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Kritik aus dem Bayerischen Wald an neuem Grundsteuermodell | BR24

© BR/Renate Rossberger

Der Freistaat will künftig in Bayern ganz simpel nur die Quadratmeter, also die Grundstücksfläche, besteuern. Doch das könnte vor allem den ländlichen Raum treffen, zum Beispiel den Bayerischen Wald.

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Kritik aus dem Bayerischen Wald an neuem Grundsteuermodell

Der Freistaat will künftig in Bayern ganz simpel nur die Quadratmeter, also die Grundstücksfläche, besteuern. Doch das könnte vor allem den ländlichen Raum treffen, zum Beispiel den Bayerischen Wald.

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In Berlin hat man sich auf ein neues Grundsteuermodell geeinigt und es klingt genial einfach: Jede Immobilie und jede Fläche soll für die Steuer einzeln bewertet werden. Doch das könnte vor allem den ländlichen Raum treffen, zum Beispiel den Bayerischen Wald.

Häuslebauer befürchten Mehrkosten

Der 66-jährige Nikolaus Held aus Viechtach, Elektromeister im Ruhestand, war sein ganzes Leben lang Mieter. Jetzt hat er sich einen kleinen Altersruhesitz mit Garten gekauft. Aber diese 725 qm kosten womöglich bald mehr Grundsteuer als gedacht.

"Aus meiner Sicht ist das nicht in Ordnung, weil ja die Häuser im Bayerischen Wald bei Weitem nicht den Wert darstellen wie in den Zentren Regensburg, München, Nürnberg" Nikolaus Held, Hausbesitzer in Viechtach

Auf jede der 600 bis 1.200 qm großen Parzellen im neuen Viechtacher Baugebiet Schlatzendorf kommt ein Einfamilienhaus mit Garten, die größeren Grundstücke waren als erste weg - alles ganz typisch für das Leben auf dem Land. Aber dafür werden die Landbewohner jetzt bestraft, wenn Bayern allein die Grundstücksgröße als Maßstab für die Grundsteuer nimmt, sagt der Viechtacher Bürgermeister Franz Wittmann (CSU):

"Für das Land ist meiner Meinung der Schuss extrem nach hinten losgegangen, weil es normal ist, dass man am Land größere Grundstücke hat. Dieses Modell was jetzt anscheinend angedacht ist, die Großstädte zu schützen und das Land wieder ausbluten lassen, ist genau das Verkehrte." Franz Wittmann, Bürgermeister von Viechtach

Angst vor schrumpfender Attraktivität

Selbst in Viechtach könnte es ungerecht werden: Ein mehrstöckiger Neubau mit teuren Eigentumswohnungen zum Beispiel, der gerade am Stadtplatz auf einem 400 qm-Grundstück hochgezogen wird, sagt der CSU-Bürgermeister, käme dann steuerlich günstiger weg als das größere Gartengrundstück des Häuslebauers draußen. Noch fataler: Was wird mit den 20.000 und mehr qm großen Industriegrundstücken?

"Wir im ländlichen Raum haben sowieso mit den Ballungszentren zu kämpfen - mit der Attraktivität. Einigermaßen vernünftige Grundstückspreis ist das, was wir bieten können. Wenn man jetzt da nach Quadratmetern besteuert, dann bekommen wir gar nichts mehr." Franz Wittmann, Bürgermeister von Viechtach

Gefährlich für die dringend nötigen Arbeitsplätze auf dem Land und was wird mit dem Thema landwirtschaftliche Grundstücke? Außerdem: Kann man den Wert einer Immobilie oder eine Fläche völlig außen vor lassen? Der Bodenmaiser Bürgermeister Joli Haller (CSU) glaubt das nicht. Einfach nur bayernweit die Quadratmeter besteuern, das werde nicht reichen, meint auch Rita Röhrl (SPD), die Landrätin des Landkreises Regen. Der Freistaat müsse Details nachliefern.

"Ich glaube nicht, dass der Freistaat Bayern einen Krieg mit dem Land beginnt, sondern man wird jetzt mal zumindest versuchen ein Gerüst aufzustellen." Rita Röhrl, Landrätin im Kreis Regen