radon-Vorkommen hat aber auch positive Seiten: Das natürlich vorkommende Edelgas gilt als schmerzlindernd und entzündungshemmend. Es wird zum Beispiel in Oberfranken und in der Oberpfalz bei Bade- und Trinkkuren zur Behandlung von Wirbelsäule- und Gelenkerkrankungen eingesetzt – etwa in Weißenstadt im Landkreis Wunsiedel, im Bayerische Staatsbad Bad Steben im Landkreis Hof oder im Sibyllenbad in Bad Neualbenreuth im Landkreis Tirschenreuth.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!