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Dem Veranstalter zufolge zeigt das Bild die Diskothek während der Videoproduktion, die die Polizei als Corona-Party bezeichnet und beendete.

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    Kultur-Event oder Corona-Party? Polizei beendet Livestream

    Die Polizei spricht von einer Corona-Party. 18 Personen aus 18 verschiedenen Haushalten hätten sich ohne Masken und Abstand in einer Disko in Marktredwitz getroffen, um zu feiern. Der Veranstalter erzählt eine ganz andere Geschichte.

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    Von
    • Thorsten Gütling

    Die Polizei spricht von Ruhestörung und einer Party, die wegen zahlreicher Verstöße gegen geltende Corona-Hygieneregeln aufgelöst worden sei. Der Veranstalter wundert sich über diese Darstellung. Das, was sich am Samstagabend in der Marktredwitzer Diskothek "Madhouse Eventarena" zugetragen hat, klingt aus seinem Mund ganz anders.

    Veranstaltungsreihe gibt es seit über einem Jahr

    Tobias Bachmann ist Chef von ATM Sound, einer Firma für Veranstaltungstechnik in Wunsiedel und einer der Veranstalter. Bei der angeblichen Corona-Party habe es sich um eine professionelle Videoübertragung und damit um eine gewerbliche Veranstaltung gehandelt, wie sie zuvor bereits mehrmals in Marktredwitz stattgefunden habe. Seit August vergangenen Jahres laden Bachmann und Co. unter dem Projektnamen "Fichtelstream" DJs und Bands aus der Region und darüber hinaus zu sogenannten Livestreams ein. Die Künstler spielen dabei in einer Halle ohne Publikum und werden dabei gefilmt. Über das Internet werden die Konzerte schließlich in die Wohnzimmer der Fans übertragen. Dass ein solches Projekt, das ausdrücklich den Infektionsschutz zum Anlass habe, nun als Verstoß gegen ebensolchen beanstandet werde, verwundere ihn, so Bachmann.

    "Fichtelstream" will Künstlern eine Plattform bieten

    Bei "Fichtelstream" handle sich um ein gemeinnütziges Projekt, das sich durch Spenden und Sponsorengelder finanziere. Gewerblich werde es dadurch, dass die Künstler die Videoaufzeichnung später für Werbezwecke verwenden könnten. Die Veranstalter bekämen gerade einmal ihre Unkosten gedeckt. Ziel sei es, den Künstlern in der Pandemie eine Bühne zu bieten.

    Professionelle Videoproduktion: Mischpult und Kamera als Arbeitsplatz

    Entsprechend sei die Veranstaltung auch gesichert gewesen. Niemand außer Künstler und Techniker hätte Zugang zu der Diskothek erhalten. Das sei in einem Vorgespräch mit der Polizei zu Beginn der Veranstaltungsreihe im vergangenen Sommer auch explizit zur Bedingung gemacht worden. Damals sei auch keine Rede davon gewesen, dass eine Erlaubnis aus dem Landratsamt benötigt werde. Die Marktredwitzer Diskothek habe man gewählt, weil dort, anders als an einem früheren Veranstaltungsort in Thiersheim im Landkreis Wunsiedel, Abstände zwischen den Künstlern besser eingehalten werden konnten.

    Auf Masken am "Arbeitsplatz", also an den Mischpulten, Kameras und Scheinwerfern, habe man daher verzichten können. Für die Veranstaltung habe es ein Hygienekonzept gegebenen, Desinfektionsspender seien bereitgestellt worden. Schnelltests hätten aber zumindest seitens des Veranstalters nicht stattgefunden, so Bachmann.

    Landratsamt: Genehmigung nicht unbedingt nötig

    Aus dem Landratsamt Wunsiedel heißt es auf Nachfrage, für die Veranstaltung habe keine Genehmigung vorgelegen. Diese hätte es aber auch nicht gebraucht, wenn es sich um ein "professionelles Treffen" gehandelt habe. "Ob dem so war, können wir nicht beurteilen", so eine Sprecherin zum BR.

    Polizei spricht von Betrunkenen, Veranstalter widerspricht

    Die Künstler stammten am Samstagabend mehrheitlich aus dem Raum Magdeburg. Während die Polizei davon spricht, dass die Kontrollierten "allesamt sichtlich alkoholisiert" gewesen seien, sagt Bachmann, dass die Personen, die an dem Abend noch ein Fahrzeug hätten lenken müssen, von der Polizei allesamt auf 0,0 Promille Alkohol im Blut getestet worden seien. Auch bei Technikern sei kein Alkohol festgestellt worden, man sei vor Ort schließlich für Equipment von hohem Wert verantwortlich, so Bachmann.

    Bachmann: "Branche liegt seit einem Jahr am Boden"

    Als die sechs Polizisten den Livestream nach fünfeinhalb Stunden wegen eines Hinweises aus der Nachbarschaft beendet hatten, hätten diesen rund 200 Personen gleichzeitig verfolgt. Während die Polizei auch Nachfrage des BR von einem Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz spricht und davon, dass im Landratsamt nun über Bußgeldbescheide entschieden werden müsse, sagt Bachmann: "Es ist sehr schade, dass einer Branche, die seit über einem Jahr am Boden liegt und keine Einnahmen generieren kann, nun auch noch die letzte Möglichkeit genommen wird, sich zu präsentieren."

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