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Betrug mit einem wirkungslosen Krebs-Mittel beschäftigt das Landgericht Ingolstadt.

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    Landgericht Ingolstadt: Betrug mit wirkungslosem Krebsmittel

    Betrug mit einem wirkungslosen Krebsmittel beschäftigt das Landgericht Ingolstadt. Ein Ingolstädter Unternehmer und eine Heilpraktikerin aus Schrobenhausen sollen Krebspatienten ein nicht zugelassenes Präparat verkauft haben. Das zudem überteuert.

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    Von
    • Susanne Pfaller

    Die Angeklagten, eine Heilpraktikerin und ein Unternehmer, sollen ein riesiges Geschäft mit der Not kranker Menschen gemacht haben. Das von ihnen verkaufte Präparat BG-MUN verfügt laut Staatsanwaltschaft "über keine pharmakologische Wirkung". Die Anklage umfasst 70 Betrugsfälle. Insgesamt soll ein Schaden von rund einer halben Million entstanden sein.

    Riesige Gewinnspanne

    Die Gewinnspanne der mutmaßlichen Betrüger war offenbar riesig. Die beiden Angeklagten sollen das Mittel BG-MUN jeweils für vierstellige Eurobeträge an die Patienten verkauft haben, obwohl es in der Herstellung nur wenige Cent kostet. Dem Präparat soll auch die nach § 21 AMG (Arzneimittelgesetz) erforderliche Zulassung gefehlt haben. Außerdem soll sich die Angeklagte unberechtigt als Professorin ausgegeben haben.

    Viele Einzelschicksale vor Gericht

    Der Prozess umfasst rund 40 Termine und wird sich bis ins nächste Jahr ziehen. Als Grund für die umfangreiche und lange Beweisaufnahme nennt der Sprecher des Landgerichts Ingolstadt die Vielzahl der zu verhandelnden Betrugsfälle, hinter denen entsprechend viele Einzelschicksale von Patienten stehen.

    Mögliche Lebensverkürzung nicht angeklagt

    Die Anklage umfasst auch den Vorwurf der Körperverletzung. Er bezieht sich jedoch ausschließlich darauf, dass die angeklagte Heilpraktikerin einigen Patienten das wirkungslose Präparat auch gespritzt haben soll.

    Nicht Gegenstand des Verfahrens ist die Frage, ob der Rat der Heilpraktikerin, schulmedizinische Therapien während der Einnahme von BG-MUN auszusetzen, eventuell das Leben von Patienten verkürzt hat. Dieser Aspekt ließ sich durch die Ermittlungen offensichtlich nicht untermauern, so das Gericht.

    Angeklagter auf Zypern aufgegriffen

    Aktuell sitzt der angeklagte Unternehmer aus Ingolstadt in Untersuchungshaft. Er wurde per europäischem Haftbefehl gesucht, vor rund eineinhalb Jahren auf Zypern verhaftet und an Deutschland ausgeliefert. Die Heilpraktikerin aus Schrobenhausen befindet sich nach vorübergehender Untersuchungshaft wieder auf freiem Fuß, so ein Sprecher des Landgerichts. Mit dem Urteil wird erst im Januar gerechnet.

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