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Innenstadtleben: Leerstandsmanager in Helmbrechts braucht Geduld | BR24

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Leerstände in Innenstädten sind seit Jahren ein bekanntes Problem. Um dagegen vorzugehen beschäftigt die Stadt Helmbrechts (Lkr. Hof) nun einen Manager, der Besitzer kontaktieren und beraten soll.

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Innenstadtleben: Leerstandsmanager in Helmbrechts braucht Geduld

Seit eineinhalb Jahren leistet sich die 8.000-Einwohner-Stadt Helmbrechts (Lkr. Hof) einen Manager, der Eigentümer von verwaisten Gebäuden kontaktiert und berät. Ungewöhnlich für eine Kommune dieser Größe - und ein mühsames, aber lohnendes Geschäft.

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Von
  • Lorenz Storch

Wer durch die Innenstadt von Helmbrechts geht, kann beides sehen: Gastronomie, geöffnete Geschäfte – aber auch heruntergekommene Fassaden und leere Fenster. Es besteht Handlungsbedarf, sagt Bürgermeister Stefan Pöhlmann (SPD): "Wir werden selber initiativ und haben ein eigenes kommunales Leerstandsmanagement geschaffen als einzige Kommune hier im Landkreis und auch darüber hinaus. Und das funktioniert sehr gut."

Ortskenntnis ist Trumpf – und viel mit Leuten reden

Der Helmbrechtser Leerstandsmanager Martin Weigold versteht sich als Kümmerer, als Schnittstelle zwischen Eigentümern, Interessenten und Investoren. Da ist Ortskenntnis Trumpf: "Man muss die Häuser gut kennen. Man muss die Eigentümer auch gut kennen. Und man muss viel mit den Leuten sprechen."

Die städtische Leerstandsberatung soll die bereits bestehende auf Landkreisebene ergänzen, so Bürgermeister Pöhlmann. Mit Klinkenputzen vor Ort und viel Kommunikation. Man habe sich deshalb bewusst dafür entschieden, keinen Architekten oder Techniker dafür einzustellen, sondern einen Öffentlichkeitsarbeiter. Martin Weigold macht in Personalunion auch die Pressearbeit für die Stadt Helmbrechts, so wird seine Stelle für die 8.000-Einwohner-Stadt finanzierbar.

250 Häuser in Helmbrechts stehen noch leer

Zu tun gibt es jedenfalls genug. Ungefähr 250 leerstehende Immobilien in Helmbrechts hat Martin Weigold in seiner Kartei, die er in den vergangenen anderthalb Jahren aufgebaut hat. Mit knapp 50 der Eigentümer steht er inzwischen in engerem Kontakt. 14 Objekte konnte er in den letzten eineinhalb Jahren vermitteln.

Motorradhandel statt Textilfirma

Zum Beispiel die alte Textilfirma Liefgo – Jahrzehnte lang wurde das Firmengebäude kaum genutzt. Jetzt hat sich Ulli Christen entschlossen, das Objekt zu kaufen. Er plant hier eine Motorradwerkstatt, einen Fahrradhandel und Wohnungen. Das alte Gebäude mit Industriecharme findet er dafür optimal.

Interesse von außerhalb ist da

Es gibt auch viele Interessenten von außerhalb der Region, die nach Immobilien in Helmbrechts fragen, berichtet Leerstandsmanager Weigold, für Wohnen und Gewerbe. Die für viele unbezahlbaren Immobilienpreise in Großstädten haben Oberfranken attraktiver gemacht.

Häufig liege das Problem eher auf Seiten von Eigentümern, die schwer zu motivieren seien, mit ihrem leer stehenden Besitz in Helmbrechts auch etwas anzufangen. "Manche wollen einfach ihr Geld irgendwo parken", so Weigold, "andere haben kein Interesse, oder trauen sich Verkauf oder Renovierung nicht zu." Auch uneinige Erbengemeinschaften seien Teil des Problems.

Keine Druckmittel gegen Eigentümer, die Häuser vernachlässigen

Wenn ein Hauseigentümer partout nicht auf Angebote eingeht und sein Haus ungenutzt und vernachlässigt stehen lässt, hat auch der Leerstandsmanager keine Druckmittel. Das Eigentumsrecht genießt in Deutschland höchste Priorität.

Helmbrechts kann mit Fördermitteln locken, für Fassadensanierungen gibt es 30 Prozent Zuschuss. Aber auch das interessiert nicht jeden – immer wieder passiert es, das Hausbesitzer überhaupt nicht reagieren. Dann bleibt Martin Weigold nur, immer neue Briefe zu schicken. Und zu hoffen, dass am Ende die Hartnäckigkeit siegt.

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Verwaiste Innenstädte: Die Stadt Helmbrechts in Oberfranken will dagegen mit einem sogenannten "Leerstandmanager" ankämpfen.

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