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Kindesmissbrauch: Unterschriften für verurteilten Priester | BR24

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Im Februar wurde ein Priester wegen sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt. Mitglieder seiner Gemeinde im Landkreis Bad Kissingen haben nun Unterschriften für den Geistlichen gesammelt. Sie wollen, dass sich Bischof Jung für den Pfarrer einsetzt.

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Kindesmissbrauch: Unterschriften für verurteilten Priester

Im Februar wurde ein Priester wegen sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt. Mitglieder seiner Gemeinde im Landkreis Bad Kissingen haben nun Unterschriften für den Geistlichen gesammelt. Sie wollen, dass sich Bischof Jung für den Pfarrer einsetzt.

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Mit Unterschriftenlisten setzen sich Mitglieder der Pfarreiengemeinschaft "Heiliges Kreuz Bad Bocklet" für einen Priester ein, der wegen sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt worden ist. Damit wollen die Gemeindemitglieder erreichen, dass sich der Würzburger Bischof Franz Jung für den verurteilten Priester einsetzt. Der Priester darf seinen Dienst derzeit nicht ausüben und muss sich nach der gerichtlichen Verurteilung noch einem weiteren kirchlichen Verfahren stellen.

Priester wieder zurück in alte Gemeinde?

Ulla Dempsey aus Steinach wünscht sich, dass der Priester wieder in die Pfarreiengemeinschaft in Bad Bocklet zurückkommen darf. Dafür sammele sie mit vielen Helfern Unterschriften. Dempsey hält den Priester für unschuldig. Nach ihren Worten seien viele in ihrer Pfarreiengemeinschaft davon überzeugt, dass es sich um ein Fehlurteil handele.

Ihrer Meinung nach habe der Priester erst dann eine intime Beziehung zu der Jugendlichen begonnen, als diese volljährig war. "So hat es der Priester zu mir gesagt", sagt sie, und weiter: "Ich glaube, dass er vorverurteilt worden ist aufgrund einer zweifelhaften Aussage der Betroffenen."

Initiatorin rechnet mit hunderten Unterschriften

Dempsey rechnet mit mehreren Hundert Unterschriften. Auch eine vierstellige Zahl sei dabei möglich. Sie beschreibt den Priester als einen "äußerst lieben, netten und hilfreichen Menschen". Er habe Jung und Alt begeistert. Im BR-Gespräch sagte sie: "Ich kann mich nicht erinnern, wann wir einen Priester hatten, der die Menschen so in seinen Bann gezogen hat. Die Menschen liebten es, seine Gottesdienste zu besuchen."

Weitere Unterschriftenlisten im Umlauf

Auch Bernd-Theo Hansen, Pfarrgemeinderatsvorsitzender aus Bad Bocklet, hat eine Unterschriftenaktion gestartet. Nach seinen Angaben laufe diese seit wenigen Tagen. Die Listen seien noch im Umlauf und würden "regen Zuspruch" finden.

Überdies erklärte Hansen dem BR: "Der entscheidende Unterschied zwischen meiner und der von Frau Dempsey unterstützten Aktion besteht darin, dass ich das Urteil des Gerichts respektiere. Auch von Frau Dempseys Forderung, den Priester wieder als Pfarrer von Bad Bocklet einzusetzen, distanziere ich mich, weil ich vermute, dies würde zu einer Spaltung der Gemeinde führen."

Priester soll sich wieder kirchlich engagieren dürfen

Laut Hansen darf der Priester nicht mit den Vergehen anderer Missbrauchstäter in der Kirche verglichen werden, auch wenn er sich rechtlich gegenüber dem Mädchen strafbar gemacht hat. "Deshalb bitte ich auch den Bischof, dies im kirchlichen Vorermittlungsverfahren zu beherzigen", so Hansen. Er hofft, dass der Priester sich wieder kirchlich engagieren dürfe, zum Beispiel bei der Caritas oder als Notfallseelsorger.

Amtsverzicht nach rechtskräftigem Gerichtsurteil

Laut Bistum Würzburg hat der verurteilte Priester am 25. Februar 2021 nach der rechtskräftigen Verurteilung auf die Pfarreien der Pfarreiengemeinschaft "Heiliges Kreuz Bad Bocklet" verzichtet. Das bedeutet also, dass er sein Amt als Priester dort nicht mehr ausübt. Bischof Franz Jung habe den Amtsverzicht angenommen. Die Stelle sei neu ausgeschrieben worden. Alle weiteren Maßnahmen der Diözese gegenüber dem Priester würden im zusätzlichen kirchlichen Verfahren geklärt werden.

Darüber hinaus erklärte das Bistum Würzburg: "Das von Bischof Franz Jung mit Dekret vom 28. Februar 2020 ausgesprochene Verbot der Ausübung des priesterlichen Dienstes bleibt weiterhin bestehen."

Amtsgericht Bad Kissingen verhängt Bewährungsstrafe

Im Februar 2021 haben sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung ihre Berufung vor dem Landgericht Schweinfurt zurückgenommen. Damit wurde das Urteil des Amtsgerichts Bad Kissingen vom August 2020 rechtskräftig. Dort war er wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

"Der Priester ist damit schuldig gesprochen. Dieses Urteil und das Leid der Betroffenen gilt es vor Ort zu akzeptieren und die Fakten anzuerkennen", schreibt Pressesprecher Bernhard Schweßinger in einer Stellungnahme des Bistums.

Einvernehmlichkeit laut Gesetz nicht relevant

Laut Gericht hat der 43-jährige Priester vor mehr als zehn Jahren ein damals zwölfjähriges Mädchen sexuell missbraucht. Dies sei einvernehmlich geschehen, sagte das Opfer laut Agenturmeldungen mehrmals vor Gericht. Weil das Mädchen damals aber unter 14 Jahre alt war, verurteilte das Amtsgericht den Mann wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes.

Nach Paragraf 176 des Strafgesetzbuches werden sexuelle Handlungen an einer Person unter 14 Jahren mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft. Es kommt dabei nicht auf die Frage einer möglichen Einvernehmlichkeit an.

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