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Kunstschnee in Zeiten des Wassermangels | BR24

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Dass Wasser auch bei uns knapp werden kann, hätte früher wohl kaum jemand gedacht. Dann kam der Hitzesommer - und mit ihm sinkende Grundwasserpegel, zum Beispiel im Allgäu. Jetzt laufen die Schneekanonen. Ein Widerspruch?

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Kunstschnee in Zeiten des Wassermangels

Dass Wasser auch bei uns knapp werden kann, hätte früher wohl kaum jemand gedacht. Dann kam der Hitzesommer - und mit ihm sinkende Grundwasserpegel, zum Beispiel im Allgäu. Jetzt laufen in den Bergen die Schneekanonen auf Hochtouren. Ein Widerspruch?

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Tanja Romano hat zehn Pferde auf ihrem Hof in Wegscheidel, einem kleinen Ort in der Gemeinde Buchenberg im Oberallgäu. Die Pferde und sieben Menschen werden mit einer eigenen Trinkwasser-Quelle versorgt. Wie viele im Ort sind auch die Romanos nicht an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen.

Ende Oktober fiel Tanja Romano auf, dass der Überlauf nicht mehr plätscherte. Auch in die Zisterne sei nichts mehr gekommen. Dann rief sie ihren Mann an: "Wir haben kein Wasser mehr."

500 Liter pro Tag benötigt

Eineinhalb Monate lang mussten die Romanos die Zisterne mit Wasser aus dem Container auffüllen. Menschen und Tiere auf dem Hof brauchen täglich etwa 500 Liter.

Anfang Dezember dann hat Tanja Romano bemerkt, dass in der Nähe Schneekanonen angeworfen worden waren. Ein Vorgang, den sie nicht nachvollziehen kann: "Ich muss Wasser schleppen, und der kann seine Kanonen anmachen."

Buchenberg hat ein kleines Skigebiet: die Schwärzenlifte. In den Weihnachtsferien wird über ein Drittel des Jahresumsatzes gemacht. Deshalb produziert Liftbetreiber Rupert Schön vorher so viel Kunstschnee wie möglich:

"Die Leute wollen durchgängig Skifahren können. Und das kannst du eigentlich nur noch garantieren, wenn du eine funktionstüchtige Beschneiungsanlage hast." Rupert Schön, Schwärzenlifte

Dazu gehört auch ein Schneiteich mit 7.000 Kubikmetern Wasser. Er wird mit Schmelz- und Regenwasser gefüllt, das sich in einem nahen Tobel sammelt.

Aus dem Tobel entspringt ein Bach, der Masersbach. Dass er trotz Schneiteich genügend Wasser abbekommt, kontrolliert das Wasserwirtschaftsamt Kempten. Im Tobel war heuer immer Wasser, der Masersbach hat immer Wasser geführt. Im Dorf dagegen hat Wassermangel geherrscht – wie passt das zusammen?

Sind neue Brunnen die Lösung?

Das Wasserwirtschaftsamt erklärt das damit, dass der Masersbach ein anderes Einzugsgebiet als die Wasserfassungen der Trinkwasserversorgung hat. Wenn das Wasser vom Speicher im Bach abfließen würde, käme es der Behörde zufolge ohnehin nie in der Wasserfassung an. Die Beschneiung an den Schwärzenliften und trockene Brunnen im Ort: Das scheint also kein Widerspruch zu sein.

Das Wasserwirtschaftsamt berät Gemeinden, in denen heuer Wassermangel geherrscht hat. Die Behörde empfiehlt, die Versorgung durch ein zweites Standbein sicherzustellen – etwa durch den Anschluss an eine größere Wasserversorgung oder durch die Erschließung neuer Brunnen.

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Kälte und Schnee sind rechtzeitig da, die Skisaison im Allgäu kann beginnen. Die Beschneiungsanlagen laufen auf Hochtouren, ist das angesichts der zunehmenden Trockenheit ein Problem?