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Nach Kritik: Länderbahn beklagt unrealistische Vorgaben | BR24

© BR/Andreas Wenleder

Noch bis September werden in der Oberpfalz Züge des Anbieters Alex und der Oberpfalzbahn ausfallen. Ein Grund: Personalmangel. Dazu kommen Probleme mit der Pünktlichkeit. Die zuständige Länderbahn, wurde dafür harsch kritisiert. Jetzt wehrt man sich.

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Nach Kritik: Länderbahn beklagt unrealistische Vorgaben

Noch bis September werden in der Oberpfalz Züge des Anbieters Alex und der Oberpfalzbahn ausfallen. Ein Grund: Personalmangel. Dazu kommen Schwierigkeiten mit der Pünktlichkeit. Die zuständige Länderbahn wurde dafür kritisiert. Jetzt wehrt sie sich.

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In der Oberpfalz werden noch bis in den September hinein einige Züge des Alex und der Oberpfalzbahn ausfallen. Lokführermangel ist der Hauptgrund, aktuell verstärkt durch Urlaub und Krankheitsfälle. Vor allem am frühen Morgen, spätabends und am Wochenende müssen Fahrgäste der Länderbahn länger warten oder auf Busse umsteigen.

Das zuständige Unternehmen, die Länderbahn, ist dafür scharf kritisiert worden: von der Gewerkschaft, aber auch von der Politik. Zuletzt hatten sich mehrere Landtagsabgeordnete aus der Oberpfalz gemeinsam über die schon länger bestehenden Probleme beschwert.

Zeitdruck bei den Lokführern

Das Unternehmen wehrt sich jetzt gegen die Angriffe. Unter anderem seien die Vorgaben der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) für den Zugverkehr oft nicht zu meistern, heißt es.

Schon wenn ein Rollstuhlfahrer den Zug nehme, könne die längere Einsteigezeit den Fahrplan sprengen. Auch bei Baustellen oder Störungen zahle das Unternehmen regelmäßig drauf, heißt es. Und das sei schlecht für die Firma. Schon ab drei Minuten Verspätung bekomme die Länderbahn weniger Geld für ihre Fahrt. Dieser Druck durch enge Fahrplan-Vorgaben sei eine enorme Belastung für seine Mitarbeiter, betont Länderbahn-Geschäftsführer Wolfgang Pollety.

"Den Alex-Verkehr - das hat auch ein Gutachten bewiesen - kann man so nicht fahren, wie er geplant war. Das weiß auch die Bayerische Eisenbahngesellschaft, das weiß die Politik in weiten Teilen. Schwierig wär es nur, wenn wir Folgeaufträge nicht bekommen würden aufgrund des Images. Da erwarten wir natürlich weiterhin eine faire Gleichbehandlung im Wettbewerb mit anderen Unternehmen." Wolfgang Pollety, Länderbahngeschäftsführer

Viele Lokführer sehen das ähnlich. Sie kämpfen tagtäglich mit Verspätungen anderer Züge oder Baustellen, die wiederum Verspätungen der eigenen Züge zur Folge haben. Dazu kommen zusätzliche Aufgaben wie das Andocken einer Lok beim Fahrtrichtungswechsel und Übergaben. Und dann muss an jedem Bahnhof gewartet werden, bis alle Mitreisenden aus- und eingestiegen sind.

"Die Ein- und Umsteigezeiten für die Fahrgäste sollten etwas länger sein, weil: Manche Fahrgäste brauchen einfach etwas länger." Christina Rothe, Lokführerin

Neue Ausschreibung erst 2023

Die kritisierten Vorgaben sind Teil der Ausschreibung der BEG für regionale Zugstrecken. Auf diese können sich Unternehmen wie die Länderbahn dann für mehrere Jahre bewerben. Eine neue Ausschreibung mit neuen Vorgaben wird es wohl erst 2023 geben. Der Regensburger Grünen-Abgeordnete Jürgen Mistol, Mitglied im Verkehrsausschuss des Landtags, kritisiert das und fordert bessere Vorgaben von der BEG.

"Wenn ich von Anfang an bei der Ausschreibung so sehr an der Preisschraube drehe, dass die Unternehmen fast genötigt sind, ein günstiges Angebot abgeben zu müssen - wissend, dass ich es eigentlich nicht leisten kann, was ich in der Ausschreibung zugesagt habe - dann liegt es eben auch an diesen Ausschreibungen." Jürgen Mistol, Landtagsabgeordneter der Grünen

Die Zugsituation sei für Fahrgäste in der Oberpfalz aktuell eine grobe Zumutung. Trotz aller Kritik an der BEG trage aber auch die Länderbahn selbst zur Situation bei, sagt Mistol.

"Da habe ich schon den Eindruck, da wird derzeit zu wenig gemacht in der Personalgewinnung und auch, dass das Personal dabei bleibt." Jürgen Mistol, Landtagsabgeordneter der Grünen

Länderbahn weist Kritik an Personalpolitik zurück

Das Unternehmen widerspricht der Kritik. Seine Lokführer bekämen genug Geld, im Schnitt 40.000 Euro im Jahr. 60 Lokführer bilde das Unternehmen dieses Jahr auch selbst aus. Zusätzlich kooperiere man mit einer Lokführerschule in Serbien, so Länderbahn-Geschäftsführer Wolfgang Pollety.

"Und trotzdem sind wir nicht ganz sicher, ob es am Ende reicht, weil die Fluktuation groß ist und weil andere Unternehmen uns die Leute schnell wieder abwerben." Wolfgang Pollety, Länderbahn-Geschäftsführer