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Kult unter Bikern: Dieselmotorräder aus Franken | BR24

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Gerade einmal zwölf PS, maximal Tempo 100. Mit modernen Motorrädern haben die Dieselmotorräder aus der fränkischen Motorradmanufaktur von Jochen Sommer nur wenig gemein. In der Szene genießen sie aber Kultstatus.

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Kult unter Bikern: Dieselmotorräder aus Franken

Gerade einmal zwölf PS, maximal Tempo 100. Mit modernen Motorrädern haben die Dieselmotorräder aus der fränkischen Motorradmanufaktur von Jochen Sommer nur wenig gemein. In der Szene genießen sie aber Kultstatus.

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Ein Dieselmotorrad von Jochen Sommer zu fahren, fühlt sich an wie eine kleine Zeitreise: Das Design verströmt den Flair der 1950er-Jahre und man hat das Gefühl, dass die Beach Boys gleich hinter dem nächsten Busch hervorspringen, um ihren Motorrad-Tribut-Song "Little Honda" anzustimmen.

Mehr Knattern als Schnurren

Doch den meisten Passanten drängt sich zunächst ein anderes Gefühl auf, erzählt Maurice de la Ferte aus Nürnberg, der selbst erst seit ein paar Jahren ein Dieselmotorrad fährt. "Viele Leute sagen, wenn du an ihnen vorbeifährst, dann hört es sich an, als ob du ein Pleuellagerschaden hättest. Das irritiert die Leute so ein bisschen", erzählt er. Und tatsächlich: Schon beim Anlassen nagelt der kleine Einzylinder-Dieselmotor der niederbayerischen Firma Hatz knatternd vor sich hin. Untypisch für Motorräder, aber für de la Ferte ungemein sympathisch.

Schnellfahren ist ungemütlich

Was auch ungewöhnlich ist: die vergleichsweise schwachbrüstige Motorisierung. Gerade einmal zwölf PS bringt der Motor auf die Straße. Spitzengeschwindigkeiten von etwa 100 Kilometer pro Stunde sind möglich, aber nicht schön zu fahren. Bei Tempo 90 fühlt sich der Fahrer am Steuer wohl. Das Dieselmotorrad ist nichts für Schnellfahrer, sondern etwas für Genießer und Tourenfans.

© BR-Studio Franken/Henry Lai

Die Motorradmanufaktur Sommer in Geyern (Lkr. Weißenburg-Gunzenhausen)

Motorräder werden von Hand zusammengebaut

Hergestellt werden die Motorräder von Jochen Sommer im 130-Seelen-Dorf Geyern im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Pro Jahr verlassen etwa 30 Motorräder seine Werkstatt, eigenhändig zusammengebaut. Angefangen hatte der gelernte Maschinenschlosser als Händler für die indische Marke Royal Enfield, die in den 90er-Jahren das erste Dieselmotorrad auf den Markt brachte. Richtig durchstarten konnte das Modell allerdings nicht und verschwand bald wieder von der Bildfläche. Unterdessen hatte Sommer das Dieselmotorrad-Fieber gepackt und so machte sich er daran, ein eigenes Modell zu konstruieren.

"Ich bin dann über Enfield mit der ersten Dieselvariante bekannt geworden. Und habe gedacht: Ja, die Idee ist gut, die Ausführung war nicht so gut. Und hab dann mit dem Hatz-Motor aus Niederbayern eine andere Variante aufgebaut. Und das hat sich dann verselbstständigt, bis wir dann beim komplett eigenen Motorrad gelandet sind." Jochen Sommer
© BR-Studio Franken/Henry Lai

Jochen Sommer in seiner Motorrad-Werkstatt

ABS-Regelung macht Probleme

Wer ein wenig Zeit in der Werkstatt von Jochen Sommer verbringt, der hört immer wieder das Wort "Simplizität". Damit ist gemeint, dass seine Maschinen ohne viel Elektronik und High Tech auskommen und möglichst einfach zu warten und zu reparieren sind – so wie früher eben.

Doch der Fortschritt macht vor den Dieselmotorrädern nicht halt und sorgt für Probleme: Seit einigen Jahren müssen in Europa neu zugelassene Fahrzeuge über ein Antiblockiersystem für die Bremsen verfügen. Für große Hersteller kein Problem, doch für kleine Manufakturen ist die ABS-Pflicht ein nicht zu stemmender Kraftakt. Eine Lösung für dieses Dilemma hat er noch nicht im Kopf. "Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Aber leichter wird es nicht", sagt er.

Forschungsprojekt mit sauberem Diesel

Trotzdem ist gerade eines seiner Motorräder Teil eines hoch entwickelten Forschungsprojekts: Die Augsburger Kraftstoffanalyse-Firma AGS hat in Zusammenarbeit mit der Technischen Universtät München das Dieselmotorrad so umgebaut, dass es auch mit synthetischem Diesel fährt. Das kostet zwar ungefähr eine der zwölf Pferdestärken, dafür fährt das Zweirad laut AGS fast schadstofffrei. Doch der Klang, der ist immer noch derselbe.

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