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Kultusministerium reagiert im Streit über pensionierte Lehrer | BR24

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Ministerium reagiert auf Kritik an der Zurückholung pensionierter Lehrkräfte

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Kultusministerium reagiert im Streit über pensionierte Lehrer

Das Bayerische Kultusministerium hat pensionierte Lehrkräfte gerade erst gebeten, wieder zu unterrichten. Nach massiver Kritik der Gewerkschaft GEW hat sich das Ministerium nun erklärt – und der Aktion ein "Corona-Update" verpasst.

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Es gärt schon lange unter Bayerns Pädagogen. Noch im Februar gingen Tausende Lehrerinnen und Lehrer auf die Straße. Sie wehrten sich gegen die Pläne von Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler), den Mangel an Lehrkräften durch Mehrarbeit zu kompensieren.

Briefe mit Bitte um Rückkehr in den Schuldienst

In der Zwischenzeit aber hat das Corona-Virus den Schulalltag in Bayern komplett durcheinandergewirbelt: Homeschooling statt Unterricht im Klassenzimmer, Kompromisse und Mut zur Lücke. Aber Corona-Krise hin oder her: Am Lehrkräftemangel in Bayern hat sich nichts geändert.

Um die befürchteten Lücken im kommenden Schuljahr (2020/21) schließen zu können, hat das bayerische Kultusministerium nun pensionierte Lehrkräfte gebeten, aus dem Ruhestand zurückzukehren in die Klassenzimmer. Entsprechende Briefe waren in den letzten Tagen verschickt worden.

Die Antwort der Lehrkräfte-Gewerkschaft ließ nicht lange auf sich warten: Pensionierte Lehrerinnen und Lehrer zurück in die Klassenzimmer zu holen, das sei schon in normalen Zeiten problematisch, findet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). In Zeiten von Corona aber werde das unmöglich. Die Begründung: Die Lehrkräfte gehörten wegen ihres Alters laut Robert-Koch-Institut zur Corona-Risikogruppe und müssten geschützt werden.

"Was hat sich das Kultusministerium dabei gedacht, in Zeiten wie diesen, einen solchen Brief zu versenden? Nun die pensionierten Lehrkräfte zu reaktivieren, wenn auch erst ab September, geht gar nicht!" Martina Borgendale, stellvertretende GEW-Landesvorsitzende

Gewerkschaft: Junge statt pensionierte Lehrkräfte holen

Selbst bei der nun von der Staatsregierung angekündigten schrittweisen Wiedereröffnung der Schulen gehe es nicht an, dass Lehrkräfte, die zu den Risikogruppen gehörten, wieder unterrichten sollen, schreibt die GEW in einer Mitteilung.

Für viele notwendige Schutzmaßnahmen müssten erst einmal die entsprechenden Voraussetzungen in den Schulen geschaffen werden – zum Beispiel beim Thema Schutz-Masken. Der GEW-Landesvorsitzende Anton Salzbrunn schlägt einen Runden Tisch beim Kultusministerium vor, um mit Gewerkschaft und Lehrkräfteverbänden die Maßnahmen für die Unterrichtsversorgung zu klären. Die GEW hat auch einen Gegenvorschlag zur Bekämpfung des Lehrermangels: Anstatt Lehrer aus dem Ruhestand zu holen, sollten alle jungen Lehrkräfte eingestellt werden, die ihre Lehramtsprüfung erfolgreich absolviert haben - und zwar unabhängig vom Notendurchschnitt.

Ministerium stellt klar: Corona-Situation muss berücksichtigt werden

Nun hat das Kultusministerium auf die Kritik reagiert: es handle sich um ein freiwilliges Angebot für das kommende Schuljahr 2020/21 in Kombination mit dienstrechtlichen Maßnahmen. Wegen des hohen Lehrerbedarfs war dies schon vor der Corona-Krise geplant gewesen. Wenn also Lehrkräfte aus dem Ruhestand zurückkommen, müsse dies abhängig vom Infektionsgeschehen zu Beginn des nächsten Schuljahres und unter Berücksichtigung des Infektionsschutzes erfolgen, so das Ministerium.

Auf den Vorschlag der GEW, stattdessen lieber alle jungen Absolventen der Lehramtsprüfung unabhängig vom Notenschnitt einzustellen, entgegnete das Ministerium: die Einstellungsaussichten für junge Lehrkräfte an Grund-, Mittel- und Förderschulen seien ausgezeichnet. Aktuell herrsche an diesen Schularten Volleinstellung. Zudem stehe das Kultusministerium fortlaufend mit allen Lehrerverbänden im Austausch.

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