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Das Freibad in Gräfenberg ist ihr Revier und wer an schönen Tagen früh dort ist, der trifft sie garantiert: die "Freibad-Mafia" von Gräfenberg. Seit mehr als 60 Jahren treffen sich die neun Freunde und Bad-Urgesteine dort schon zum Schwimmen.

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Die ganz legale "Freibad-Mafia" von Gräfenberg

Das Freibad in Gräfenberg ist ihr Revier. Seit teilweise mehr als 60 Jahren trifft sich dort die "Freibad-Mafia". Zehn rüstige Rentner haben dort nicht nur Freundschaften fürs Leben geschlossen, sondern manche von ihnen auch die große Liebe gefunden.

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Von
  • Ursula Schmidt
  • BR24 Redaktion

Egal wie kalt das Wasser ist – und es kann sehr kalt sein, im Freibad der Stadt Gräfenberg im Landkreis Forchheim –, die selbsternannte "Freibad-Mafia" kommt. Allerdings nur, wenn die Sonne scheint und es mindestens 19 Grad warm ist. Dann trifft sich eine Truppe von 58 bis 78 Jahre alten Badefreaks, belegt mit ihren Handtüchern die Bänke, und hat meist vormittags das Bad nahezu für sich alleine. Die wichtigste Frage: Wie kalt ist es heute? Alles jenseits der 23 Grad empfinden die eingefleischten Freibadgänger nämlich als "viel zu warme Brüh'", erklärt Karin Kracker. Die 68-Jährige ist schon seit Kindertagen zum Schwimmen hier.

Freibad Gräfenberg: Wasser wird im Laufe der Jahre immer wärmer

Das Freibad Gräfenberg wurde 1938 eröffnet und seitdem hat sich an der Grundstruktur der Anlage wenig verändert. Bis in die 1970er Jahre hinein wurde das Wasser aus der nahegelegenen Kalkach in das Becken eingeleitet. Aufgeheizt wurde das recht frische Wasser nur in den warmen Sommertagen. Und dann schwammen meist Kaulquappen und Kinder um die Wette, berichtet Heinz Laufer, der "Capo" der "Freibad-Mafia".

Freundschaften und die große Liebe im Freibad gefunden

Seit 65 Jahren ist Laufer Badegast im Gräfenberger Freibad. Er hat wie die meisten der Badetruppe die gesamte Kindheit und Jugend im Freibad verbracht. Das Freibad habe sein Leben geprägt, erzählt der heute 70-Jährige. Viele hätten hier das Schwimmen gelernt, so auch die 77-jährige Anita Müller.

Neben der Abkühlung, gerade nach schweißtreibender Gartenarbeit, sei ihr die Pflege der Kontakte wichtig. Auf der schwer einsehbaren und etwas tiefer gelegenen Liegewiese wurden Freundschaften geschlossen und manche haben sogar die Liebe ihres Lebens gefunden. Wie etwa Hanne und Gerhard Küpfer. Sie, die Städterin, und er, der junge Bursche aus Mitteldorf, einer Gemeinde zu Füßen Gräfenbergs, hatten sich vor mehr als 50 Jahren im Freibad erstmals gesehen. Hanne Küpfer sei der große und damals langhaarige blonde Junge aufgefallen, erinnert sich die 66-Jährige. Weil sie Fan der Pop-Band BeeGees gewesen sei und er, Gerhard, damals genau so ausgesehen habe, wie Barry Gibb, habe sie sich in ihn verliebt.

Die Gräfenberger "Freibad-Mafia" schätzt die Gemeinschaft

Schwimmen, ins Becken hüpfen und ab auf die Wasser-Rutsche – das macht den Senioren auch heute noch Spaß. Manches geht nicht mehr so schnell, und Ursel Rammensee braucht zum Aufsetzen der Badekappe Hilfe. Die 78-jährige ist nicht mehr ganz so beweglich, aber auf das Schwimmen will sie auf keinen Fall verzichten. Deshalb ist immer jemand aus der "Freibad-Mafia" in der Nähe, um ihr die Gummikappe über den Kopf zu ziehen. Ein anderer rückt die Träger das Badeanzugs zurecht, dann marschiert die ehemalige Erzieherin Richtung Becken.

Gerade auch während der Corona-Pandemie sei es wichtig, sich zu treffen, so Laufer. Die Gemeinschaft zu haben, gemeinsam zu Essen und zu trinken, miteinander zu quatschen. Und das Alter, das spürten sie kaum, denn, so Laufer, bei 16 Grad Wassertemperatur "haut's Dir alle Falten aus den Gesicht".

Nachwuchssorgen haben die zehn Mitglieder der "Freibad-Mafia" übrigens nicht: Die sehr legale Organisation sei schon lange auf die Kinder und Enkelkinder ausgeweitet worden.

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