BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR

Landgericht Schweinfurt

Per Mail sharen

    Landgericht Schweinfurt: Plädoyers im Prozess um versuchten Mord

    Prozess wegen versuchten Mordes am Schweinfurter Landgericht: Eine 58-jährige Frau soll angeordnet haben, die notwendige Dialysebehandlung ihres Schwiegervaters abzubrechen. Staatsanwaltschaft und Verteidigung haben nun ihre Plädoyers gehalten.

    Per Mail sharen
    Von
    • Norbert Steiche
    • BR24 Redaktion

    Es soll Ende April 2020 passiert sein. Der Schwiegervater einer 58-Jährigen befand sich zu dieser Zeit in einer Seniorenresidenz im Landkreis Rhön-Grabfeld. Die 58-Jährige soll sich mehrfach darum bemüht haben, dass die lebenswichtige Dialysebehandlung bei dem Senior abgebrochen wird. So jedenfalls die Anklage. Derzeit muss sich die 58-Jährige am Landgericht Schweinfurt wegen versuchten Mordes verantworten.

    Staatsanwaltschaft fordert Freiheitsstrafe

    Im Prozess wurden nun die Plädoyers gesprochen. Die Verteidigung will eine Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung erreichen. Das Strafmaß soll in dem Rahmen liegen, dass es durch die Untersuchungshaft kompensiert würde. Die Staatsanwaltschaft fordert für die Angeklagte eine Freiheitstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten.

    Laut Anklage habe die 58-Jährige versucht, beim Pflegepersonal den Abbruch der lebenswichtigen Dialysebehandlung anzuordnen. Dabei habe sie auf eine notarielle General- und Versorgungsvollmacht verwiesen. Außerdem soll sie wahrheitswidrig angegeben haben, dass der behandelnde Arzt gesagt habe, dass der Patient nicht mehr zur Dialyse gehen müsse. Der Staatsanwaltschaft zufolge verlangte die Frau, die Behandlung ihres Schwiegervaters bis auf die Verabreichung eines Schmerzmittels abzubrechen. Einem Behandlungsabbruch hätte der Arzt jedoch nicht zugestimmt.

    Behandlung wurde zwei Tage ausgesetzt

    Der Mann sei laut Staatsanwaltschaft keineswegs in einem finalen Sterbeprozess gewesen und hätte noch mehrere Jahre leben können. Die Vollmacht hätte nur gegriffen, wenn der Patient nicht mehr selbst entscheidungsfähig gewesen wäre. Durch ihr resolutes Auftreten sei es der Frau gelungen, das Personal zum Abbruch der Dialyse zu bewegen. Nach zwei Tagen sei der lebensbedrohliche Zustand des 89-Jährigen aufgefallen. Nach einer Notfalldialyse habe sich sein Zustand wieder verbessert.

    Motiv Habgier

    Motiv für die Tat ist der Staatsanwaltschaft zufolge Habgier gewesen. Die Frau soll mit ihrem Mann versucht haben, an das Vermögen des 89-Jährigen heranzukommen. Die Frau ist selbst Altenpflegerin. Es sei ihr gelungen, 22.500 Euro von den Konten ihres Schwiegervaters abzuheben und ohne Zustimmung des 89-Jährigen vier Grundstücke zu verkaufen. Bislang haben fünf Prozesstage stattgefunden. Die Angeklagte ist seit August vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Das Urteil soll am 25. Mai gesprochen werden.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!