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Kritik nach Rundem Tisch zur Conti-Werksschließung | BR24

© dpa/Armin Weigel

Continental will das Werk in Roding schließen - das wollen Politik, Beschäftigte und Gewerkschaft verhindern.

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    Kritik nach Rundem Tisch zur Conti-Werksschließung

    Nach dem Runden Tisch zur geplanten Conti-Werksschließung kritisieren die Betroffenen, dass keine greifbare Lösung für das Werk herausgekommen ist. Immerhin wollen die Beteiligten im Gespräch bleiben. Es soll ein weiteres Treffen geben.

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    Mit dem Ergebnis des heutigen Runden Tisches zur geplanten Conti-Werksschließung ist der Chamer Landrat Franz Löffler (CSU) nicht zufrieden. "Zufrieden wäre ich nur dann", sagte Löffler dem BR nach dem Treffen im bayerischen Wirtschaftsministerium, wenn "klipp und klar" von Conti gesagt würde, dass man den Standort fortführe.

    "Tür immerhin nicht komplett zugeschlagen"

    Positiv sieht der Landrat aber, dass der Konzern "die Tür nicht komplett zuschlägt", wenn es um Ideen und neue Technologien für das Rodinger Conti-Werk geht. Man habe jetzt drei bis vier Jahre Zeit, Lösungen zu finden, sagte Löffler vor dem Hintergrund, dass die Schließung erst für 2024 geplant ist. Im März 2020 soll es einen erneuten großen Runden Tisch zu Conti Roding geben.

    Chancen für Roding werden nochmal geprüft

    Die Rodinger Conti-Betriebsratsvorsitzende Claudia Hecht gab sich nach dem heutigen Termin verhalten optimistisch. Es wäre natürlich ein "Traum" gewesen, sagte sie dem BR, wenn die Betriebsschließung komplett vom Tisch wäre. Aber diese Erwartung sei "natürlich unrealistisch" gewesen. Wichtig sei, dass man mit dem Management in Kontakt bleibe. Es müsse geprüft werden, ob in Roding die Produktion von Benzin- und Dieselpumpen auf die Produktion für Teile von E-Autos umgestellt werden könne. Man habe jetzt Zeit bis 2024 und "bis dahin kann ja auch mit der Technik noch viel passieren". Laut Claudia Hecht sind vorerst keine weiteren Demos oder Protestaktionen in Roding geplant.

    IG Metall sieht Benachteiligung der Fertigungs-Mitarbeiter

    "Das Management bewegt sich - langsam, aber immerhin." So kommentiert Olga Redda, Bevollmächtigte der IG Metall Regensburg das Ergebnis des heutigen Runden Tisches zum Continental-Werk Roding. Redda kritisiert aber, dass der Konzern nur für die Entwickler nach Möglichkeiten der Weiterbeschäftigung in Roding nach 2024 suche. Die Beschäftigten aus der Fertigung sollen dagegen "umqualifiziert und auf andere Standorte verteilt werden." Das sei nur "die zweitbeste Lösung, zumal die Fabrik in Roding, die Betriebsmittel und die Infrastruktur hochmodern" seien.

    Aufgeben wäre ein "fataler Fehler"

    Die Werksschließung wäre ein "fataler Fehler", so Olga Redda. Sie fordert, die IG Metall, die heute nicht geladen war, zum nächsten Runden Tisch einzuladen und auf deren Know-how zu hören. Man habe mehr als einmal bewiesen, dass man bei Technologie- und Produktentscheidungen passende Konzepte entwickeln könne.

    "Tabubruch", dass IG Metall nicht eingeladen war

    Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Deutschen Bundestag, Susanne Ferschl, nannte es einen "Tabubruch", dass die Gewerkschaft IG Metall heute nicht mit am Tisch gesessen sei. Das erklärte Ferschl in einer Pressemitteilung. Auf diese Weise würden die Beschäftigten an den unterschiedlichen Conti-Standorten gegeneinander ausgespielt und das bayerische Wirtschaftsministerium mache sich "zum Steigbügelhalter für eine Konzernpolitik, die den Betriebsrat vor Ort erpressen will und das Lohnniveau auf Jahre drückt".

    Runder Tisch im Wirtschaftsministerium

    Der Runde Tisch zur geplanten Conti-Werksschließung fand auf Initiative des bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger heute Vormittag in München statt. Aiwanger sprach mit Unternehmensvertretern des Autozulieferers Continental, mit Rodinger Betriebsräten, mit dem Chamer Landrat Löffler (CSU) und dem zweiten Bürgermeister von Roding, um die vom Konzern geplante Werks-Schließung mit 540 Arbeitsplätzen doch noch zu verhindern. Auch der Finanz- und Heimatminister Albert Füracker sowie die Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Kerstin Schreyer, nahmen an dem nicht-öffentlichen Gespräch teil.

    Aiwanger hält Pläne für "unanständig"

    Aiwanger hatte die Schließungspläne Anfang Oktober als "unanständig" bezeichnet, da das Unternehmen Unterstützung des Freistaats Bayern für den Standort erhalten habe. Die Linkenpolitikerin Susanne Ferschl hat inzwischen auf Anfrage von der Bundesregierung erfahren, wie viel öffentliche Fördermittel an den Conti-Standort Roding geflossen sind. Seit 2007 waren das, so Ferschl, knapp 1,2 Millionen Euro. Der Gesamt-Konzern Continental habe seit 2007 rund 72 Millionen Euro Förderung vom Bund erhalten.

    Ferschl fordert in einer Pressemitteilung weiterhin eine aktive Wirtschaftspolitik vom Bund, um Unternehmen zu unterstützen. Aber die Arbeitgeber müssten an den Transformationskosten hin zur Elektromobilität beteiligt werden. Die Kosten dafür dürften nicht allein Beschäftigte und die Sozialkassen tragen. Die Unternehmen hätten sich einer Transformation verweigert. "Kurzfristiger Profit war wichtiger als Investitionen in zukunftsorientierte Produkte", so Ferschl.

    Umstellung des Standorts lehnt Conti bisher ab

    Der Autozulieferer Continental will den Standort Roding im Zuge grösserer Umstrukturierungen im Konzern schließen. In Roding werden Benzin- und Dieselpumpen für Autos gefertigt, deren Absatz zugunsten der Elektromobilität zurückgehen wird. Eine Umstellung des Standorts auf die Produktion von Teilen für E-Autos lehnt Conti bisher ab.