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Bildrechte: Landratsamt Regen

Der Landkreis Regen veröffentlicht nun - nach Kritik - eine Ortskarte mit Fallzahlen. Die Diskussionen darüber gehen weiter.

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Landkreis Regen veröffentlicht wieder Coronazahlen pro Gemeinde

Lange hatte der Landkreis Regen darauf verzichtet, aktive Corona-Fälle aufgeschlüsselt nach Gemeinden zu veröffentlichen. Nun gibt es die Karte wieder, nachdem viele sie gefordert hatten. Doch die Karte ist nach wie vor umstritten.

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Von
  • Andrea Neumeier
  • Renate Roßberger
  • BR24 Redaktion

Fast alle niederbayerischen Landkreise veröffentlichen regelmäßig die aktuellen Corona-Zahlen, aufgeschlüsselt nach Gemeinden. Nach viel Kritik legt nun auch der Landkreis Regen, der weiterhin den schlechtesten Corona-Inzidenzwert in ganz Deutschland hat, die Zahlen offen. Doch darüber wird weiter heftig diskutiert.

Bedenken wegen Datenschutz

Der Landkreis Regen hatte bereits bei der ersten Welle im Frühjahr regelmäßig eine Landkreiskarte veröffentlicht, aus der die Corona-Infektionen aller 24 Gemeinden herauszulesen waren. Das wurde laut Landratsamt ausgesetzt, nachdem einige Bürger Bedenken wegen des Datenschutzes angemeldet hatten. Die Angst: Infizierte könnten stigmatisiert werden. "In kleinen Gemeinden merkt man schnell, wer sein Haus mehrere Tage nicht verlässt", argumentiert Landratsamtssprecher Heiko Langer. Das sei auch ein Grund, weshalb Ruhmannsfelden, Achslach, Gotteszell und Zachenberg in der Karte als eine Verwaltungsgemeinschaft mit aktuell 27 Infizierten aufgeführt sind und nicht jede Gemeinde separat.

Karte verspricht "falsche Sicherheit"

Des weiteren befürchtet das Landratsamt, Einwohner in weniger stark betroffenen Gemeinden könnten sich in falscher Sicherheit wiegen. Deshalb will das Landratsamt die Karte in Zukunft auch nur unregelmäßig, alle 14 Tage, veröffentlichen. Ein weiterer Grund sei, dass die Karte verfälscht sein könne: Wird eine Person positiv auf Corona getestet, ist sie zwar in Gemeinde A gemeldet, hält sich jedoch die meiste Zeit beim Lebenspartner in Gemeinde B auf, arbeitet bei einer Firma in Gemeinde C und fährt am Liebsten in Gemeinde D zum Einkaufen. "Die Karte gibt nur Auskunft darüber, wo Personen offiziell gemeldet sind, aber nicht, wo sie sich die meiste Zeit aufhalten, oder wo sie sich angesteckt haben", erklärt Heiko Langer.

Diskussionen auch in sozialen Medien

Auf Facebook wird kontrovers darüber diskutiert, welchen Nutzen die Karte für den Bürger hat. "Was bringt eine tatsächliche Aufschlüsselung? Dass jeden Tag eine andere Gemeinde am digitalen Pranger steht?", schreibt ein User. Ein anderer ergänzt: "Nur mal für Sie zur Erinnerung: Im Frühjahr hatten sich einige Fußballer in Untermitterdorf infiziert. Daraufhin wurden diese Personen zum Teil sehr heftig angegangen! Für die war es ein echter Spießrutenlauf." Ein Bürger aus dem Nachbarlandkreis Cham schreibt dagegen: "Wir in Kötzting kennen auch unsere Zahlen". Trotz leidenschaftlicher Diskussionen fordern viele User "Zamhoidn und nicht Vorwürfe machen".

Kritik an Informationspolitik

Der Regener CSU-Kreisvorsitzende Stefan Ebner ist einer von vielen im Landkreis, die die Informationspolitik des Landratsamtes kritisiert und die Karte vehement gefordert hatten. Acht von neun niederbayerischen Landkreisen würden schließlich ebenfalls ihre aufgeschlüsselten Infiziertenzahlen veröffentlichen.

Landkreis Regen deutschlandweit am meisten betroffen

Der Landkreis Regen verzeichnet bereits seit Wochen anhaltend viele Corona-Neuinfektionen. Laut Robert-Koch-Institut liegt der 7-Tage-Inzidenzwert heute bei 633 (15.12., 0.00 Uhr), was in Folge deutschlandweit der höchste Wert ist. Laut aktueller Karte gibt es momentan die meisten aktiven Fälle in den Städten Zwiesel (180) und Regen (153). Die hohen Zahlen erklären sich dort aus vielen Fällen in Seniorenheimen, bei Bewohnern wie auch beim Personal, ebenso in der Gemeinde Kirchberg mit 63 Fällen. Kirchberg ist außerdem die größte Gemeinde im Landkreis nach den Städten. Hohe Fallzahlen erklären sich aber nicht allein aus Infektionen in Heimen. Viele Infektionen gehen quer durch die Bevölkerung. Das war einer der Gründe, warum der Landkreis mit einer solchen Karte lange gezögert hatte.

Die wenigsten Corona-Positiven sind laut der am Montag veröffentlichten Karte in den Gemeinden Arnbruck (3) und Bayerisch Eisenstein (4) gemeldet.

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