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Kultur im Corona-Lockdown: Sibler gibt "logische Brüche" zu | BR24

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Die Kulturbranche leidet unter den Corona-bedingten Schließungen. Betroffene werfen der Politik vor, unverhältnismäßig entschieden zu haben. Kunstminister Bernd Sibler gesteht "logische Brüche" ein, die "weh tun".

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Kultur im Corona-Lockdown: Sibler gibt "logische Brüche" zu

Die Kulturbranche leidet unter den Corona-bedingten Schließungen. Betroffene werfen der Politik vor, unverhältnismäßig entschieden zu haben. Kunstminister Bernd Sibler gesteht "logische Brüche" ein, die "weh tun".

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"Wieso sind wir nicht systemrelevant?" Sängerin Nirit Sommerfeld warf bei "jetzt red i" die Frage auf, die die Kulturbranche im Moment besonders bewegt. Trotz umfassender Hygienekonzepte mussten mit dem Corona-Lockdown Light alle Kulturstätten wieder schließen. "Ich kann es nicht verstehen", sagte die Sängerin und warf der Politik Unverhältnismäßigkeit vor.

Der Bayerische Kunstminister Bernd Sibler (CSU) verwies bei seiner Erklärung zunächst auf die "dramatisch" steigenden Infektionszahlen. Dann gab er zu: "Wir sind in einer Abwägungsentscheidung, wo es durchaus logische Brüche geben kann." Er könne verstehen, dass viele damit hadern. "Das tut weh", wiederholte er mehrmals. "Mir wäre es persönlich auch am allerliebsten, wenn wir öffnen könnten." Allerdings gebe es einen "Spagat" zwischen gesundheitlichen Voraussetzungen und den Bedürfnissen von Kunst und Kultur.

Sibler: "Blöderweise formuliert als Freizeitbeschäftigung"

Letztendlich habe man sich in Bayern wie auch in nahezu ganz Europa dazu entschieden, Spielstätten komplett zu schließen, um eventuelle Kontakte - und sei es nur bei der Anreise - zu unterbinden. Gottesdienste und Demonstrationen seien verfassungsrechtlich höher geschützt, als ein Theaterbesuch. Ohne das Wort "systemrelevant" zu nennen, nannte er Bildungseinrichtungen als Beispiel für "Pflichtdinge, die erhalten bleiben müssen". Dem gegenüber stünden die Kulturveranstaltungen, laut Sibler "blöderweise formuliert als Freizeitbeschäftigung".

Die Kritik daran kam prompt von Sängerin Nitrit Sommerfeld. "Was für Sie Freizeit ist, ist für uns Arbeitszeit. Das ist unsere Existenz", sagte sie. Seit Februar konnte sie nur ein Konzert spielen und hält sich "irgendwie über Wasser" in dieser katastrophalen Situation“.

Sinnstiftende Bedeutung der Kultur

Julian Nida-Rümelin (SPD), ehemaliger Kulturstaatssekretär unter Kanzler Gerhard Schröder, betonte in der Sendung die Bedeutung der Kultur für die Gesellschaft. "Dass kulturelle Angebote verzichtbar sind, ist ein Irrtum", sagte er. "Je mehr wir an Normalität wahren können, umso stabiler bleibt die Gesellschaft." Sinnstiftende Aktivitäten seien in der Krise "vielleicht wichtiger, als in normalen Zeiten", erklärte Nida-Rümelin, der als Professor an der LMU Philosophie lehrt.

Er halte die Entscheidung auch nicht mit dem Infektionsrisiko begründbar. Denn in Opern oder Museen sei viel Platz und das Publikum nicht für Gedränge bekannt.

Kritik: Finanzielle Hilfen kommen zu spät

Viel Kritik musste Kunstminister Bernd Sibler auch bezüglich der finanziellen Hilfen einstecken. "Seit Monaten werden wir vertröstet", berichtete Veranstaltungstechniker Leo Herrmann aus Augsburg in der Sendung. Wie alle anderen Bürger wurde auch er per Video in die Live-Diskussion zugeschaltet. "Die Hilfen kommen viel zu spät. Bei vielen ist der Kühlschrank jetzt schon leer."

Trotzdem konnte ihn CSU-Politiker Sibler nur auf „die nächsten Wochen“ vertrösten. "Wir wissen, es eilt ganz gewaltig", sagte er. "Wir arbeiten massiv mit Hochdruck daran." Sowohl die von der Bundesregierung angekündigte "Novemberhilfe", die 75 Prozent des Verdienstausfalls ersetzen soll, als auch das zusätzliche bayerische "Kulturpaket" können derzeit noch nicht beantragt werden. Die Software dafür stehe spätestens in drei Wochen bereit, versprach Bernd Sibler.

Das "Kulturpaket" sieht eine zusätzliche Förderung von 1.180 Euro monatlich vor. Diese soll bis Sommer 2021 laufen und sowohl für selbstständige Künstler, als auch für Techniker zugänglich sein, erklärte Sibler. "Wir haben es sehr bewusst sehr breit angelegt."

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