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Landarztmangel: Erstes Superhelden-Wochenende im Landkreis Hof | BR24

© BR/Kristina Kreutzer

Der Landkreis Hof versucht mit kreativen Mitteln angehende Mediziner für die Region und die Arbeit auf dem Land zu begeistern. Und das mit einem "Superhelden-Wochenende". Die acht Studierende der Humanmedizin, waren überrascht.

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Landarztmangel: Erstes Superhelden-Wochenende im Landkreis Hof

Der Landkreis Hof versucht mit kreativen Mitteln angehende Mediziner für die Region und die Arbeit auf dem Land zu begeistern. Und das mit einem "Superhelden-Wochenende". Die "Superhelden", acht Studierende der Humanmedizin, waren überrascht.

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"Der Unterschied zwischen Stadt- und Landarzt muss gar nicht so groß sein", sagt Fabian am Ende des Superhelden-Wochenendes. Er ist Medizinstudent in Braunschweig. Und auch die 23-jährige Johanna aus Leipzig ist völlig überrascht, wie modern die Praxen ausgestattet sind und "wie lieb die Menschen hier sind". Gemeinsam mit sechs weiteren Studentinnen aus dem Bundesgebiet sind die Beiden für zwei Tage nach Oberfranken, in den Landkreis Hof gekommen. Eingeladen hat sie der Landkreis und die GesundheitsregionPlus zu einem Erlebniswochenende.

Landarzt als Familienmitglied

Die acht Studierenden wurden mit einem Kleinbus durch die Region gefahren. Das Programm vielseitig: Hausarztpraxen, Schwerpunktpraxen und Kliniken haben sie besucht. Überall durften sie selbst einmal Geräte testen, sich mit den Fachärzten austauschen. Wie etwa mit Beatrice Halbauer. Sie hat die Praxis ihres Vaters in Wüstenselbitz (Lkr. Hof) übernommen. Sie ist begeistert von der Idee des Landkreises, jungen Leuten gezielt ihre Arbeit vorzustellen.

"Es ist ganz wichtig, dass der Beruf des Allgemeinarztes nicht ausstirbt. Und der Vorteil des Landarztes ist: Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient. Man ist regelrecht Familienmitglied." Beatice Halbauer, Fachärztin für Allgemeinmedizin

Landarztmangel: Kreative Ideen nötig

Aktuell praktizieren in Stadt und Landkreis Hof 115 Hausärzte. Knapp die Hälfte davon ist allerdings bereits über 60 Jahre alt und wird in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen. Der demografische Wandel sei in den ländlichen Regionen besonders deutlich zu spüren. Die jungen Leute zieht es in die Ballungsräume. Die Menschen auf dem Land werden immer älter, so Christiane Steinhäußer, Geschäftsstellenleiterin der GesundheitsregionPlus.

"Die medizinische Versorgung ist ein wichtiger Standortfaktor der Region. Deshalb müssen wir jetzt etwas machen, um uns zu präsentieren. Mit Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten." Christiane Steinhäußer, Geschäftsstellenleiterin der GesundheitsregionPlus.

Deshalb hat der Landkreis Hof im vergangenen Jahr die Kampagne #hofbrauchthelden und ein Stipendienprogramm ins Leben gerufen, um die medizinische Versorgung auf dem Land zu sichern. Ein weiterer Schritt ist nun die Einführung des "Superhelden-Wochenendes". Die Teilnahme ist für die Studierenden kostenlos.

Finanzielle Unterstützung für Ansiedlung im Landkreis

Um weitere Fachkräfte in die Region zu bringen bietet der Landkreis ein Stipendium an. Inhalt: Medizinstudenten bekommen vom Landkreis Hof eine finanzielle Unterstützung für ihr Studium von bis zu 25.200 Euro. Das Stipendium erfolgt ab dem ersten Studienjahr bis hin zur Approbation. In den ersten vier Semestern erhalten die Stipendiaten monatlich 300 Euro, nach dem Physikum sind es 500 Euro.

Die Gegenleistung der Stipendiaten: Sie verpflichten sich, ihre fachärztliche Weiterbildung in Stadt und Landkreis Hof in der Fachrichtung Allgemeinmediziner oder Innere Medizin zu absolvieren und anschließend für vier Jahre in einer Kommune des Landkreises Hof hausärztlich tätig zu sein. Die Nachfrage sei gut, sagt Landrat Oliver Bär (CSU). Bereits vier Plätze wurden seit der Einführung besetzt. Drei weitere sollen folgen, so der Landrat.

Erste Superhelden-Wochenende erfolgreich

Auch das erste Superhelden-Wochenende war ein Erfolg. Die acht Studierenden waren sichtlich beeindruckt von der Region. Auch wurden bereits erste Kontakte geschlossen für mögliche Hospitanzen. Für Medizinstudentin Inga rückt die Vorstellung nach dem Studium auf dem Land zu arbeiten nach dem Wochenende immer mehr ins Bewusstsein. "Ich bin völlig überrascht, welche Möglichkeiten es hier gibt", so die Studentin. Auch die Veranstalter waren zufrieden. Im kommenden Jahr soll es eine Neuauflage geben.

© BR

Jeder dritte Hausarzt in Bayern ist über 60 Jahre alt - ein Problem, das vor allem den ländlichen Raum trifft. Und: Junge Mediziner zieht es in die Großstadt, an die Kliniken. Der Landkreis Hof versucht Anreize für Landärzte zu schaffen.

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