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Geräuschquelle unbekannt: Lästiges Brummton-Phänomen | BR24

© picture-alliance/Christin Klose

Dauerbrummen raubt Münchnern den Schlaf

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    Geräuschquelle unbekannt: Lästiges Brummton-Phänomen

    In Steinhöring im Landkreis Ebersberg leiden Anwohner seit Jahren unter einem unerklärlichen Brummton. Die Geräuschquelle ist unbekannt, mit den Symptomen der Dauerlärmbelästigung leben viele Steinhöringer.

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    Henning Böhm hat zehn Jahre schlecht geschlafen. Oft hat er tagelang ein tiefes Brummen im Ohr, in der Nacht ist es am schlimmsten. Den tiefen Ton hört er nicht nur, er spürt ihn auch. Er löst Vibrationen im gesamten Körper aus. An längeren Schlaf oder erholsame Nachtruhe ist da nicht zu denken.

    Wie ein Lkw im Schlafzimmer

    "Das ist, wie wenn ein Lkw hundert Meter entfernt steht, mit laufendem Motor, den Fuß ein bisschen auf dem Gas. Und dann steht der da und fährt nicht weg", so beschreibt er das Gefühl. "Die Vibrationen, die da auf mich einwirken, sind das größte Problem. Das kann man am besten beschreiben, wenn man früher mal in der Disco war, vor der großen Bass-Box, wie die Vibrationen auf den Körper einwirken. Das ist für mich das Schlimmste."

    Zwischendurch macht das Geräusch auch mal Pause. Aber es kommt bis heute immer wieder. Der 52-jährige Unternehmensberater hat es irgendwann nicht mehr ausgehalten und sich ein schalldichtes Schlafzimmer gebaut. Seitdem kann er zumindest nachts fast wieder so gut schlafen wir vor 2009.

    Über 100 Anwohner hören das Brummen

    Vor zehn Jahren trat das Problem das erste Mal auf. Böhm lebt in Steinhöring, hatte sich und seiner Familie dort ein Haus gebaut, bevor das Brummen kam. In dem kleinen Ort östlich von München gibt es mehr als 100 Nachbarn, die das tiefe Brummen auch hören.

    Es handelt sich um Töne im Bereich zwischen 0 und 16 Hertz, sogenannter Infraschall. Früher war die Lehrmeinung, dass Menschen Töne in diesem Frequenzbereich nicht hören oder wahrnehmen können. Diese Annahme gilt heute als widerlegt. Bis zu 25 Prozent der Bevölkerung bemerken Infraschall. Aber nicht bei allen lösen die tiefen Töne gesundheitliche Beschwerden aus.

    Die Geräuschquelle ist ein Rätsel

    Die Steinhöringer haben schon vor Jahren auf ihr Problem aufmerksam gemacht. Es gab Medienberichte, der Bürgermeister wollte der Sache auf den Grund gehen, der Landrat hatte sich eingeschaltet. Es gab Messungen von Fachleuten, die am Ende aber kein eindeutiges Ergebnis geliefert haben.

    Als Quelle für den störenden Ton haben die Betroffenen in Steinhöring die Transalpine Ölpipeline in Verdacht. Deren Rohre verlaufen wenige hundert Meter vom Ort entfernt unterirdisch, samt einer dazugehörigen Pumpstation. Ob sie den Ton im tiefen Frequenzbereich auslöst, ist bis heute nicht geklärt. Eigentlich regelt die DIN-Norm 45680, welcher Schalldruck von industriellen Anlagen ausgehen darf. Ausgerechnet tieffrequente Töne, solche unter 20 Hertz, erfasst diese Norm nicht, sagen Kritiker und Fachleute. Seit Jahren ist eine Überarbeitung der Norm angekündigt, aber sie kommt nicht. "Wir brauchen eine DIN-Norm, eine Schutzform für uns Menschen, die uns hilft, gegen Infraschall-Verursacher vorzugehen", fordert Henning Böhm.

    Die Steinhöringer sind dabei nicht die Einzigen, die von Infraschall geplagt sind. Beschwerden gibt es seit Jahren auch aus anderen Regionen in Bayern. Manchmal bleibt die Quelle für das Brummen ein Rätsel. In anderen Fällen gelten Windräder, Heizkraftwerke, Luftwärmepumpen oder Klimaanlagen als Auslöser.

    Die Symptome: Herzrasen, Panikattacken, Schlafstörungen

    Die Symptome reichen von Unwohlsein und Übelkeit, über Herzrasen und Panikattacken bis hin zu massiven Schlafstörungen. Das Problem: Anders als Lärm im mittleren Frequenzbereich lässt sich das tiefe Brummen nicht durch Schallschutzfenster oder auch Ohrstöpsel aussperren. Die niederfrequenten Schallwellen werden außerdem auch über kilometerweite Entfernungen übertragen.

    • Haben Sie ähnliche Erfahrungen mit tieffrequenten Tönen gemacht? Leiden Sie darunter oder nehmen sie diese lediglich wahr? Schildern Sie uns ihre Eindrücke gerne in einem Kommentar.

    Zwar ist es in Steinhöring um das Problem inzwischen eher ruhig geworden. Aber das liege auch daran, dass viele Betroffene sich zurückgezogen haben, heißt es. Die vielen Jahre, in denen nichts wirklich vorangegangen sei, empfinden viele als sehr frustrierend. Aber Henning Böhm will nicht aufgeben. Er hofft, dass sich immer mehr Betroffene melden.

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