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Landkreis Regen: Mangelnde Meldemoral bei Kontaktpersonen? | BR24

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"Bitte Maske tragen und Sicherheitsabstand 2,0 m einhalten" steht auf einem Schild in der Innenstadt von Regen.

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    Landkreis Regen: Mangelnde Meldemoral bei Kontaktpersonen?

    Der Landkreis Regen geht heute schon in einen harten Lockdown. Denn in den vergangenen Wochen lag der Inzidenzwert dort im Bundesschnitt immer wieder an der Spitze. Die Regener Landrätin Rita Röhrl vermutet als Ursache auch riskante Verhaltensweisen.

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    Von
    • Maren Breitling

    Die Landrätin von Regen erklärt sich die hohen Inzidenzwerte in ihrem Landkreis damit, dass positiv getestete Menschen, dem Gesundheitsamt bei der Nachverfolgung nur nachlässig ihre Kontakte im infektiösen Zeitraum mitteilen. Das sagte sie im Interview mit BR24:

    BR24: Frau Röhrl, der Landkreis Regen ist zum Hotspot geworden. Wie ist bei Ihnen die Situation bei der Kontaktverfolgung?

    Rita Röhrl: 40 Prozent unseres Infektionsgeschehens ist diffus. Das heißt, wir wissen nicht, wo die Ansteckungen eigentlich herkommen. Der Verdacht liegt daher nahe, dass Infizierte ihre Kontaktpersonen nicht vollständig angegeben haben. Das kann einerseits sein, weil sie damit die Kontaktpersonen vor der Quarantäne schützen wollten, die andere Möglichkeit ist, dass sie den Kontakt als zu flüchtig eingeschätzt haben. Und all diese Kontaktpersonen stecken als Infizierte dann weiter andere an. Anders ist es eigentlich nicht erklärbar.

    Infektionsherde im Oktober noch auffindbar

    Wie zeigt sich das bei Ihnen im Landkreis?

    Wir hatten zum Beispiel im Oktober private Feiern als Ursache. Da konnten wir die Infektionen ganz klar zuordnen: Das war in der Stadt, das war in der Schule, das waren diese Teilnehmer und das waren die Kontaktpersonen. Das war alles eindeutig zuordenbar.

    Aber woher kommt jetzt das diffuse Geschehen? Das ist nicht erklärbar. Und das kann nur passieren, wenn Kontakte nicht nachverfolgt werden können, weil das Gesundheitsamt sie nicht kennt.

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    Bildrechte: pa/dpa/Heiko Langer

    Mangelnde Meldemoral bei Kontaktpersonen?

    Infizierte geben weniger Kontakte an

    Haben sich die Zahlen der Kontaktangaben im Vergleich zur ersten Welle verändert?

    Im Frühjahr gab es, wenn man die heutigen Zahlen zugrunde legt, relativ wenig positive Fälle. Damals gab jeder positiv Getestete im Schnitt bis zu zehn Kontaktpersonen an. Wenn man sich das jetzt anschaut, dann gibt es Infizierte, die geben zum Teil nur drei oder vier Kontaktpersonen an. Das kann eigentlich fast nicht stimmen. Wenn jemand berufstätig ist und draußen unterwegs ist, dann ist die Zahl unrealistisch.

    Röhrl: Corona nervt die Leute

    Wie erklären Sie sich, dass manche Infizierte ihre Kontakte nicht mehr angeben wollen?

    Ich glaube, die Hauptursache ist tatsächlich, dass mittlerweile das Thema Corona jedem gewaltig auf die Nerven geht. Die Nerven liegen blank. Und das Verhalten ist der Versuch, sich irgendwie zu schützen. Man glaubt, damit können wir Corona wegbringen. Aber damit macht man die Situation nur schlimmer.

    Welche Folgen hat das für Ihre Region?

    Mit dieser Verweigerungshaltung erreicht man nur, dass Maßnahmen getroffen werden müssen, um alle anderen zu schützen. Das sind dann Schulschließungen. Das sind Ausgangsbeschränkungen und all diese Dinge, die wir eigentlich nicht möchten.

    Und darum kann ich nur an die Vernunft der Menschen appellieren, Kontaktpersonen bitte zu melden. Wenn die Tests der Leute negativ sind, dann haben sie nichts zu befürchten. Nach der Zeit können sie wieder arbeiten gehen. Aber wenn sie positiv sind, dann sind sie eine Gefahr für sich und für andere.

    Dramatische Auswirkungen im Landkreis Regen

    Hoffen Sie auf ein Umdenken der Menschen?

    Die Auswirkungen sind dramatisch und ja, vielleicht wird das Verhalten aufgrund der Situation im Landkreis besser. Ein Krankenhaus musste sich bereits aus der Notfallversorgung ausklinken. Und ein Altenheim kann die Pflege nicht mehr gewährleisten, weil so viele Pflegekräfte entweder selber krank oder in Quarantäne sind. Das sind dann schon Dinge, die zum Nachdenken anregen, ob diese Sorglosigkeit wirklich angebracht ist.

    "Bei uns auf dem Land ist alles näher"

    Sehen Sie Unterschiede zwischen Stadt und Landkreisen?

    Ja, die Distanz zu anderen Menschen ist in der Stadt eine andere. Bei uns auf dem Land ist alles näher. Man kennt jeden, zum Teil von Geburt an, dann sowieso von den Kindern her und aus der Schule. Die Nähe ist bei uns sehr ausgeprägt, ausgeprägter als in der Stadt. Und das macht sich bemerkbar.

    Haben Sie das Gefühl, dass sich Menschen bei Bekannten in Sicherheit wiegen?

    In Sicherheit wiegen ist bei uns auf dem Land wirklich ein spezielles Thema, weil jeder der Meinung ist, wenn ich den kenne, dann kann doch überhaupt nichts sein. Das ist natürlich ein Irrtum. Der, den ich kenne, kann genauso eine Krankheit in sich tragen und sie an mich weitergeben wie jeder andere auch. Das ist eine Gefahr.

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