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Landgericht Ingolstadt: Urteil im Raserprozess erwartet | BR24

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Bildrechte: Susanne Pfaller

Raserprozess vor dem Landgericht Ingolstadt.

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    Landgericht Ingolstadt: Urteil im Raserprozess erwartet

    Das Landgericht Ingolstadt fällt am Dienstag ein Urteil im sogenannten "Raserprozess". Angeklagt ist ein junger Fahrzeugmechaniker. Er war doppelt so schnell wie erlaubt auf der A9 bei Manching unterwegs und verursachte einen tödlichen Unfall.

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    Von
    • Susanne Pfaller

    Wegen Totschlags und eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit Todesfolge fordert die Staatsanwaltschaft im Raserprozess in Ingolstadt eine Freiheitsstrafe von acht Jahren. Die Eltern des Getöteten, die als Nebenkläger auftreten, verlangen zehn Jahre Freiheitsstrafe. Die Anwälte des Angeklagten plädieren dagegen auf Freispruch.

    In dem sogenannten "Manchinger Raserprozess" war der Angeklagte mit seinem illegal getunten Audi doppelt so schnell wie erlaubt auf der Autobahn bei Manching unterwegs, als er einen anderen Wagen rammte. Dessen nahezu gleichaltriger Fahrer starb noch am Unfallort.

    Unfallopfer als Mitverursacher?

    Die Verteidiger sehen die Ursachen für den tödlichen Unfall nicht nur bei ihrem 24-jährigen Mandanten. Sie sprechen von einer "schwerwiegenden Sorgfaltswidrigkeit des Geschädigten durch unzulässigen Spurwechsel". Zudem hätten sich nicht alle technischen Aspekte des Unfalls klären lassen, wie etwa das Airbag-Verhalten im Auto des Getöteten.

    "Um des Kicks willen" Tod anderer billigend in Kauf genommen

    Der 24-jährige Geisenfelder war zur Tatzeit im Oktober 2019 mit mindestens 207 Stundenkilometern über die Autobahn gerast. Erlaubt waren in dem Abschnitt 120 Stundenkilometer. Für die Staatsanwältin steht fest, dass das nicht die erste Raserfahrt des jungen Autofans war.

    Er sei an dem Unfallabend mit sehr hoher Geschwindigkeit "selbstsüchtig unterwegs gewesen", habe mit bedingtem Vorsatz die Gefährdung und somit sogar den Tod anderer billigend in Kauf genommen. Allein "um des Kicks willen" habe er mit einem getunten Fahrzeug, dessen Betriebserlaubnis wegen dieser Manipulationen erloschen war, "völlig rücksichtslos" und "evident todesgefährlich" gehandelt.

    Familie des Unfallopfers kann nicht verzeihen

    Der Nebenklagevertreter erklärte in seinem Schlussvortrag, dass die Familie des getöteten 22-Jährigen aus Gaimersheim dem Angeklagten "nie verzeihen" könne, welchen Verlust er ihr zugefügt habe. Der Rechtsanwalt ging in seinem Strafantrag über die Forderung der Staatsanwältin hinaus und forderte zehn Jahre Haft und eine lebenslange Führerscheinsperre.

    Harte Strafen auch nach dem Raserparagraf

    Wie die Staatsanwaltschaft, stützt sich der Nebenklagevertreter neben Totschlag auch auf den sogenannten "Raserparagrafen". Paragraf §315d des Strafgesetzbuchs regelt seit einigen Jahren "verbotene Kraftfahrzeugrennen". Er greift nicht nur, wenn zwei oder mehr Menschen ein Wettrennen gegeneinander veranstalten. Der Raserparagraf sanktioniert auch Fahrer, die zu schnell, grob verkehrswidrig und rücksichtslos unterwegs sind, also zu fest auf das Gaspedal drücken, "um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen".

    Genau das hat der Angeklagte nach Überzeugung von Staatsanwaltschaft und Nebenklage getan. Verursacht der Täter in solchen Fällen durch die Tat den Tod eines anderen Menschen, so sieht der Raserparagraf eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren vor.

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