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Kritik: Ankerzentren nicht vor Ausbreitung von Corona geschützt | BR24

© BR/Harald Mitterer

Das Ankerzentrum in Deggendorf.

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    Kritik: Ankerzentren nicht vor Ausbreitung von Corona geschützt

    Ein kirchlicher Flüchtlingshilfeverein kritisiert, dass Ankerzentren und Flüchtlingsheime nicht ausreichend vor einer Ausbreitung des Corona-Virus geschützt sind. Das betreffe auch das Ankerzentrum Deggendorf mit der Dependance in Stephansposching.

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    Der kirchliche Flüchtlingshilfeverein "matteo" kritisiert, dass Ankerzentren und Flüchtlingsheime nicht ausreichend vor einer Ausbreitung des Corona-Virus geschützt sind. Das sagte Stephan Theo Reichel von matteo dem Bayerischen Rundfunk. Demnach würden sich die Asylbewerber unter anderem im Ankerzentrum Deggendorf mit der Dependance in Stephansposching weiterhin die Gemeinschaftsduschen in den Ankerzentren sowie die Gemeinschaftstoiletten teilen. Außerdem könne der Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern in Zeiten von Corona nicht eingehalten werden.

    Flüchtlinge nicht ausreichend informiert

    Die meisten Asylbewerber wüssten zudem nicht, was die Ausgangsbeschränkungen bedeuten, weil sie nicht ausreichend informiert werden würden. "Alle rechnen damit, dass es viele Infektionen geben wird. Die Leiter versuchen das Beste, sind aber überfordert, genauso wie das Personal und die Security – die sind ja keine Sozialarbeiter", so Reichel. Mundschutzmasken oder ähnliches trägt die Security beispielsweise laut Reichel nicht. "Sie können dadurch gefährdet werden." Reichel unterstützt die bayerischen Maßnahmen in Corona-Zeiten. Jedoch appelliert er an die Politik: "Sie sollen auf keinen Fall den Schutz der Geflüchteten aus den Augen verlieren. Das ist für die Geflüchteten und die Bevölkerung wichtig. Sie sollen die räumliche Situation in den Ankerzentren überdenken – auslagern, separate Duschen, Toiletten, gut informieren." Reichel wünscht sich, dass nach der Krise das Konzept von Ankerzentren überdacht wird.

    "Das verfehlte System der Konzentration von vielen Menschen auf einmal: So eine Situation wie jetzt zeigt, wie unzureichend so etwas ist." Stephan Theo Reichel von der kirchlichen Flüchtlingshilfe matteo

    Er plädiert für eine dezentrale Unterbringung. Auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks hat sich die Regierung von Niederbayern hierzu geäußert: Wie es von einer Sprecherin heißt, gebe es bislang keinen Fall von Corona-Patienten. Die Allgemeinverfügung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege wurde in mehrere Sprachen übersetzt. "Wie in ganz Bayern gelten die Hinweise zum Schutz vor Atemwegsinfektionen. Auch darauf werden die Bewohner immer wieder hingewiesen."

    Quarantänestation im Ankerzentrum

    Es gebe eine Quarantänestation im Anker Niederbayern und zusätzlich eine gesonderte Quarantänewohnung – wo diese sind oder wie sie aussehen, hat die Sprecherin der Regierung Niederbayerns nicht beantwortet. Der Mindestabstand von eineinhalb Metern zwischen Personen gilt in ganz Bayern und werde in der Anker-Einrichtung so eingehalten wie überall sonst auch, so die Sprecherin, die von einer "großen Akzeptanz und Disziplin" bei den Asylbewerbern spricht.

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