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Kunst-Anschlag in Nürnberg: Mit dem Rad zur Kunst | BR24

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Im Rahmen der Aktion "Kultur trotz(t) Corona" ist im Nürnberger Stadtgebiet eine Open Air Gallerie mit Werken von über 20 Künstlern entstanden. Noch bis zum 27. Juli können die Ausstellungsstücke besichtigt werden.

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Kunst-Anschlag in Nürnberg: Mit dem Rad zur Kunst

Illustrationen, Malereien, Zeichnungen, Lettering und Graffiti – mit der dritten Dekade endet der Nürnberger Kunst-Anschlag. Die Resonanz ist groß, doch reicht der angeschlagenen Kunst-Szene die Sichtbarkeit aus?

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Erneut haben zwanzig Künstlerinnen und Künstler im Rahmen der Initiative "Kultur trotz(t) Corona" große Werbeflächen in Nürnberg in Kunstwerke verwandelt. Für die dritte und vorerst letzte Dekade bietet die Stadt Nürnberg erstmals geführte Radtouren an, die alle schon ausgebucht sind. Kunstliebhaber muss das nicht abschrecken: bis zum Ende der Aktion am 27. Juli, kann die Galerie über eine App selbstständig abgefahren werden.

Stadtraum wird zur Galerie

Auf dem Fahrrad führt Kunstvermittlerin Pirko Schröder die Besucher durch eine Auswahl der Kunstwerke. Die Resonanz der Aktion freut sie sehr. "Mir kommt es so vor, als sei mit wachsender Bekanntheit auch die Beliebtheit der Aktion gestiegen", so Schröder. "Gerade die Neugier, wer, was, wo macht oder gemacht hat, hat meiner Ansicht nach zugenommen. Der Stadtraum wird zur Galerie und gleichzeitig werden die herkömmlichen Großplakate vielleicht auch mit anderen Augen gesehen."

Mehr Platz für Kunst im Alltag

Die künstlerische Plakataktion ist nur temporär und aus einer Notsituation heraus entstanden. Doch Schröder befürwortet, dass Künstler und ihre Kunst mehr Platz im Alltag finden. Ihrer Meinung nach hat die Nürnberger Kunstszene sehr viel zu bieten, auch wenn diese nicht immer sichtbar ist.

Auch Künstlerin Eva Beham freut sich über die wachsende Sichtbarkeit der Kunstszene im öffentlichen Raum. Sie hat ein Plakat im Nordosten Nürnbergs gestaltet. Die Künstlerin trifft die Corona-Krise in zweierlei Hinsicht: "Da ich auf beiden Seiten im Kunstbetrieb tätig bin, sowohl als Künstlerin als auch als freie Art-Direktorin, hat mich die Krise doppelt getroffen. In der Zeit ist mir neben den Aufträgen auch die Möglichkeit Kunst zu machen weggebrochen."

Unterstützung für Kunstschaffende?

Unterstützung signalisieren – das ist auch die Motivation der Stadt Nürnberg. Diese versteht den Kunst-Anschlag als Zeichen, um der schwer getroffenen Kunst-Szene in der Corona-Pandemie unter die Arme zu greifen. Denn in der fränkischen Metropole entfallen in diesem Jahr Publikumsmagnete wie die Blaue Nacht, das Klassik Open Air oder das Bardentreffen. Kunst- und Kulturschaffenden fehlen dadurch beträchtliche Einnahmen.

Fast alle Anträge auf Corona-Sonderförderung bewilligt

Sie haben die Möglichkeit Corona-Hilfen des Kommunalen Rettungsschirmes der Stadt Nürnberg zu beantragen. Aber wer bereits Fördermittel aus den Soforthilfeprogrammen des Freistaates Bayern erhalten hat, hat keinen Anspruch mehr auf kommunale Hilfe. Wie die Stadt Nürnberg auf BR-Anfrage mitteilte, seien bislang 28 Anträge auf Corona-Sonderförderung eingegangen, von denen 23 bereits bewilligt wurden.

Stadt Nürnberg mehr in die Pflicht nehmen

Die finanzielle Unterstützung für Kunstschaffende hält Pirko Schröder deshalb für nicht ausreichend. Mit dem Kunst-Anschlag geht es ihr aber nicht allein um ein politisches Signal: "Es geht mehr um das Sichtbarwerden im Stadtraum, um Kunst als Strategie in Zeiten von Corona und darum, dass die Stadt - hier das Projektbüro - eine aktive Rolle in der Kultur in (vermeintlich) passiven Zeiten übernimmt."

Mithilfe der drei Dekaden des Kunst-Anschlages hat das Projektbüro der Stadt Nürnberg einen guten Anfang geschaffen. Noch aber ist unklar, ob diese und zukünftige Aktionen die nötige Aufmerksamkeit erhalten.

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