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Familie aus dem Landkreis Günzburg zieht Rehbabys groß.

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Landkreis Günzburg: Jäger rettet Rehkitze und zieht sie auf

Jäger und Rehe: Häufig endet so eine Begegnung mit einem Schuss. Manchmal aber auch ganz anders: Ein Jäger im Landkreis Günzburg entdeckt ein überfahrenes Reh, erkennt, dass die tote Ricke Junge haben muss – und macht sich auf die Suche.

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Von
  • Peter Allgaier

Es gibt schönere Fahrten ins Revier, sagt Peter Wegscheider. Sechsmal sind allein im vergangenen Jahr Rehe in einem kleinen Waldstück an der Landstraße bei Kötz im Landkreis Günzburg überfahren worden. Auch diesmal gibt es keine Rettung für das Tier. Doch dem Jäger fällt auf, dass aus dem Gesäuge der Ricke Milch kommt. Ein eindeutiges Zeichen, dass sie Junge hat. Doch wo könnten diese sein?

Suche nach den Rehkitzen

Peter Wegscheider verständigt seine Tochter Carolina und zusammen mit ein paar Freunden suchen sie das Waldstück ab. Doch es ist schwer einzusehen, überall Brennnesseln und Büsche. Hin und wieder ist das Fiepen eines der Kitze zu hören, die wohl nach ihrer Mutter rufen. Eigentlich entfernt sich die Ricke nur 50 bis 100 Meter von ihren Kitzen. Doch es wird langsam dunkel und der Suchtrupp hat immer noch keinen Erfolg. Wegscheider weiß, wenn er die Kitze nicht findet, dann holt sie irgendwann der Fuchs.

Neues Zuhause beim Jäger

Also fahren er und seine Tochter am nächsten Tag nochmal raus. Diesmal aber mit einer Wärmebildkamera. Und tatsächlich, sie haben Glück. "Ich hab am ganzen Körper gezittert, weil das so aufregend war, sie endlich gefunden zu haben", beschreibt Carolina den Moment. "Die hatten sich auf braunes Laub gelegt, mit den Ohren nach unten. Die hätten wir ohne diese Kamera sicher nicht gefunden."

Normalerweise sollten Spaziergänger vermeintlich alleingelassene Kitze an Ort und Stelle lassen. Denn sobald der Mensch sie anfasst, haben sie unseren Geruch und dann nimmt die Rehgeiß sie nicht mehr an, sagt Peter Wegscheider. Doch jetzt müssen sie die Kitze mit nach Hause nehmen – und damit fangen die Probleme eigentlich erst an.

Mühsame Aufzucht von Hugo und Resi

Denn Hugo und Resi, so werden die beiden von Familie Wegscheider getauft, vertragen keine Kuhmilch. Die ist viel zu fett. Also muss Tochter Cornelia Ziegenmilch besorgen und den Tieren erst einmal das Trinken mit der Flasche beibringen. Die Kleinen haben großen Appetit. Leider auch zu unchristlichen Zeiten. "Ich musste alle drei Stunden in der Nacht aufstehen und ihnen was geben, sonst haben sie geschrien", sagt Carolina. Und es gibt noch eine weitere Herausforderung. Die Kitze sind so winzig, dass sie nicht unbeaufsichtigt im Garten laufen können, denn der Zaun ist zu weit. Also räumt Jagdhündin Cleo für einige Tage ihren großen Zwinger.

Unterstützung von der Wildtierhilfe

"So kleine Kitze zuhause zu haben, ist natürlich kein Dauerzustand", sagt Peter Wegscheider. Er weiß, es gibt Experten, die sich wesentlich besser mit Aufzucht und Pflege auskennen – zum Beispiel die Wildtierhilfe Baden-Württemberg. Ein Verein, der sich um Eichhörnchen, Igel oder eben auch Rehe in Not kümmert. Alex Dreher aus Bad Wurzach befreit die Kitze erst mal von lästigen Plagegeistern: "Bei Hugo und Resi hab ich erst mal hundert Zecken pro Tier raus, sonst werden sie fast leer gesaugt." Ganz so idyllisch, wie man sich das Kitzleben vorstellt, ist es leider nicht immer. Hugo hatte auch Durchfall und war deshalb auch in einem kleinen Gehege im Hausinnern. Doch schon bald ruft die große Freiheit.

Neue Heimat im Wildgehege

In ein paar Monaten kämen die Kitze in ein Wildgehege, sagt Alex Dreher. Hier können die kleinen Rehe vieles von ihren Artgenossen lernen. Wo man sich am besten verstecken kann oder wo es die besten Äsungsflächen gibt. Wenn den kleinen Rehen die Natur zu viel wird, können sie anfangs noch ins Gehege zurückkommen und dort Futter finden.

Hugo und Resi bekommen auch rote Ohrmarken, das soll verhindern, dass sie gleich in freier Wildbahn geschossen werden. Jäger Wegscheider und Tierschützer Dreher haben einen gemeinsamen Wunsch. Dass Autofahrer im Wald einfach den Fuß vom Gas nehmen. Denn dann könnten viel mehr Kitze zusammen mit ihrer Mutter erwachsen werden.

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