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Eine Thuja verdeckt die Inschrift auf dem Grabstein für Alfred Jodl auf der Fraueninsel.
© Wolfram P. Kastner
© Wolfram P. Kastner

Eine Thuja verdeckt die Inschrift auf dem Grabstein für Alfred Jodl auf der Fraueninsel.

Das Verwaltungsgericht München (12. Kammer) untersagt der Chiemsee-Gemeinde, das Grabnutzungsrecht der Jodl-Erben zu beenden. Das berichtet die Passauer Neue Presse. Der Münchner Künstler Wolfram Kastner vom Institut für Kunst und Forschung zeigt sich im BR-Interview bestürzt über die Gerichtsentscheidung. Kastner wirft dem Verwaltungsgericht Geschichtsvergessenheit und Verharmlosung vor.

Jodl-Grab sei "Ehrendes Gedenken für einen Massenmörder"

Ihnen liege offenbar viel daran, ein Ehrenkreuz für einen verurteilten Hauptkriegsverbrecher zu erhalten. Es scheine so, "dass es mit Biegen und Brechen darum geht, für den Massenmörder ein ehrendes Gedenken zu erhalten".

Die Begründung für die Entscheidung sei abstrus, so Kastner. Es handle sich eben nicht um ein Grabmal wie jedes andere, schließlich sei Jodl dort nicht begraben, sondern eben um ein ehrendes Gedenken. Kastner nennt das empörend:

"Der Nazi-General ist dort gar nicht begraben. Die Asche seines verbrannten Leichnams wurde 1946 heimlich in einen Zufluss der Isar geschüttet, damit keine Gedenkstätte für Nazis entsteht. ... Bei der “Augenscheinseinnahme” des Gerichts auf der Fraueninsel hätte der Richter erkennen müssen, dass es sich nicht um einen “gewöhnlichen Grabstein” handelt, sondern um ein Ehrenkreuz, das sowohl gegen die Friedhofsordnung als auch gegen das Grundgesetz der Bundesrepublik verstößt, das auf der Nachbarinsel Herrenchiemsee beraten wurde und das er kennen sollte." Wolfram P. Kastner, Aktionskünstler

Der Vewaltungsrichter ignoriere, dass sich nach Augenzeugen mehrfach Nazis auf dem Friedhof versammelten und die Verehrung dieses Kriegsverbrechers bekundet hätten, so Kastner. Er setzte sich zumindest dem Verdacht aus, dass er "mit der rechtsextremistischen Gesinnung der Jodl-Anhänger sympathisiere, heißt es in einer Presserklärung Kastners.

Es sei zu hoffen, dass die Gemeinde Chiemsee gegen das "skandalöse Urteil Widerspruch einlegt und das Urteil in der nächsten Instanz aufgehoben werde," schreibt Kastner, "damit der braune Mist endlich verschwindet."

Protest gegen Gedenkstätte

Das Grab war Schauplatz einer Kunstaktion des Münchner Aktionskünstlers Wolfram Kastner, der unter anderem mit einem Hinweisschild mit der Aufschrift "Keine Ehre für Kriegsverbrecher" gegen die angebliche Nazi-Gedenkstätte protestiert hatte. Kastner war im letzten Dezember verurteilt worden, die Reinigungskosten des Grabkreuzes von rund 4.000 Euro zu bezahlen.

Die Gemeinde wollte mit der Nichtverlängerung des Nutzungsrechtes weiteren Aktionen offenbar einen Riegel vorschieben.