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Bildrechte: Arno Ludwig

Wenn ein Haustier stirbt, fällt der Abschied gerade Kindern schwer. Der Künstler Arno Ludwig aus Gemünden im Landkreis Main-Spessart hat deshalb besondere Särge in Tierform entwickelt. Die sind auch noch nachhaltig.

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Künstler aus Gemünden entwickelt kreative Tiersärge

Wenn ein Haustier stirbt, fällt der Abschied gerade Kindern oft schwer. Der Künstler Arno Ludwig aus Gemünden im Landkreis Main-Spessart hat deshalb besondere Särge in Tierform entwickelt. Die sind auch noch nachhaltig.

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Von
  • Frank Breitenstein

Wenn ein Haustier stirbt, fällt der Abschied gerade Kindern oft schwer. Der Künstler Arno Ludwig aus Gemünden im Landkreis Main-Spessart tüftelt seit Jahren an einer Idee für einen würdigen Abschied vom geliebten Vierbeiner.

Tiere haben es Arno Ludwig seit jeher angetan. Unzählige hat der 59-jährige Grafiker schon gezeichnet. Und eigene Haustiere hatte die Familie natürlich auch immer. Ob Hunde, Katzen oder Meerschweinchen – annähernd 20 verschiedenen Hausgenossen waren es in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten. Wenn eines davon starb, litt vor allem die Tochter sehr darunter.

Abschiedsritual für Haustiere

Arno Ludwig und seine Frau dachten sich zusammen mit ihrer Tochter ein Abschiedsritual aus. So betteten sie zum Beispiel Kater Clerence behutsam in einen Schuhkarton und legten auch ein paar Blumen mit hinein. Bevor sie den Deckel schlossen, bekam Clerence noch eine Streicheleinheit. Und dann bemalten sie gemeinsam die Schachtel, bevor sie den Kater im Garten begruben. Dieser kreative Prozess half seiner Tochter eindeutig bei der Trauerbewältigung, sagt Arno Ludwig. Deshalb kam er zu dem Schluss, dass man eigentlich jedes Kind auf diese Weise in seiner Trauer begleiten sollte.

Buch als Inspiration

Das war bereits im Jahr 2008. Eine Idee war geboren. Mit dem Büchlein "Aus die Maus" entwirft Ludwig daraufhin eine kleine Trauerhilfe für Kinder. Erzählt die Geschichte von Pipi der Maus und wie sie auf die selbst erlebte Weise beerdigt wird. Aus dem einfachen Karton wird darin ein Pappsarg in Form eines schlafenden Tieres. Den gibt’s jetzt wirklich - mehr als zehn Jahre nach der Idee. Man kann ihn nach Belieben gestalten.

Vom Trauerhelfer zum Geschäftsmodell

Zwei Modelle hat Ludwig entwickelt: Den schlafenden Hamster für rund 30 Euro. Und die größere Pappkatze für 35 Euro. Seit Mitte Januar werden sie in den Haßbergen verpackt und verschickt. Denn hier hat Arno Ludwig einen Geschäftspartner gefunden, der sich für nachhaltige Produkte begeistert. Christian Wittmann hat den Gemündener Künstler vor Jahren zufällig getroffen. Der ehemalige Bundeswehroffizier hat sich in den Haßbergen zur Ruhe gesetzt. In Friesenhausen gründete Wittmann zusammen mit Arno Ludwig die Firma omnino. In einem alten Bauernhof stapeln sich nun die ersten 5.000 Tiersärge, hergestellt in Deutschland und zu 100 Prozent aus Altpapier.

Tiersärge kommen per Post

Wittmann steht er voll hinter der Idee seines Kompagnons und sorgte zunächst für das nötige Grundkapital. Denn allein eine Stanzform für die schlafenden Tiere kostet um die 10.000 Euro. Und obwohl die Firma erst seit Mitte Januar online ging, kommen bereits Bestellungen aus ganz Deutschland und sogar darüber hinaus. Die Kundschaft besteht nicht nur aus Privatleuten. Auch Tierärzte und Tierbestatter sind interessiert. Zoohandlungen wollen die Tiersärge ins Sortiment aufnehmen.

Positive Resonanz

Das stimmt auch Arno Ludwig etwas optimistisch. Seine Auftragslage war coronabedingt im vergangenen Jahr nicht gerade rosig. Und so hofft er, dass sich mit dieser echten Herzensangelegenheit am Ende auch noch Geld verdienen lässt. Bis jetzt jedenfalls habe er nur positive Rückmeldungen erhalten. Es ist, als hätten viele auf seine Tiersärge gewartet, um aus einer schmucklosen Tierbestattung eine würdige Zeremonie zu machen. Und das, obwohl die gepresste Pappe in Form eines stilisierten Tieres äußerlich schlicht grau aussieht. Doch gerade das lädt dazu ein, den Karton individuell zu verzieren. Weniger ist eben oft mehr.

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