Kränze liegen am internationalen Mahnmal in der KZ-Gedenkstätte.
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Kränze liegen am internationalen Mahnmal in der KZ-Gedenkstätte.

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KZ-Gedenkstätte Dachau: Kein Geld aus Berlin für Neugestaltung

Der Gedenkstätte des ehemaligen KZ Dachau fehlt wohl ein Millionenbetrag zur Sanierung. Die Bundesregierung hat nach BR-Informationen einen Zuschussantrag abgelehnt. Der sei fehlerhaft gewesen, hieß es aus dem Haus von Kulturstaatsministerin Roth.

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Wegen angeblich fehlerhafter Förderanträge der Gedenkstättenstiftung fehlen offenbar Millionen zur Sanierung der KZ-Gedenkstätte Dachau. Die dringend nötige Sicherung und Umgestaltung der baufälligen Baracken auf dem Appellplatz ist damit in weite Ferne gerückt.

Vor 90 Jahren, am 22.März 1933, war das Konzentrationslager Dachau errichtet worden. Die Gedenkstätte auf dem einstigen Lagergelände zählt heute zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Freistaat mit alljährlich rund einer Millionen Besucher aus aller Welt. Doch inzwischen verfallen einzelne Gebäude, lange geplante Erweiterungen und Umbauten kommen nicht zustande. Nach BR-Informationen hat die Bundesregierung ausgerechnet jetzt, zum 90. Jahrestag, einen Zuschuss-Antrag in Millionenhöhe abgelehnt – und sieht die Schuld dafür in Bayern.

Seit Jahren immer wieder fehlerhafte Antragstellung

In einem persönlichen Schreiben der grünen Staatsministerin Claudia Roth an Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler), das dem BR vorliegt, heißt es, Berlin habe den Freistaat und die Bayerische Gedenkstättenstiftung seit drei Jahren immer wieder mündlich und schriftlich auf die fehlerhafte Antragstellung aufmerksam gemacht. Offenbar haben die bayerischen Stellen aber alle Mahnungen ignoriert. Von Seiten der Stiftung Bayerische Gedenkstätten gab es auf BR-Anfrage zunächst keine Reaktion zu den Vorwürfen, auch das vorgesetzte bayerische Kultusministerium äußerte sich nicht.

Krematorium und Baracke brauchen Baumaßnahmen

Baustellen gäbe es viele in der KZ-Gedenkstätte Dachau: Eine der Baracken auf dem einstigen Appellplatz und das ehemalige Krematorium sind so marode, dass sie bei Schneelast einzustürzen drohen. Der KZ-Friedhof am nahegelegenen Leitenberg droht abzurutschen. Gleichzeitig verfällt der sogenannte Kräutergarten – eine Plantagenanlage, in der Häftlinge unter schlimmsten Bedingungen für die SS schuften mussten. Seit Jahren ist geplant, den Kräutergarten, der aktuell im Besitz der Stadt Dachau ist, in die Gedenkstätte zu integrieren. Doch dieses Projekt kommt ebenso wenig voran wie die geplante Umgestaltung der Gedenkstätte.

Ausgefeiltes Konzept

Schon vor Jahren hat die Gedenkstätten-Leitung dafür ein umfassendes Konzept vorgelegt: So sollen unter anderem ehemalige SS-Gebäude des sogenannten ersten Lagers in die Gedenkstätte integriert werden, die aktuell noch von der Bayerischen Bereitschaftspolizei genutzt werden. Außerdem soll die Dauerausstellung im einstigen Wirtschaftsgebäude des KZ erweitert und umgestaltet werden. Und die nachgebauten Häftlingsbaracken auf dem Appellplatz sollen baulich gesichert und in Lernorte umgestaltet werden.

Keines dieser schon lange geplanten Projekte steht aktuell vor der Umsetzung. Das Staatsministerium für Kultur und Medien in Berlin, das von der einzigen Bayerin im Kabinett Claudia Roth geführt wird, hat pünktlich zum 90. Jahrestag der Errichtung des KZ Dachau einen millionenschweren Zuschussantrag aus Bayern abgelehnt.

Bayern beantragte 31,5 Millionen - aus einem 5 Millionen-Fördertopf

Das Berliner Ministerium betont dabei, dass man die geplanten Maßnahmen durchaus für sinnvoll halte. Die Anträge aus Bayern, die von der Gedenkstättenstiftung des Freistaats eingereicht wurden, seien jedoch schlicht fehlerhaft bzw. an die falschen Stelle gerichtet worden. Eine Bewilligung sei deshalb "leider nicht möglich" gewesen. Unter anderem weil die Gedenkstättenkonzeption des Bundes keine Baumaßnahmen fördere, sondern nur inhaltliche und pädagogische Konzepte. Zudem umfasst der Fördertopf des Bundes für Gedenkstättenkonzeption insgesamt nur 5 Millionen Euro jährlich. Der Freistaat habe aber allein für Dachau 31,5 Millionen Euro Zuschuss beantragt – also mehr als das Sechsfache der Mittel, die für Gedenkstätten im ganzen Bundesgebiet zur Verfügung stehen.

Zwist zwischen Gedenkstätte und Stiftung

Dass in der KZ-Gedenkstätte Dachau seit Langem nichts vorwärts geht, könnte auch daran liegen, dass es seit Jahren Unstimmigkeiten zwischen Gedenkstätte und Gedenkstättenstiftung gibt – spätestens seit der Direktor der Stiftung, Landtagsvizepräsident Karl Freller (CSU), vor zwei Jahren versuchte, seine Büroleiterin als neue Leiterin der Pädagogischen Abteilung der Gedenkstätte durchzusetzen. Damals scheiterte er jedoch unter anderem am Widerstand der Belegschaft. Seither scheinen die Fronten verhärtet und jegliche Fortschritte bei der Neukonzeption der Gedenkstätte blockiert zu sein.

KZ-Überlebende sind frustriert

Bei den wenigen Überlebenden des KZ Dachau und deren Nachkommen, die in der Lagergemeinschaft Dachau organisiert sind, ist der Frust inzwischen groß. "Das ist ein Hin und Her und es ärgert uns furchtbar", so der Präsident der Lagergemeinschaft, der KZ-Überlebende Ernst Grube. Unverständnis äußert auch sein Stellvertreter Jürgen Müller-Hohagen: "Der Kräutergarten muss gesichert werden, ebenso das Krematorium und der KZ-Friedhof Leitenberg. Was die Gedenkstätte als Konzept entwickelt hat, finden wir sehr wichtig und verdienstvoll. Und wir sind sprachlos darüber, dass es jetzt heißt: Solche Mittel stehen ja überhaupt nicht zur Verfügung."

Nun bleibt abzuwarten, ob sich Ministerpräsident Markus Söder zu der Angelegenheit äußern wird. Er ist am Mittwoch in der KZ-Gedenkstätte zu Gast und eröffnet eine Sonderausstellung zum 90. Jahrestag der Errichtung des KZ Dachau.

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