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Kur auf Kassenkosten? Badeorte sprechen von einem Lichtblick | BR24

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Zahlen die Krankenkassen bald wieder Badekuren? Kurz vor Weihnachten hat das Bundeskabinett ein entsprechendes Gesetz beschlossen.

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Kur auf Kassenkosten? Badeorte sprechen von einem Lichtblick

Gibt es bald wieder Kuren auf Kassenkosten? Die niederbayerischen Badeorte sprechen von einem Lichtblick inmitten der Coronakrise: Denn 2021 könnte die Kur ihr Comeback erleben. Sie soll wieder Kassenleistung werden.

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  • Katharina Häringer
  • BR24 Redaktion

Bis in die 90er-Jahre konnten Patienten auf Kosten ihrer Krankenkasse eine Badekur machen. Nach der Gesundheitsreform war damit Schluss. Doch 2021 könnte die Kur ihr Comeback erleben. Sie soll wieder Kassenleistung werden. Bayerns Kurorte sprechen von einem Lichtblick.

Kuren bald wieder Pflichtleistung?

Bis zur Gesundheitsreform 1996 lief es so: Ein Hausarzt konnte einem Patienten eine Badekur über drei Wochen verschreiben. Die Kosten für alle Behandlungen übernahm die Krankenkasse. Der Patient musste nur die Unterbringung selbst zahlen. Im Zuge großer Sparmaßnahmen war damit Schluss. Doch die Badekur soll jetzt wieder Kassenleistung werden. Kurz vor Weihnachten hat das Bundeskabinett ein entsprechendes Gesetz beschlossen. Darin heißt es wörtlich: "Ambulante und stationäre Vorsorgeleistungen in anerkannten Kurorten werden von Ermessens- in Pflichtleistungen umgewandelt." Bayerns Kurorte sprechen von einem Weihnachtsgeschenk. Gerade in der Corona-Pandemie sei diese Entscheidung ein Lichtblick, sagt Alois Brundobler, Vorsitzender aller 47 bayerischen Heil- und Kurbäder.

Das Heilmittel wird wieder bekannt

"Bayerns Kurorte sind nach der Reform mehr und mehr zu Tourismusorten geworden. Das Alleinstellungsmerkmal des ortsspezifischen Heilmittels ist in den Hintergrund getreten. Darum bin ich sehr dankbar, dass es jetzt eine Änderung gibt und dass die Menschen vom Gesundheitsangebot wieder mehr Kenntnis erlangen", freut sich Brundobler, der auch Altbürgermeister von Bad Füssing ist.

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Alois Brundobler, Altbürgermeister von Bad Füssing

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Bad Füssings heutiger Bürgermeister Tobias Kurz

Neuausrichtung in Richtung Wellness oder Sport

Bad Füssing war eines der Bäder, die bis in die 90er-Jahre hauptsächlich von der verschriebenen Kur lebten. "Kur-Patienten machten mehr als 90 Prozent unserer Besucher aus", erzählt Brundobler. Auch in Bad Gögging, Bad Birnbach, Bad Kissingen und Bad Reichenhall habe die vom Arzt verschriebene Kur für den Großteil der Gäste gesorgt. Nach der Reform mussten diese Orte lernen, neue Schwerpunkte zu setzen. In Bad Füssing wurden beispielsweise ein Golfplatz gebaut und Veranstaltungsreihen eingeführt.

Von einem riesigen Vorteil für Patienten spricht Stefan Speiser, Vorsitzender der Vereinigung selbstständiger Physiotherapeuten im niederbayerischen Bäderdreieck: "Endlich können Patienten eine Präventionsmaßnahme wahrnehmen, ohne dafür in eine Klinik gehen zu müssen", sagt er.

Kurorte dürfen sich nicht ausruhen

Das Gesetz bedarf nicht der Zustimmung des Bundesrates und soll voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2021 in Kraft treten. Bad Füssings heutiger Bürgermeister, Tobias Kurz (Bürgerliche Einigkeit Würding), spricht von einer "freudigen Nachricht in der aktuell tristen Situation. Physiotherapeuten, Hoteliers, Gastronomen sind gerade stark gebeutelt von der Pandemie. Alle freuen sich, warten aber vorsichtig optimistisch ab", sagt er. Denn viele Fragen seien noch offen. Wie werden die Krankenkassen auf das neue Gesetz reagieren? Ab wann soll es die Kur auf Rezept geben? Wie lange wird eine verschriebene Kur dauern?

Ganz egal, wie die Antworten lauten werden, für Alois Brundobler hat die Geschichte gezeigt: Selbst wenn die Badekur wieder von der Kasse bezahlt wird, dürften sich die Bäder darauf nicht ausruhen. "Wir müssen immer wieder auf Trends und die Nachfrage der Bevölkerung eingehen."

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