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Bildrechte: Landratsamt Altötting

Seit 22.1. gibt es sie: Die Impfbescheinigungen des Landkreises Altötting. Das Landratsamt spricht von einem einzigartigen Pilotprojekt. Wer die Zweitimpfung gegen das Coronavirus erhält, bekommt danach eine analog-digitale Impfbestätigung.

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Altöttinger Impfbescheinigung mit Digitalschranke gesichert

Nach Zweifeln an der Fälschungssicherheit der Altöttinger Impfbescheinigung, hat Landrat Erwin Schneider (CSU) auf die digitale Sicherung der weißen Karte hingewiesen. Zur analogen Scheckkarte komme noch eine Art digitale Schranke hinzu.

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Von
  • Nadine Cibu

Die rein analoge Impfbescheinigung des Landkreises Altötting ist vor Fälschungen nicht geschützt. Das sagte der Altöttinger Landrat Erwin Schneider (CSU) auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks. Jedoch sei die analoge Karte sehr wohl durch die digitale Bescheinigung und somit eine digitale Überprüfung der Daten vor Fälschungen gesichert.

Kritik an Fälschungssicherheit in sozialen Netzwerken

Hintergrund für die Anfrage waren einige Äußerungen von Twitter-Usern, die auf dem sozialen Netzwerk ihre Zweifel gegenüber der Fälschungssicherheit der Impfbescheinigung des Landratsamtes Altötting veröffentlicht hatten. Die Impfbescheinigung des Landkreises ist nach Angaben des Landratsamtes Altötting ein derzeit deutschlandweit einzigartiges Pilotprojekt. Daher gäbe es bisher auch keinen Vergleich, besonders in puncto Fälschungssicherheit, zu anderen Landkreisen, so Landrat Schneider. Wie Schneider sagt, könne jeder die weiße Scheckkarte nachmachen, der ein Talent dafür habe. „Mit dem normalen, gelben Impfbuch geht das ja genauso. Den kann man auch einfach nachmachen“, sagt Schneider.

Impfbescheinigung doppelt gesichert

Jedoch ist die Impfbescheinigung doppelt gesichert, durch die digitale Variante. Und diese sei sehr wohl vor Fälschungen geschützt, so Schneider. Die analoge Scheckkarte alleine würde als Überprüfung nicht reichen. Es würde immer eine digitale Verifizierung hinzukommen. Somit ist die Impfbescheinigung durch eine Art digitale Schranke vor Fälschungen gesichert. „Wenn es irgendwann eine Stelle gibt, wo man seine Impfbescheinigung vorlegen müsste“, sagt Schneider, „dann kommt immer eine digitale Verifizierung hinzu. Der QR-Code hinten auf der Karte wird gescannt, die Informationen werden überprüft. Und dadurch lässt sich sehr schnell feststellen, ob die analoge Scheckkarte gefälscht ist oder nicht.“ Zweitgeimpfte werden von speziell geschulten Mitarbeitern des Landratsamtes registriert. Sobald die Informationen, also die Daten übertragen werden, können diese nicht mehr geändert werden. An dieser Stelle greift die Technik der Kölner Firma Ubirch.

Sensible Informationen verschlüsselt

Sensible Informationen würden verschlüsselt, nur der Geimpfte habe letztendlich Zugriff auf die Informationen. Bei Überprüfungen würde nur geschaut, ob die verschlüsselten Informationen übereinstimmen. Generell soll das Thema Fälschungssicherheit bisher keine Rolle gespielt haben. Denn bisher habe niemand das gelbe Impfbuch oder eben die Impfbescheinigung des Landkreises überprüfen wollen. „Dafür gab es ja auch keinen Grund. Die Bescheinigung oder das Buch ist ja eher eine gedankliche Stütze“, so Schneider. Die Impfbescheinigung des Landkreises ist jedoch durch die Verknüpfung mit einer digitalen Bescheinigung gesichert.

Altöttinger Impfausweis gibt es seit 22.1

Alle Bürger im Landkreis Altötting, die bereits das zweite Mal gegen das Coronavirus geimpft wurden, können sich nun, wenn sie das möchten, den analog-digitalen Impfausweis des Landratsamts ausstellen lassen. So auch Ronald Schmid. Der Kinder-/ und Jugendarzt aus Altötting erhielt die zweite Schutzimpfung und im Anschluss die Bescheinigung. "Ich fühle mich genauso gut, wie vorher", sagt Schmid kurz nach der Zweitimpfung im Impfzentrum Neuötting. "Eigentlich fühle ich mich noch besser! Und ich freue mich, dass ich wieder ein normaleres Leben führen kann."

Analog auf Plastikkarte und digital auf dem Smartphone

Schmid besitzt nun die Impfbescheinigung, die wie eine weiße Scheckkarte aussieht. Auf der Vorderseite sind Angaben zum Geimpften zu sehen, wie Geburtsdatum, Adresse, ein Foto sowie die Information über die Impfdaten und den Impfstoff. Auf der Rückseite der Karte befindet sich ein QR-Code. Dieser kann mit dem Smartphone gescannt, die Informationen auf dem eigenen Handy gespeichert und schließlich als digitaler Impfnachweis hinterlegt werden.

Landrat plant Immunitätsausweis

Lockerungen für Geimpfte soll es bisher keine geben. Zumindest solange nicht, bis jeder Bürger sich impfen lassen konnte, sagt Landrat Erwin Schneider zum BR. Die Impfbescheinigung des Landkreises soll jedoch nur der erste Schritt sein: Landrat Schneider plant schon jetzt einen Immunitätsausweis. Diesen sollen Bürger erhalten, die sich bereits mit dem Coronavirus infiziert hatten. Schneider spricht von sogenannten „Closed Groups“ – also alle Personen, die sich nicht mehr neu infizieren können. Diese Closed Groups könnten vielleicht schon eher, so die Überlegung des Landrats, wieder am öffentlichen Leben teilnehmen.

Technik soll höchsten Datenschutzstandards entsprechen

© Ubirch

Die Technik für den digitalen Ausweis stammt von der Kölner Firma Ubirch.

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Geimpfte können den QR-Code scannen und die Informationen speichern.

© BR/Barbara Leidl

Roland Schmid erhält seine Impfbescheinigung.

© BR/Barbara Leidl

Das Impfzentrum in Neuötting.

Die technische Umsetzung des digitalen Impfausweises erfolgt in Zusammenarbeit mit der Kölner Firma Ubirch. Die Technik entspreche höchsten Datenschutzstandards, versichert Landratsamtsprecher Markus Huber. Niemand außer dem Geimpften selbst habe Zugriff auf ihre Informationen. Im Gespräch mit dem BR vergleicht Stephan Noller, CEO von Ubirch, den digitalen Nachweis mit einem mathematischen Rätsel: „Aus allen sensiblen Informationen wird ein mathematisches Rätsel gebildet. Das Rätselergebnis wird dann gespeichert. Nur die geimpfte Person bekommt den Schlüssel für dieses Rätsel in die Hand“, erklärt Noller. Würde der Nachweis von jemand anderem gescannt, würde das Rätsel neu gebildet und überprüft, ob die beiden Ergebnisse übereinstimmen.

Daten werden in einer Blockchain gespeichert

Der Nachweis selbst, also das Rätsel, wird in einem verteilten Rechnersystem, auch als Blockchain bekannt, gespeichert. Diese Rechner werden wiederum vom Partner Govdigital betrieben. Das ist eine Genossenschaft kommunaler Rechenzentren. Somit sind die verschlüsselten Informationen, die Rätsel, alle auf behördlichen Rechnern gespeichert und nicht in fremden Händen.

Bis jetzt noch keine Vorteile durch Impfnachweis

Bisher werden die Nachweise nur am Impfzentrum in Neuötting ausgegeben. Wer künftig woanders geimpft wird, kann nachträglich gegen Vorlage des Impfpasses vom Landratsamt eine Impfbestätigung erhalten. Ob und inwiefern dieser Nachweis den Bürgern nützlich sein wird, kann auch Sprecher Markus Huber derzeit noch nicht einschätzen. Man könne nur spekulieren: Auch, wenn es derzeit noch keine Privilegien für geimpfte Bürger gebe, habe man im Landratsamt schon darüber nachgedacht, Geimpften ein entsprechendes Dokument an die Hand zu geben.

„Auch, wenn man solch eine Bestätigung vielleicht noch nicht braucht, wollten wir den Menschen einen Nachweis über die Impfungen geben“, sagt Huber. Der Impfnachweis sei ein Pilotprojekt des Landkreises und „unseres Wissens nach, sind wir die einzigen, die solch einen Impfnachweis jetzt schon zeigen können“, erklärt Huber. Heute erhalten die ersten Zweitgeimpften, die es denn möchten, ihren analogen und digitalen Impfnachweis.

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Die Impfbescheinigung ist freiwillig.

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