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Die Holzkünstlerin Stephanie Huber hat auf dem Friedhof in Marktredwitz aus einem 150 Jahre alten Baum einen Engel geschaffen. Mit einer Kettensäge hat sie bei Wind und Wetter die kleinsten Details geschnitzt.

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Kunst mit der Kettensäge: Engel aus 150 Jahre altem Baum

Dem 150 Jahre alten Spitzahorn am Friedhof von Marktredwitz wurde wohl die Trockenheit der vergangenen Jahre zum Verhängnis. Doch statt ihn zu fällen, wurde schließlich ein Engel aus ihm.

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Von
  • Anne Axmann

Kettensägen-Künstlerin Stephanie Huber ist warm eingepackt. Dicke Schnittschutzhosen, ein Ohrenschutz gegen Lärm, eine Brille wegen der herumfliegenden Holzspäne. Handschuhe, Mütze kommen dazu. So klettert sie mit ihrer Motorsäge aufs Gerüst und legt los.

"Es ist so aufregend, wenn noch gar nix zu sehen ist, der Stamm noch nach Stamm aussieht und man noch nicht weiß, wo man hinkommt." Stephanie Huber – Holzkünstlerin

Die Kettensäge mit dem 90-Zentimeter-Blatt jault auf und helle Holzspäne fliegen durch die Luft. So setzt Stephanie Huber den ersten Schnitt.

Aus alt mach neu: Projekt "Engel der Hoffnung"

Das war vor fünf Wochen, damals begann das Projekt "Engel der Hoffnung". Aus einem alten Ahornbaum sollte etwas Neues entstehen. Die Idee kam vom Baumschutzbeauftragten der Stadt Marktredwitz. "Ich hab mir gedacht, Mensch, der Baum mit seinen drei Ästen schaut aus wie ein Engel (...)", erzählt Jürgen Gläßel. "Und er war ja sowieso schon von der Verkehrssicherheit nicht mehr tragbar. Also er hätte diesen Winter sowieso weggemusst. Und deswegen haben wir gesagt, vielleicht können wir hier das Projekt verwirklichen."

"Das wichtigste ist eine ruhige Hand"

Stephanie Huber arbeitete mit unterschiedlichen Motorsägen an der Form des Engels – bei Kälte, Wind und Wetter. Das Aussehen der Skulptur hat sie dabei im Kopf. Einziger Anhaltspunkt ist ein kleines Modell. Das Wichtigste ist eine ruhige Hand, denn gerade bei den Details kann jeder kleine Schnitt einer zu viel sein.

Vier Meter hohe Flügel

Nach fünf Wochen ist er nun fertig: ein fast vier Meter hoher Engel, der ganz sanft und würdevoll in Richtung Aussegnungshalle blickt. Dorthin, wo Trauernde ihre Liebsten verabschieden.

"Und da habe ich das Gefühl es ist sinnvoll, eine Arbeit zu machen, die vielleicht Hoffnung geben kann. Gerade dort wo es weh tut! Wo eh alles schön ist und eh alle am Strand liegen, wer braucht da schon einen Engel?" Stephanie Huber – Holzkünstlerin

Trost und Hoffnung soll er hier spenden. Der Engel, der mal ein 150 Jahre alter Baum war. Die Besucher des Friedhofs sind vom Kunstwerk begeistert.

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Dem 150 Jahre alten Spitzahorn am Friedhof von Marktredwitz wurde wohl die Trockenheit der vergangenen Jahre zum Verhängnis. Doch statt ihn zu fällen, wurde schließlich ein Engel aus ihm.

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Zwischenstand: Ein frühes Stadium während der Entstehung des Engels

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