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Joachim Unterländer

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    Landeskomitee: Wahlkrimi und Führungswechsel

    Mit nur einer Stimme Vorsprung vor der Eichstätter Juraprofessorin Renate Oxenknecht-Witzsch ist der CSU-Politiker Joachim Unterländer zum neuen Vorsitzenden des Landeskomitees der Katholiken in Bayern gewählt worden.

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    Sie gehöre keiner politischen Partei an, sei aber gut vernetzt und stehe vor allem für eine Stärkung des katholischen Laienapostolats gegenüber den Bischöfen, so hatte Renate Oxsenknecht-Witzsch sich in ihrer Bewerbung vor dem Landeskomitee vorgestellt. Sie sei überzeugt, dass soziale Gerechtigkeit der Weg gegen Rechtsextremismus und für Friedenssicherung sei, betonte die Kirchenrechtsexpertin. Und nicht nur qua Geschlecht steht Renate Oxenknecht-Witzsch auch für eine Stärkung der Teilhabe von Frauen in kirchlichen Ämtern. Die hat nun eine Schlappe erlitten – wieder einmal. Enttäuschung bei der unterlegenen Kandidatin.

    "Enttäuscht ist man natürlich immer, wenn man eine Wahl nicht gewonnen hat, aber ich denke, das Ergebnis zeigt, dass der Wunsch nach einer Veränderung im Landeskomitee vorhanden gewesen wäre, aber offensichtich waren die anderen Kräften etwas stärker", unterlegene Kandidatin Renate Oxenknecht-Witzsch

    Joachim Unterländer: "Politischen Katholizismus" stärken

    Das Landeskomitee sei und bleibe „mitten in der Gesellschaft“, so hatte der CSU-Landtagsabgeordnete Joachim Unterländer in seiner Bewerbungsrede gesagt, auch wenn manche versuchten, Kirche zunehmend an den Rand zu drängen. Deswegen sei es umso wichtiger, katholische Netzwerke zu stärken und den christlichen Standpunkt klar in der Gesellschaft zu vertreten. Die Flüchtlingsbewegungen und die Veränderungen im Fahrwasser von Globalisierung und Digitalisierung nannte Unterländer als größte Herausforderungen für einen politischen Katholizismus - jenseits aller Parteiengrenzen, wie der CSU-Politiker betonte. Den will Unterländer nun als neuer Vorsitzender stärken und auch das Landeskomitee in der Öffentlichkeit bekannter machen.

    "Ich habe vor, mit eigenen Dialogreihen das gesellschaftliche Leben zusammenzuholen. Dadurch auch den so von mir apostrophierten politischen Katholizismus - das meine ich in keiner Weise parteipolitisch, sondern, dass katholische Überlegungen stärker in die politische Diskussion eingebracht werden, stärker wahrgenommen werden. Und dann werden wir uns stark auch um Strukturreformen im kirchlichen Leben, zum Beispiel, was den Diakonat der Frau anbelangt, zum Beispiel, was die Flächendeckung der Kirche angeht, wenn wir sagen, wir sind Volkskirche, dann müssen wir natürlich auch dafür sorgen, dass das sichergestellt ist", Joachim Unterländer, neuer Vorsitzender.

    Albert Schmid: Mahnende Worte zum Abschied

    Mit mahnenden Worten hatte Albert Schmid in Eichstätt die Diözesanräte und Vertreter katholischer Verbände auf die Wahl eines neuen Präsidiums eingeschworen. Es gehe um nicht weniger als "die Zukunft der katholischen Kirche in schwierigen Zeiten“, so der scheidende Vorsitzende der größten katholischen Laiengremiums im Freistaat. Die widrigen Umstände, mit denen die Kirche aktuell zu kämpfen hat, brachte er auf den Punkt: ein angeschlagenes Image, leerer werdende Kirchen und immer weniger Priesteramtsanwärter. Grund dafür ist natürlich auch der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche, dessen volle Tragweite ab dem Jahr 2010 zunehmend bekannt wurde. Niemals habe er bei seinem Amtsantritt 2009 mit so etwas gerechnet, so Schmid.

    Religiöse Bildung und ihre Bedeutung für die Demokratie – auch darüber diskutierten die Teilnehmer der Frühjahrstagung des Landeskomitees. Und auch die jüngsten Pläne des Erzbistums München und Freising, Laien in einigen katholischen "Testgemeinden“ im Rahmen eines Pilotprojekts stärker an der Gemeindeleitung zu beteiligen, sorgten natürlich für Gesprächsstoff in Eichstätt, so Elfriede Schießleder vom Katholischen Deutschen Frauenbund.

    "Das ist natürlich ein ganz großes Thema, weil niemand von uns tatsächlich jetzt sagen, kann, wie sich das jetzt auswirkt. Es werden nicht mehr Priester und wir brauchen sie so dringend. Und es ist ein bitter-schmerzlicher Prozess jetzt auch zu sagen: Gut, dann machen wir es selber, so gut wir es können. Und gleichzeitig die Frauen so wenig gewürdigt zu wissen in der ganzen Struktur, also das bleibt schon ein Dorn im Fleisch" Elfriede Schießleder, stellvertretende Vorsitzende.

    Landeskomitee der Katholiken

    Das Landeskomitee der Katholiken ist die höchste gewählte und von den Bischöfen anerkannte Vertretung für die rund 6,5 Millionen bayerischen Katholiken. Unter den Mitgliedern sind Delegierte der Diözesanräte, Abgesandte von kirchlichen Verbänden und Organisationen. Außerdem einzelne berufene Mitglieder.

    Albert Schmid nutzte in seiner Verabschiedungsrede vor dem Landeskomitee die Gelegenheit auch für eine persönliche Rechtfertigung. Denn nicht immer stand der streitbare Sozialdemokrat für die Mehrheitsmeinung der katholischen Laien. Oftmals wurde ihm mangelnde Distanz zu den katholischen Bischöfen vorgeworfen. Immerhin sei er stets für ein aktualisiertes Hierarchieverständnis in der katholischen Kirche eingetreten, so Schmid.

    "Ich habe diese Vorwürfe natürlich zur Kenntnis genommen. Aber der Punkt war der, dass ich mit den Bischöfen einen respektvollen Umgang gepflegt habe. Weil ich die Apostolizität respektiere. Andererseits hat mich das auch nicht daran gehindert, gelegentlich sehr kritisch zu debattieren. Da muss man nur den ein oder anderen Bischof fragen, zum Beispiel den Kardinal Marx", Albert Schmid, scheidender Vorsitzender.

    Auch seine Verteidigung des ehemaligen Limburger Bischofs Franz –Peter Tebartz van Elst wurde ihm wiederholt vorgeworfen. Und das ausgerechnet von katholischen Glaubensbrüdern und –schwestern, die doch eben erst mit Papst Franziskus das Jahr der Barmherzigkeit begangen hätten, kontert der scheidende Vorsitzende.