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Zum zweiten Mal ist der Landkreis Tirschenreuth im Fokus bei den Infektionszahlen in Deutschland. Die Inzidenz liegt heute bei 333. In den vergangenen Tagen lag sie sogar knapp unter 400. Die Sorge vor der britischen Corona Mutation geht um.

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Landkreis Tirschenreuth meldet 173 Verdachtsfälle auf Mutationen

Zum zweiten Mal ist der Landkreis Tirschenreuth im Fokus bei den Infektionszahlen in Deutschland. Die Inzidenz liegt heute bei 333. In den vergangenen Tagen lag sie sogar knapp unter 400. Die Sorge vor der britischen Corona-Mutation geht um.

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Von
  • Anna Feininger
  • Beate Greindl
  • Thomas Kiessling

Es ist nicht das erste Mal, dass Tirschenreuth ganz oben bei den Infektionszahlen in Deutschland liegt. Das RKI verzeichnet heute einen Inzidenzwert von 333. Warum sind die Zahlen in Tirschenreuth bereits ein zweites Mal so hoch?

Um das herauszufinden, hat der Tirschenreuther Landrat Roland Grillmeier, CSU, Unterstützung und Rat beim zuständigen Landesamt für Gesundheit, LGL, eingeholt. Zusammen mit dem Gesundheitsamt einigte man sich, drei Tage lang alle Corona positiven PCR-Tests zusätzlich auf gefährliche Mutationen zu untersuchen.

Viele Mutations-Verdachtsfälle in Tirschenreuth

Das Ergebnis: Bis heute wurden 173 Verdachtsfälle auf die britische Mutation des Corona-Virus entdeckt. Landrat Grillmeier zeigt sich gegenüber dem BR-Politikmagazin Kontrovers alarmiert:

"Wie kann man schneller aufklären, wie gefährlich ist die Mutation, damit sind wir im Landratsamt und Gesundheitsamt Tirschenreuth überfordert. Es muss klare Anweisungen von der Regierung geben, wie soll man damit umgehen. Wir versuchen jetzt, bestmöglich diese Kontaktpersonen zu ermitteln." Roland Grillmeier, CSU, Tirschenreuther Landrat

Auch der Ministerpräsident wurde heute deutlich. In den nordostbayerischen Regionen Hof, Wunsiedel und Tirschenreuth an der Grenze zu Tschechien betrage der Anteil der Mutation an den positiven Fällen bereits 40 bis 70 Prozent, sagte Markus Söder, CSU, nach einer Sitzung des bayerischen Kabinetts in München.

Eingeschleppte Mutation?

Wurde die britische Corona-Mutation aus Tschechien eingeschleppt? Das fragen sich viele im Landkreis Tirschenreuth wegen der Grenznähe und der vielen Pendler aus dem Nachbarland, wo die Inzidenz regional noch weit höher liegt, bei über 1.000. Wegen der vielen Fälle lässt sich der Ursprung inzwischen aber wohl kaum noch finden.

Gibt es weitere Nachweise der Corona-Mutationen in Bayern?

Wo lassen sich die VOCs (Variants of Concern) in Bayern sonst noch nachweisen? Immerhin werden sie von der Politik als Begründung für Lockdown-Maßnahmen ins Feld geführt. Wie stark sind sie hierzulande bereits verbreitet? In Bayern gibt es laut Presseberichten an mindestens 30 Orten Verdachtsfälle auf die britische oder die südafrikanische Mutation des Corona-Virus. Weitere Fälle kommen täglich hinzu.

Eine Erhebung des Labors "Becker und Kollegen" zeigt, dass die Zahlen auch in München und Umgebung ansteigen. Repräsentativ sind die Zahlen des Labors zwar nicht, insgesamt hat man dort aber in der vergangenen Woche eine Verdoppelung der Verdachtsfälle festgestellt. Während es in den Wochen vorher sechs bis sieben Prozent Fälle gegeben habe, wurde kürzlich ein Anstieg auf 16 Prozent festgestellt.

Neue Diagnostik zur Erkennung von Mutationen

Das Münchner Labor war bei der Entwicklung eines Testverfahrens beteiligt, das die ansteckenderen und womöglich auch tödlicheren "Variants of Concern" (VOC) des SARS CoV-2 Erregers erkennen kann, ohne die komplette Erbsubstanz des Virus sequenzieren zu müssen. Besondere Merkmale in der Struktur weisen mit einer großen Sicherheit auf diese Mutationen hin. Der Vorteil: Mit diesem Verfahren lassen sich die Proben innerhalb von einigen Stunden analysieren.

Bisher erkannte das Landesamt für Gesundheit Mutationen des Virus nur dann als nachgewiesen an, wenn die Proben komplett analysiert wurden. Diese umfassende Sequenzierung der Virus-DNA bieten nur wenige Labore an, unter anderem wird dieses Verfahren am Landesamt durchgeführt. Doch die Untersuchung ist langwierig, sie dauert zehn bis 14 Tage. Zum kurzfristigen Nachweis und der Eindämmung eines Ausbruchsgeschehens ist dieses Verfahren daher wenig geeignet.

Mutationen: Der Überblick fehlt

Im Landesamt für Gesundheit (LGL) weiß man, dass inzwischen zahlreiche Labore mit neuen Testverfahren in vielen Teilen Bayerns Verdachtsfälle melden, Tendenz steigend. Die Behörde konnte die Fälle jedoch bislang nicht bestätigen, sie liegen ihr nur bruchstückhaft vor. Zwar müssten Labore bereits jetzt die Verdachtsfälle der relevanten Mutationen an die zuständigen Gesundheitsämter melden und diese sollten sie an das Landesamt für Gesundheit weiterleiten. Auf Nachfrage des BR Politikmagazins Kontrovers teilt die Behörde jedoch mit, für eine digitale Weiterleitung und Auswertung der Fälle fehle noch die entsprechende Software. Es gebe also noch keine funktionierende Meldestelle.

Kritik des Landrats von Tirschenreuth

Der Landrat von Tirschenreuth, Roland Grillmeier, kritisiert, man habe bei der Suche nach den britischen Mutationen in seinem Landkreis viel Zeit verloren. Schon vor Wochen hätte man umfangreich testen und analysieren müssen.

Seit neuem gibt es eine Anordnung im Landkreis: Pendler aus Tschechien dürfen bis auf weiteres nicht mehr im Landkreis einkaufen. Bayern, die nach Tschechien zur Arbeit fahren, müssen sich danach umgehend nach Hause begeben. Auch die Betriebe in Tirschenreuth müssen jetzt noch mehr leisten. Es besteht neuerdings eine Testpflicht für Mitarbeiter.

Eines zeigt das Beispiel Tirschenreuth: Die neuen Mutationen sind auf dem Vormarsch, die Behörden konnten sie nicht stoppen.

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Der Landrat des Landkreises Tirschenreuth, Roland Grillmeier (CSU), will trotz einer Sieben-Tage-Inzidenz von 348,4 den Landkreis nicht abriegeln.

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