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Debatten über das bayerische Mathe-Abitur dauern an | BR24

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Vorsichtig und bedächtig äußert sich Kultusminister Piazolo (FW) über das diesjährige Mathe-Abitur. Sehr sorgfältig habe man Experten untersuchen lassen, ob die schriftlichen Prüfungen lehrplankonform und machbar waren.

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Debatten über das bayerische Mathe-Abitur dauern an

Kultusminister Piazolo ändert den Notenschlüssel fürs Mathe-Abitur vorerst nicht - obwohl sich 75.000 Menschen per Online-Petition eine mildere Bewertung fordern. Die Schüler haben trotzdem noch etwas Hoffnung, die Grünen wollen am Thema dranbleiben.

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Vorsichtig und bedächtig äußert sich Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) über das diesjährige Mathe-Abitur. Sehr sorgfältig habe man Experten untersuchen lassen, ob die schriftlichen Prüfungen dem Lehrplan entsprochen haben. Das Ergebnis ist für den Minister klar:

"Das ist so: das Mathe-Abitur war lehrplankonform und entspricht auch den Anforderungen nach Einschätzung von Experten. Es ist durchaus ambitioniert, aber machbar und auch angemessen." Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler)

Piazolo: Noch kein Anlass einzugreifen

Anders sehen das aber viele Abiturienten und ihre Freunde, die eine Petition gestartet haben. Sie wollen erreichen, dass das diesjährige Mathe-Abitur milder bewertet wird. Das Abitur vor zwei Jahren sei machbar gewesen, argumentieren sie, das 2018er Mathe-Abi nahezu leicht, doch das Mathe-Abi 2019 habe plötzlich Aufgaben enthalten, die vorher kaum einer gesehen hatte.

Vor allem die Aufgaben in Geometrie und Stochastik seien schwerer gewesen als in den anderen Jahren. Um diesen Vorwurf zu prüfen, analysierte das Kultusministerium nun Stichproben aus der Erstkorrektur des Mathe-Abiturs.

"Aufgrund dieser Ergebnisse kann man sagen: Nach dem aktuellen Stand scheint das Mathe-Abitur etwas schlechter auszufallen als vielleicht in den letzten drei, vier, fünf Jahren. Dieser Anschein bietet für mich aktuell noch keinen Anlass, in die aktuell laufende Abiturprüfung und auch in die Bewertung einzugreifen." Kultusminister Michael Piazolo

Schwankungen gebe es immer, so der Minister. Und nicht zuletzt müsse man ja das Abitur als Ganzes im Blick haben. Vom Gesamtschnitt der Abiturnote mache das Mathe-Abitur nur 6.6 Prozent aus. Den rund 75.000 Menschen, die in der Internet-Petition fordern, das Mathe-Abi 2019 milder zu bewerten, macht der Kultusminister daher vorerst nicht allzu viel Hoffnung: Wichtig sei zunächst, die Prüfung als solche war nicht angreifbar und muss auf keinen Fall nachgeschrieben werden.

Erst um Pfingsten herum, wenn die Endnoten vorliegen, will Piazolo eine endgültige Entscheidung fällen. Die betroffenen Abiturienten ruft er dazu auf, Ruhe zu bewahren und sich jetzt auf die letzten anstehenden Prüfungen konzentrieren.

Schüler: Resthoffnung bleibt

Bedauern gibt es auf Seiten von Schülern. Der Oberstdorfer Abiturient Lucas Finger hatte sich per Petition für einen besseren Notenschlüssel des Mathe-Abis stark gemacht:

"Dass an dem Schlüssel jetzt nichts geändert wird, finde ich schade, weil ich glaube, dass wir durchaus ein Anrecht darauf hätten, wenn die Prüfung schwieriger ist oder schwieriger war oder schlechter ausgefallen ist. Irgendwas muss ja mit der Prüfung gewesen sein." Lucas Finger, Abiturient aus Oberstdorf

Landesschülerrat Joshua Grasmüller sagt: Piazolo nehme das Anliegen der Schüler ernst und habe eine Überprüfung eingeleitet. Ob sich das Anliegen der Petition durchsetze, bleibe immerhin weiterhin offen:

"Selbstverständlich ist es nicht die Entscheidung erstmal, die sich die Petenten erwünscht haben. Andererseits kann man aber noch ein Stück Resthoffnung erhalten, weil ja noch keine validen Daten vorliegen." Joshua Grasmüller, Landesschülerrat für die bayerischen Gymnasien

Gymnasiallehrer: Absolute Vergleichbarkeit ist eine Utopie

Die bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion der Grünen, Gabriele Triebel, kündigte an, das Thema im Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags nochmals zu diskutieren:

"Wir müssen jetzt natürlich die schriftlichen Ergebnisse abwarten. Am Ende wollen wir natürlich nicht, dass bayerische Schüler aufgrund eines schwereren Mathe-Abiturs irgendwelche Nachteile erleiden." Gabriele Triebel, bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion

Unterstützung erhält Piazolo von Seiten der Gymnasiallehrer. Michael Schwägerl, der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, lobte Piazolos Zurückhaltung. Es werde immer Ungerechtigkeiten geben, und völlig vergleichbar würden die Leistungen der Abiturienten auch in Zukunft nie sein – so wenig wie die Abituraufgaben für jeden Schüler passten:

"Das ist eine Utopie, wenn man hier absolute Vergleichbarkeit anstreben würde." Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes

Kultusminister Piazolo im Interview zum Mathe-Abitur

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Das Mathe-Abitur in Bayern scheint etwas schlechter ausgefallen zu sein als in den Vorjahren. Für Kultusminister Michael Piazolo kein akuter Anlass, um eingreifen zu müssen. Eine Petition hatte gefordert, die Kriterien für der Benotung anzupassen.