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Bildrechte: BBC/BR/Tom Hayward

Künstliche Befruchtung

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Künstliche Befruchtung: Jetzt hilft der Freistaat finanziell

Für Paare ist der unerfüllte Kinderwunsch eine psychische, aber auch finanzielle Belastung. Das bayerische Familienministerium bezuschusst seit November 2020 die künstliche Befruchtung von Paaren, die zusammenwohnen. Die Nachfrage ist groß.

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Von
  • Katrin Bohlmann

Ein Leben mit Kind. Das ist die Vorstellung vieler Frauen, vieler Paare. Doch oft bleibt dieser sehnlichste Wunsch unerfüllt. Es klappt einfach nicht auf natürlichem Weg. Die Gründe sind unterschiedlich.

Künstliche Befruchtung ist oft letzter Weg

Die letzte Option, neben einer Adoption, ist eine künstliche Befruchtung. Aber auch die funktioniert nicht immer beim ersten Anlauf. Es ist eine Tortur: körperlich, psychisch und finanziell. Denn eine künstliche Befruchtung ist teuer. Je nach Behandlung und Versuch liegen die Kosten zwischen 2.000 und 4.000 Euro.

Auch Maria und Jan, so nennen wir sie, wünschen sich ein Kind, eine eigene kleine Familie. Das junge Paar aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck möchte anonym bleiben. Sie wollen nicht, dass ihre Arbeitgeber von ihren privaten Plänen erfahren. Eineinhalb Jahre haben die beiden auf natürlichem Weg vergeblich versucht, schwanger zu werden. Sie sind von Arzt zu Arzt gepilgert. Keiner konnte ihnen zunächst helfen.

"Es war niederschmetternd und ernüchternd. Ich war auch sauer auf mich, warum mir das gerade passiert." Maria, 29 Jahre

Ihr Mann hat auch gelitten: "Das war eine absolute Katastrophe, es war Horror, jeden Monat dann zu sehen, hat es funktioniert oder nicht. Und meine Partnerin zu trösten. Ein Riesendrama, jeden Monat aufs Neue."

Krankenkasse zahlt Hälfte, Freistaat und Paar ein Viertel

Schließlich entschieden sich Maria und Jan für eine künstliche Befruchtung. Für sie war die Behandlung eine psychische und körperliche Belastung. Das junge Ehepaar spürte aber auch den finanziellen Druck. Wie viele Versuche können sie sich leisten? Die beiden waren froh, als sie im Radio von der Kinderwunschförderung des Freistaates hörten.

"Klar, wir hätten es auch ohne diesen Zuschuss gemacht. Aber damit waren natürlich der Druck und diese finanzielle und psychische Belastung weniger für uns", sagt Maria. Für die Hälfte der Kosten kommt die gesetzliche Krankenkasse auf. Die andere Hälfte, also 1.000 bis 2.000 Euro, mussten Paare mit unerfülltem Kinderwunsch bisher selbst stemmen. Von diesem Eigenanteil übernimmt der Freistaat seit November vergangenen Jahres noch einmal 50 Prozent. Die Paare müssen seitdem also "nur" noch ein Viertel der Gesamtkosten selbst tragen.

Weniger Druck für Paare

Maria und Jan konnten ihr Glück nicht fassen: beim zweiten Versuch hat es geklappt. Maria ist schwanger geworden. Mit Zwillingen. Ihr behandelnder Arzt ist der Reproduktionsmediziner Jörg Puchta vom Münchner Kinderwunschzentrum an der Oper. Er stellt fest: Seitdem der Freistaat finanziell hilft, kommt rund ein Drittel mehr Paare zu ihm. "Wir warten seit langer Zeit darauf und wir sind wirklich glücklich, dass es endlich gekommen ist", so das Fazit des 60-Jährigen.

Es habe sehr viele Paare gegeben, die aufgrund der Kostensituation lange darüber nachgedacht haben, ob sie eine künstliche Befruchtung finanziell überhaupt machen könnten, berichtet Puchta. "Denen ist jetzt so richtig der Druck genommen worden. Und wir merken es auch an den Zahlen. Also, das ist ein Segen."

Nachfrage gestiegen seit Förderung

Andere Kinderwunschzentren und der Berufsverband Reproduktionsmediziner in Bayern bestätigen auf BR-Anfrage eine Patientinnen-Zunahme von zehn bis 20 Prozent seit dem Start der Kinderwunschförderung. Das zuständige Familienministerium teilt mit, dass seit November vergangenen Jahres 3.000 Anträge gestellt worden sind.

"Ein unerfüllter Kinderwunsch ist tatsächlich belastend für viele Paare. Das Programm wird unheimlich gut angenommen. Ich freue mich sehr, dass wir hier einen Beitrag leisten können, Paaren es zu ermöglichen, doch noch ihren Kinderwunsch zu realisieren", sagt Bayerns Familienministerin Carolina Trautner (CSU). Der Freistaat ist das zehnte Bundesland, das die künstliche Befruchtung finanziell unterstützt.

Infos und Förderantrag online

Die Gelder für die Kinderwunschförderung waren bis vor kurzem für einige Zeit eingefroren, da das Programm neu in den Haushalt 2021 eingestellt werden musste. Ende März hat der bayerische Landtag nun den aktuellen Haushalt verabschiedet. Damit ist das Geld laut Familienministerium wieder verfügbar. Die Förderung der Kinderwunschbehandlung kann online beantragt werden auf der Seite des Zentrums Bayern Familie und Soziales.

Berechtigt sind heterosexuelle Paare, die zusammenleben. Sie müssen nicht verheiratet sein. Homosexuelle Paare haben damit bislang keinen Anspruch auf die Förderung. Das Programm sei noch relativ neu. Man müsse es nach einiger Zeit neu bewerten, so Familienministerin Trautner. "Wir haben uns mit dem Bund verständigt, dass wir das Förderprogramm so begleiten. Wir haben das so zu akzeptieren."

Bei Maria und Jan hat die Beantragung unkompliziert geklappt. "Einfach online ausfüllen und das Geld fließt", so die Erfahrung der 29-Jährigen. Sie sind dankbar für die finanzielle Unterstützung. Aber es ärgert sie, dass künstliche Befruchtung immer noch ein Tabuthema ist. "Wir sind halt total glücklich, dass wir diesen Weg gegangen sind, aber uns geht es auch darum, anderen Frauen oder Paaren Mut zu machen." Maria rät allen mit unerfülltem Kinderwunsch. "Geht diesen Weg. Traut Euch!"

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