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Kritik am Innenministerium: Bürokratie verhindert Integration | BR24

© Sven Hoppe / dpa-Bildfunk

06.09.2015. Flüchtlinge, die kurz zuvor mit einem Zug aus Österreich angekommen sind, warten auf einem Bahnsteig am Münchner Hauptbahnhof.

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    Kritik am Innenministerium: Bürokratie verhindert Integration

    Fünf Jahre nach dem Flüchtlingsherbst 2015 steht für die bayerische Caritas fest: Es gibt noch viel Luft nach oben. Bayerns Innenministerium erschwere durch bürokratische Hürden die erfolgreiche Integration von Flüchtlingen.

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    Es gibt in der bayerischen Asylpolitik noch deutlich Luft nach oben – so das Fazit von Caritas-Direktor Georg Falterbaum fünf Jahre nach dem Flüchtlingsherbst 2015. Und er beklagt, dass Asylpolitik immer noch eher restriktiv anstatt motivierend für die Zufluchtsuchenden betrieben werde. Ein Kernthema der Integration bleibe dabei der Zugang zu Ausbildung und Arbeit. So hätten es viele Flüchtlinge in Bayern immer noch sehr schwer, eine Ausbildungs- oder eine Arbeitsgenehmigung zu erhalten.

    Zugang zum Arbeitsmarkt muss weiter erleichtert werden

    Integration funktioniert umso besser, je früher die Zufluchtsuchenden arbeiten dürfen. Caritas-Direktor Georg Falterbaum fordert daher, Arbeits- und Ausbildungsverbote einheitlich und unabhängig von Asyl- und Aufenthaltsstatus oder Bleibeperspektiven zumindest zu lockern.

    Doch das Gegenteil ist der Fall: Vor wenigen Wochen erst kam aus dem Innenministerium ein 82-seitiger Text. Titel: "Vollzugshinweise des Innenministeriums zur Beschäftigung und Berufsausbildung von Asylbewerbern und Geduldeten". Die Vorgaben engen den Handlungsspielraum der Sachbearbeiter weiter ein, so die Kritik der Caritas. Mehr noch: Selbst bei erfahrenen Asyl-Sozialberatern und versierten Juristen würden sie Verwirrung stiften. Als nicht mehr nachvollziehbar bezeichnen viele Asyl-Sozialberater der Caritas die Vorgaben.

    Integration trotz bayerischer Asylpolitik

    Aber auch die großen Ankerzentren sieht Georg Falterbaum trotz mancher Verbesserungen als Schwachpunkte im System. Lange Verweildauern, auch für Familien, wirken belastend für die Betroffenen. Die Schulsituation – und damit auch die Sozialisation – der Kinder sei ebenso unbefriedigend. So kommt es, dass Integration manchmal nicht dank, sondern trotz bayerischer Asylpolitik gelingt.

    Steiniger Weg zum Integrationskurs

    Das musste auch die Syrerin Alaa Shahen erkennen. 2014 ist sie mit ihrer Mutter und drei Geschwistern über Libyen nach Deutschland geflohen. Hier angekommen, hätte sie am liebsten gleich Deutsch gelernt. Doch der Zugang zum Integrationskurs hängt vom Status der Flüchtlinge und von ihren Bleibechancen ab. "Das verzögert alles", beklagt Alaa Shahen. "Viele Flüchtlinge können kein Englisch, also gibt es keine Brücke zwischen den Helfern und ihnen". Die Folge: Unverständnis und Frustration. Für Alaa Shaheen hat es zum Glück geklappt. Die mittlerweile 24-jährige studiert Psychologie im dritten Semester. Allerdings hatte sie etwas, was andere vielleicht nicht haben: einen langen Atem.

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