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Protestierende Bauern, die sich vor Veranstaltungsorten postieren - für viele Politiker inzwischen ein gewohntes Bild. Die Organisatoren: oft eine Gruppierung namens "Land schafft Verbindung". Wer oder was steckt dahinter?

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"Land schafft Verbindung": Wer hinter der Protestbewegung steckt

Protestierende Bauern, die sich vor Veranstaltungsorten postieren - für viele Politiker inzwischen ein gewohntes Bild. Die Organisatoren: oft eine Gruppierung namens "Land schafft Verbindung". Wer oder was steht dahinter?

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Heute in Bayern: Wütende Bauern erwarten Ministerpräsident Söder in Bad Füssing, wo er einen Vortrag hält. Andere Landwirte versammeln sich in Passau, wo Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner an einer Diskussion teilnimmt. Schon Ende Oktober hatten Bayerns Bauern massiv mobil gemacht, und auch zur "Grünen Woche" in Berlin bestimmten Protest-Traktoren das Bild.

Landwirt: "Tägliche Anfeindungen und Diskussionen"

Kurz zuvor artikuliert sich in der "Münchner Runde" im BR-Fernsehen ein bärtiger, junger Landwirt aus Mamming in Niederbayern als Stimme der frustrierten Bauern, beschwert sich über "tägliche Anfeindungen und Diskussionen".

Er hat sich offenbar gut geschlagen in den Augen seiner Berufskollegen. Jedenfalls ist Sebastian Dickow heute, knapp einen Monat später, der Vorsitzende von "Land schafft Verbindung". Oder so etwas Ähnliches. Denn dieser lose Zusammenschluss von Bauern hat keine rechtliche Struktur, ist kein Verein und will vorerst auch keiner werden.

Unzufriedene Bauern - zwischen Weizenfeld und WhatsApp

Anfang Oktober hat eine Bäuerin in Norddeutschland eine Facebook-Gruppe gegründet und damit so etwas wie die Initialzündung gegeben. Immer mehr unzufriedene Bauern haben sich in sozialen Netzwerken unter der dem Slogan "Land schafft Verbindung" zusammengefunden. Inzwischen ist es in Bayern vor allem ein Geflecht von WhatsApp-Gruppen, mit dem die Bauern sich organisieren. Über 10.000 sollen dabei sein. Viel ist in Bewegung.

"Land schafft Verbindung": Viele Köpfe, kein offizielles Sprachrohr

Bundesweit hat sich "Land schafft Verbindung" in den letzten Wochen erst gespalten und dann wieder zusammengerauft. In Bayern bezeichnet sich ein Landwirt als Pressesprecher des Zusammenschlusses, dann kommt eine Pressemitteilung, er habe "die Bewegung leider verlassen".

Wir sind eben eine junge Organisation, sagt Xaver Pfaller, der von Anfang an dabei ist. Da käme sowas vor:

"Wir sind ja aktuell nur ein zusammengewürfelter Haufen, die sich da engagiert haben, und nirgends groß bestätigt von Mitgliedern in Form von einer Wahl. Und darum wollen wir nur die nötigsten Strukturen schaffen, um Mitspracherecht beim Bauernverband und Gesprächen mit der Politik zu haben." Xaver Pfaller, Landwirt

Pfaller hat sich zum Gespräch bereit erklärt. Zuvor war es die Frage, ob die Organisatoren überhaupt mit dem Bayerischen Rundfunk reden wollen. Auf kritische Berichterstattung reagiert man dünnhäutig, fühlt sich schnell in eine Ecke gestellt. Das Gefühl, als Bauern in Sachen Umweltschutz zu den Sündenböcken der Nation gemacht zu werden, ist für viele der Grund zu demonstrieren.

Mit dem Bauernverband verbandelt - aber nicht verbunden

Auf der anderen Seite geben manche der Aktivisten durchaus zu, dass sich die Wirtschaftsweise ändern muss. Auch wenn "Land schafft Verbindung" zum Beispiel schon Presseverteiler des Bauernverbands verwendet hat, legt der Zusammenschluss Wert darauf, partei- und verbandsunabhängig zu sein. Viele Bauern engagieren sich dort, die den Verband kritisch sehen. Andererseits aber auch Ehrenamtliche, die gleichzeitig beim Bauernverband oder dem Bund deutscher Milchviehhalter aktiv sind.

Erwächst dem Platzhirsch Bayerischer Bauernverband, bei dem nach eigenen Angaben rund 90 Prozent der Landwirte Mitglied sind, da eine neue Konkurrenz? "In der schwierigen Situation für die Bauernfamilien draußen geht es nicht um Konkurrenz. Sondern darum, gemeinsam etwas zu erreichen", sagt Bauernverbands-Sprecher Markus Drexler.

"Die Land-schafft-Verbindung-Organisatoren haben es innerhalb kürzester Zeit geschafft, viele Landwirte auf die Straßen zu bringen. Und das ist ein Stück weit ein Rückenwind für die politische Arbeit für die Landwirtschaft." Bauernverbands-Sprecher Markus Drexler

Abgrenzung von Gelbwesten und Trittbrettfahrern

Wie es mit "Land schafft Verbindung" weitergeht, ist offen. Wenn die Demonstrierenden ihr Ziel erreichen und zu Gesprächen in Ministerien eingeladen werden, braucht es eigentlich legitimierte, also gewählte Vertreter. Und für Verhandlungen inhaltlich sattelfeste Positionen. Klassische Verbandsarbeit – aber ein zweiter Bauernverband will "Land schafft Verbindung" ja gerade nicht werden.

Könnte sich die Bewegung radikalisieren - womöglich wie in Frankreich, wo regelmäßig Mist vor Türen gekippt wird und Bauernproteste teils Millionenschäden anrichten? Oder wie zuletzt in den Niederlanden, wo Verwaltungsgebäude gestürmt wurden? Nein, so etwas machen wir hier nicht, versichern die bayerischen Aktivisten. Sollte zum Beispiel die AfD versuchen, auf den Protestzug aufzuspringen, werde man sie in die Schranken weisen.

In den Anweisungen für den Traktorprotest heute in Bad Füssing heißt es: "Bitte auf die Sauberkeit der Straßen achten!"