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Bildrechte: Barbara Leinfelder/BR

Ein Stück einer römischen Fibel hat über 2.000 Jahre im Kies der Wertach überdauert.

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    Kritik an Stadt Augsburg: Quo vadis, Römererbe?

    Augsburg ist der älteste römische Militärstützpunkt in Bayern. Archäologen haben entsprechende Funde gerade erst vorgestellt. Doch zu sehen bekommt die Öffentlichkeit sie nicht. Die Stadt soll endlich ein Römisches Museum schaffen, fordern Kritiker.

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    Von
    • Barbara Leinfelder
    • Matthias Lauer

    Monatelang haben Archäologen im Augsburger Stadtteil Oberhausen auf einem alten Industrieareal nach Überresten aus der Römerzeit gegraben. Ihre spektakulären Funde haben sie kürzlich der Öffentlichkeit präsentiert. Nun wird gefordert, dass die wertvollen Stücke in einem eigenen Römischen Museum ausgestellt werden.

    Vorwurf: Stadt lässt Exponate im Keller verstauben

    Laut Wissenschaftlern wie dem Professor für Alte Geschichte Gregor Weber und der Archäologie-Dozentin Natascha Sojc von der Augsburger Uni, sitzt die Stadt auf einem Berg bedeutender römischer Fundstücke, die seit Jahren im Depot verstauben. Vertreter anderer Städte würden kommen und Abgüsse, etwa von den großen Monumentaltafeln, machen und damit ihre Museen bestücken. In Augsburg aber blieben die Exponate im Keller, so die Kritik der Historiker.

    Bisheriges Museum ist seit fast zehn Jahren geschlossen

    Das frühere Römische Museum in Augsburg ist seit 2012 wegen Statikproblemen geschlossen. Eine vergebene Chance, sagt der Münchner Professor für Provinzialrömische Archäologie Salvatore Ortisi - auch, was die Attraktivität des römischen Erbes für den Kulturtourismus angehe. Die Experten von der Regio Tourismus Augsburg sehen das ähnlich, sie würden ein Römisches Museum sehr begrüßen: Ein Haus in der Innenstadt, leicht zu erreichen, das wäre ein Riesenattraktion, meint Regio-Chef Götz Beck auf Anfrage des BR.

    Stadt verweist auf mangelnde Finanzmittel

    Die Stadt hat kein Geld, ein neues Museum aus eigener Kraft zu stemmen, das wird wohl frühestens in einigen Jahren möglich sein. Kulturreferent Jürgen Enninger will deshalb auf virtuelle Präsentationen setzen, also bestimmte Funde herausgreifen und übers Internet präsentieren. Er sieht aber die Bedeutung der Funde: "Ich bin der festen Überzeugung, dass Augsburger Stadtgeschichte nicht ohne die Römische Geschichte gedacht werden kann, und dass das abgebildet werden muss.“ Aber er wolle erst einmal die wissenschaftliche Auswertung der neuen Funde abwarten, so Enninger gegenüber dem BR.

    Machen es andere Städte in Bayern besser?

    Laut Salvatore Ortisi gibt es in Bayern einige Städte und Gemeinden, die ihr historisches Erbe wertschätzen und entsprechend präsentieren. Als Beispiele nennt er das Römermuseum Quintana in Künzing oder das Gäubodenmuseum in Straubing. Auch Kempten mit dem virtuellen Rundgang durch die römische Stadt im Archäologischen Park Cambodunum, bezeichnet Ortisi als Positivbeispiel.

    Zeit für ein neues Römisches Museum

    Die Augsburger Archäologie-Expertin Natascha Sojc hofft, dass durch die neuen Funde endlich Bewegung in die Sache kommt und ein Platz für ein neues Römisches Museum in Augsburg gefunden wird: Das älteste Militärlager in Bayern, das sei der "unique selling point", so die Wissenschaftlerin. Und weiter sagt sie mit einem Augenzwinkern: "Stellen Sie sich vor, das wäre in München gefunden worden! Da wäre die Baustelle längst offen."

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