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Kunstaktion an Zeppelintribüne spaltet Nürnberger Kulturszene | BR24

© BR/Maxi Albrecht

Zeppelintribüne bunt bemalt

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Kunstaktion an Zeppelintribüne spaltet Nürnberger Kulturszene

Eine anonyme Künstlergruppe hatte die Zeppelintribüne am ehemaligen Reichsparteitagsgelände bunt angemalt. Die Stadt ließ das Kunstwerk schnell wieder entfernen. Das befeuert den Widerspruch aus der Nürnberger Kulturszene.

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Unbekannte hatten in einer Nacht- und Nebelaktion die Zeppelintribühne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg bunt bemalt. Eine bisher anonyme Künstlergruppe wollte damit nach eigenen Angaben zur Diskussion über die Nutzung des Geländes beitragen. Die Stadt Nürnberg ließ, unter Berufung auf den Denkmalschutz, die Balken in Regenbogenfarben schnell entfernen, das Liegenschaftsamt der Stadt hat die illegale Bemalung angezeigt. Das befeuert nun die Diskussion in der Nürnberger Kulturszene.

Kulturbürgermeisterin fordert Dialog

Nürnbergs Kulturbürgermeisterin Julia Lehner (CSU) sagte dem Bayerischen Rundfunk, die Auseinandersetzung mit dem Erbe der NS-Zeit mit Mitteln der Kunst sei ein zentrales Anliegen. "Temporäre künstlerische Interventionen sind deshalb zu begrüßen. Sie bedürfen jedoch der Absprache und müssen mit dem Denkmalschutz vereinbar sein", so Lehner. Sie fordere deshalb die Künstlergruppe zum Gespräch und Austausch auf. Wie das allerdings gehen soll, angesichts einer Strafanzeige seitens der Stadt Nürnberg, verrät sie nicht.

Kulturschaffende sind wütend

Dieses Vorgehen der Stadt Nürnberg trifft bei vielen Kulturschaffenden auf Unverständnis. Der diesbezügliche Facebook-Post von Julia Lehner sei verlogen, scheinheilig und undurchdacht - so Karsten Neumann vom Stadtgründungsbüro Bethang in einem offenen Brief.

"Mit Verlaub, Ihr Aufruf zum Dialog ist scheinheilig, verlogen und undurchdacht! Undurchdacht, weil Sie als städtische Mitarbeiterin schlecht jemanden, gegen den die Stadt Nürnberg Strafanzeige stellt, zum Dialog aufrufen können. Verlogen, weil Sie Dialog noch nie wirklich interessiert hat." Karsten Neumann

Außerdem sei vielen Vorschläge zur kulturellen Umnutzung der Zepellintribüne vom Kulturreferat bisher wenig Beachtung geschenkt worden, so sein Vorwurf weiter. Dagegen erhielten die Urheber der Regenbogen-Kunstaktion unter #regenbogenpräludium in den Sozialen Netzwerken eine überaus positive Resonanz.

Sensationelles Werk aktionistischer Kunst

Auch Hajo Wagner, der Leiter des Bewerbungsbüros für die Nürnberger Bewerbung zur Europäischen Kutlurhauptstadt 2025 findet deutliche Worte. "Es war ein sensationelles Werk aktionistischer Kunst, politisch klar formuliert und zugleich von hoher symbolischer Kraft", so Hans-Joachim Wagner in einem Facebook-Post. Sowohl die politische Dimension der Arbeit als auch deren Durchführung im öffentlichen Raum entsprächen ganz der zentralen Maxime der Nürnberger Bewerbung um den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt.

Das der Denkmalschutz ohne jegliche Debatte die Beseitigung des Kunstwerks rechtfertige, schmerze ihn sehr. Für die Stadt Nürnberg sei ein breiter öffentlicher Diskurs über den Umgang mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände zwingend notwendig. Hier sieht Hans-Joachim Wagner eine große drängende Aufgabe für die Zukunft der Stadt.

BR-Kulturredakteurin Corinna Mielke kommentiert die Aktion der Künstlergruppe vor dem Zeppelintribühne. Nachhörbar im Audioformat:

© BR

BR-Kulturredakteurin Corinna Mielke kommentiert die Aktion der Künstlergruppe vor dem Zeppelintribühne.

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