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KZ-Arzt auf Denkmal: Auschwitz Komitee fordert Namens-Entfernung | BR24

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KZ-Arzt auf Kriegerdenkmal: Internationales Auschwitz Komitee fordert Entfernung des Namen

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    KZ-Arzt auf Denkmal: Auschwitz Komitee fordert Namens-Entfernung

    Der Name des KZ-Arztes Eduard Wirths, der auf einem Kriegerdenkmal im unterfränkischen Geroldshausen steht, sorgt für Wirbel. Das Internationale Auschwitz Komitee fordert den Gemeinderat dazu auf, den Namen vom Mahnmal entfernen zu lassen.

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    Von
    • Julia Kuhles
    • BR24 Redaktion

    Auch mit der Gemeinderatssitzung ist die Diskussion um das Kriegerdenkmal in Geroldshausen im Landkreis Würzburg noch lange nicht beendet. Soll der Name des KZ-Arztes Eduard Wirths von dem großen Steinblock herausgemeißelt werden oder ergänzend eine Infotafel aufgestellt werden? Der Gemeinderat konnte sich noch nicht entscheiden. Das Internationale Auschwitz Komitee hingegen fordert den Gemeinderat auf, den Namen Eduard Wirths unbedingt vom Mahnmal entfernen zu lassen und damit eine historische Lüge zu korrigieren.

    "Wirths hat auf einem 'Ehrenmal' nichts zu suchen"

    "Eduard Wirths hatte und hat auf einem 'Ehrenmal' nichts zu suchen", erklärt Christoph Heubner, der Exekutiv Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees im BR-Gespräch. Die Entfernung des Namens sei die wichtigste Voraussetzung zu einer Aufarbeitung des Geschehenen.

    Es ehre die Gemeinde, dass sie die Aufarbeitung angehen will, da nur die wenigsten Täter von Auschwitz je einen Gerichtssaal von innen gesehen hätten und die allermeisten als ehrbare Männer in die Mitte der deutschen Gesellschaft zurückgekehrt seien. Auch Eduard Wirths sei dies nach seinem Freitod gelungen. "Deshalb beginnt jetzt in Geroldshausen ein schmerzhafter Prozess, der aber für viele Gemeinden in Deutschland beispielhaft sein kann", so Heubner.

    In Auschwitz schickte Wirths Tausende in Gaskammern

    Der 1909 in Geroldshausen geborene Wirths war zwischen 1943 und 1945 im Rang eines SS-Sturmbannführers als "Standortarzt" im Konzentrationslager Auschwitz. Er war damit der leitende Arzt im KZ, war zuständig für die "Selektion" der zwangsweise nach Auschwitz transportierten Menschen auf der Ankunftsrampe des Lagers, schickte Tausende in die Gaskammern.

    In britischer Kriegsgefangenschaft erhängte sich Wirths am 20. September 1945. 1952 wurde sein Name dennoch in Stein gemeißelt. 70 Jahre lang sei der Name auf diesem Denkmal kein Thema gewesen. "Wie aus heiterem Himmel ist das aufgeploppt", sagte Bürgermeister Gunther Ehrhardt dem BR.

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