BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Gunther Ehrhardt
Bildrechte: Gunther Ehrhardt

Das Kriegerdenkmal in Geroldshausen mit einer Infotafel.

3
Per Mail sharen

    KZ-Arzt auf Kriegerdenkmal: Infotafel weist auf Fehler hin

    Er war leitender Standortarzt im KZ Auschwitz – trotzdem steht Eduard Wirths als einer von 25 Gefallenen auf dem Kriegerdenkmal im unterfränkischen Geroldshausen. Jetzt hat die Gemeinde erste Schritte eingeleitet, um den Fehler zu revidieren.

    3
    Per Mail sharen
    Von
    • Carolin Hasenauer

    Die Gemeinde Geroldshausen hat jetzt kurzfristig auf die NS-Verstrickung eines in den örtlichen Gedenkstein eingemeißelten Namens reagiert: Eine Info-Tafel vor dem Kriegerdenkmal soll auf den fälschlicherweise eingemeißelten Namen "Dr. Eduard Wirths" hinweisen. Auf der Infotafel positioniert sich die Gemeinde deutlich: "Der Name Dr. Eduard Wirths hat nichts auf dem Denkmal zu suchen. Der Gemeinderat verurteilt die von Dr. Wirths während des Dritten Reiches als Standortarzt in verschiedenen Konzentrationslagern verübten Kriegsverbrechen aufs Schärfste."

    Experten sollen Aufarbeitung begleiten

    Bei seiner Sitzung am Dienstagabend, 9. März, hatte der Gemeinderat beschlossen, den Namen vorerst nicht aus dem Stein wegzumeißeln, sondern zunächst Experten zu Rate zu ziehen, weil die "Aufarbeitung in ihrer Bedeutung die Möglichkeiten der Gemeinde übersteige". Der Beschluss wurde einstimmig gefasst.

    Bürgermeister Gunther Ehrhardt hat deshalb nun den Exekutiv Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees Christoph Heubner angefragt, seine Überlegungen zum weiteren Umgang mit der Inschrift darzulegen.

    Ehrhardt: "Man kann Geschichte nicht ausradieren"

    Für Bürgermeister Ehrhardt, der diese Position als Ehrenamt bekleidet, ist die aktuelle Situation nicht leicht. Jetzt will er aber endlich, auch für künftige Generationen, aufräumen: "Dr. Wirths war ein NS-Verbrecher. Es gibt keine Alternative zur Entfernung der Aufschrift. Sie muss zeitnah geschehen. Man kann Geschichte aber nicht ausradieren." Mit der Beratung von außen erhofft sich der Bürgermeister der 1.300-Einwohner Gemeinde, dass sich eine gute Erinnerungs- und Mahnkultur etabliert, die auch noch in Jahrzehnten Gültigkeit hat.

    Wirths war KZ-Arzt in Auschwitz

    Konkret geht es bei der aktuellen Diskussion um das Kriegerdenkmal in der Gemeinde südlich von Würzburg: Einer der 25 Namen, die in den großen Steinblock eingemeißelt sind, stammt nicht von einem Gefallenen des Zweiten Weltkrieges: Dr. Eduard Wirths. Der 1909 in Geroldshausen geborere Wirths war zwischen 1943 und 1945 im Rang eines SS-Sturmbannführers als "Standortarzt" im Konzentrationslager Auschwitz. Er war damit der leitende Arzt im KZ, war zuständig für die "Selektion" der zwangsweise nach Auschwitz transportierten Menschen auf der Ankunftsrampe des Lagers, schickte Tausende in die Gaskammern. In britischer Kriegsgefangenschaft erhängte sich Wirths am 20. September 1945.

    © Gunther Ehrhardt
    Bildrechte: Gunther Ehrhardt

    Der Text auf der Infotafel mit QR-Code.

    1952 wurde sein Name dennoch in Stein gemeißelt. 70 Jahre lang sei der Name auf diesem Denkmal kein Thema gewesen. "Wie aus heiterem Himmel ist das aufgeploppt", sagt Bürgermeister Gunther Ehrhardt dem BR. "Jetzt will ich alles daran setzen, dass wir offen damit umgehen." Das Thema sei hoch emotional.

    Steinmetz-Familie Wirths erhielt 1951 den Auftrag für das Denkmal

    Doch wie kam der Name überhaupt auf das Denkmal? Das Kriegerdenkmal wurde bereits zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet. Dann 1951 wollte die Gemeinde Geroldshausen auch den Gefallenen des Zweiten Weltkriegs ein Denkmal setzen – den Auftrag für die Ergänzung der Namen auf dem Stein hat der ortsansässige Steinmetz Albert Wirths erhalten. Und dessen Sohn war Eduard Wirths.

    Nachkommen distanzieren sich von den Kriegsverbrechen Wirths

    Ob er den Namen seines Sohnes selbst in den Stein gemeißelt hat und wenn ja, wie das zunächst nicht auffallen konnte, dazu ist nichts bekannt. Jetzt hat die Familie Wirths zu den aktuellen Entwicklungen Stellung genommen: "Die Beteiligung unseres Familienmitgliedes an den in Auschwitz verübten, beispiellosen Verbrechen wollen wir nicht leugnen oder beschönigen. Eine Schuld daran trifft 'die Familie Wirths' – wer auch immer damit angesprochen sein soll – aber nicht", heißt es in dem Schreiben, das am Abend im Gemeinderat vorgelesen wurde.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!