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Kunst am Kersbacher Kreisel polarisiert | BR24

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Das poetische Kunstwerk im Kreisverkehr bei Kersbach (Lkr. Forchheim) ist vollendet. In großen Lettern ist dort ein Zitat des Dichters Ludwig Tieck zu lesen.

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Kunst am Kersbacher Kreisel polarisiert

Das Kunstwerk im Kreisverkehr bei Kersbach im Landkreis Forchheim ist Poesie pur. Denn es besteht aus einem Zitat des Dichters Ludwig Tieck. Doch nicht jedem, der vorbeikommt, gefällt was er sieht.

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Von
  • Tobias Burkert

Jetzt ist es fast fertig: Das Kunstwerk auf dem Kreisverkehr bei Kersbach im Landkreis Forchheim. Ein Zitat des deutschen Frühromantikers Ludwig Tieck windet sich um das sandige Plateau. Aber nicht alle Verkehrsteilnehmer finden den Schriftzug wirklich romantisch. Das poetische Zitat von Ludwig Tieck lautet:

"Die ganze Natur ist dem Menschen, wenn er poetisch gestimmt ist, nur ein Spiegel, worin er nichts als sich selbst wiederfindet." Ludwig Tieck

Mit diesem Zitat in mannshohen, goldsilbrigen Lettern hat sich der Weilersbacher Künstler Harald Winter gegen 100 Konkurrenten in einem Wettbewerb durchgesetzt. Der Hintergrund des 80.000 Euro teuren"literarischen Kersbacher Kreisels": Ludwig Tieck soll 1793 auf einer Pfingstreise die Schönheit der Fränkischen Schweiz entdeckt haben und mit eben diesen Beschreibungen davon die "Deutsche Romantik" begründet haben. Grund genug, dem Poeten direkt am "Einfahrtstor" zur Fränkischen Schweiz ein bleibendes Denkmal zu setzen.

Kunst im öffentlichen Raum darf polarisieren

Bei vielen Verkehrsteilnehmern sorgt der neue Schriftzug nicht nur für Kopfverrenken im Auto, sondern auch für Kopfschütteln generell: Man müsse ja mehrfach im Kreis fahren, um das komplett lesen zu können, wer mache das schon? Anderen gefällt es, soviel Mut hätte man den künstlerischen Entscheidern im Landkreis Forchheim gar nicht zugetraut.

Zitat soll zum Nachdenken anregen

Der Künstler Harald Winter erklärt, es sei gar nicht sein Anspruch, dass das Zitat vollständig gelesen werde, vielmehr solle es zum Nachdenken anregen und dafür genügten auch Fragmente des Schriftzuges. Der sei übrigens nicht nur damals zu Zeiten Tiecks aktuell gewesen, sondern auch noch heute von bestehender Gültigkeit. Der Mensch müsse sich derzeit mehr denn je als Teil der Natur begreifen, wolle er selbige erhalten, er dürfe nicht nur Beobachter sein.

© BR/Tobias Burkert

Der Künstler Harald Winter möchte mit dem kreisel-Kunstwerk zum Nachdenken anregen.

Bauamt Bamberg gab grünes Licht

Das staatliche Bauamt Bamberg hatte die Kunst am Kreisel im Vorfeld abgesegnet. Im Falle eines Verkehrsunfalles würden die Aluminiumbuchstaben relativ schnell nachgeben, da sie ziemlich "verformungsweich" seien. Auf die Frage, ob der Schriftzug die Verkehrsteilnehmer nicht zu sehr ablenken könnte, antwortet das Bauamt dem BR:

"Wegen der gewählten Schriftart- und größe, sowie der niedrigen Fahrgeschwindigkeit im Kreisverkehr ist davon auszugehen, dass der kurze Schriftzug schnell erfasst und die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer nur unwesentlich in Anspruch genommen wird." Staatliches Bauamt Bamberg

Bundesweite Aufmerksamkeit

Die Reaktionen auf das Kunstwerk bleiben vielfältig. Künstler Harald Winter freut sich beispielsweise über Glückwünsche der italienischen Botschaft in Oslo, wundert sich allerdings über anonyme Beschimpfungen im Internet, sogar sein Auto habe man laut Kommentaren in den sozialen Medien anzünden wollen.

Werbung für die fränkische Schweiz

Der Kersbacher Kreisel sorgt eben für Aufmerksamkeit, das solle er auch, in einem gesunden Maße natürlich. Vor allem soll er Werbung machen für die schöne Fränkische Schweiz. Demnächst wird die sandige Verkehrsinsel begrünt werden, mit typischen Pflanzen der Region, erst dann erblühe das Kunstwert in vollem Glanz.

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