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Kritik an Infotafel zur "Judensau" am Regensburger Dom | BR24

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Die jahrhundertealte Skulptur der sogenannten "Judensau" am Regensburger Dom sorgt weiter für Kritik. Eine Professorin für mittelalterliche Geschichte bezeichnet die Darstellung als Stein gewordenen Antisemitismus.

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Kritik an Infotafel zur "Judensau" am Regensburger Dom

Die jahrhundertealte Skulptur der sogenannten "Judensau" am Regensburger Dom sorgt weiter für Kritik. Eine Professorin für mittelalterliche Geschichte bezeichnet die Darstellung als Stein gewordenen Antisemitismus. Jetzt soll eine neue Infotafel her.

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An einigen deutschen Kirchen hängen immer noch sogenannte "Judensäue" – mittelalterliche Schmähfiguren gegen Juden. Auch am Regensburger Dom Sankt Peter gibt es eine solche Skulptur. Sie ist Ausdruck der Judenfeindlichkeit im Christentum des Mittelalters.

Historikerin: "Stein gewordener Antisemitismus"

Als Stein gewordenen Antisemitismus bezeichnet Eva Haverkamp-Rott, Professorin für mittelalterliche jüdische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München, die Skulptur der sogenannten "Judensau" am Regensburger Dom. Eine Informationstafel bezeichnet die Skulptur als "Spottfigur" und erklärt, dass es sich um ein Schwein handelt, an dessen Zitzen sich Juden zu schaffen machen.

Das sei zu wenig, meint Eva Haverkamp-Rott. Die Skulptur aus dem 14. Jahrhundert war ein Angriff auf das Judentum, sagt sie. Die Skulptur wurde bewusst über einem Seiteneingang an der Südseite des Domes gegenüber dem Eingang zum jüdischen Viertel der Stadt angebracht, das 1519 zerstört und dem Erdboden gleichgemacht wurde, erklärt die Wissenschaftlerin.

Text auf Infotafeln unzureichend

Auch Ilse Danziger, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Regensburg, fordert eine neue Tafel. Zum einen sei die jetzige Tafel kaum sichtbar, zum anderen sei der Text verharmlosend, so ihre Kritik.

Nicht nur die sogenannte "Judensau" steht für christliche Judenfeindschaft: Als 1519 der große jüdische Friedhof zerstört wurde, verbauten Christen Grabsteine als Zeichen christlichen Triumphes sichtbar an Häusern. Einer dieser Grabsteine landete auch im Dom. Aber auch an der westlichen Fassade, dem Prunkstück des Doms, zeigt eine Skulptur Juden beim Götzendienst, beim sogenannten "Tanz um das goldene Kalb". Diese Skulptur kann man derzeit nicht sehen. Sie ist durch ein Gerüst verdeckt. Auch hier sei eine Informationstafel angemessen, sagt Eva Haverkamp-Rott.

Spaenle plant Runden Tisch

Zumindest die sogenannte "Judensau" soll eine neue Informationstafel bekommen. Das Domkapitel erarbeitet derzeit einen Text. Der soll mit der Jüdischen Gemeinde abgestimmt werden. Zudem plant Ludwig Spaenle, der Antisemitismusbeauftragte der Staatsregierung, einen Runden Tisch einzuberufen. Der Dom gehört dem Freistaat Bayern.