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Kriegsverbrecher-Prozess: Afghanischer Offizier will aussagen | BR24

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Der Angeklagte vor Gericht

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Kriegsverbrecher-Prozess: Afghanischer Offizier will aussagen

Ein afghanischer Offizier soll sich damit gerühmt haben, einen Mann "wie einen Esel" umgebracht zu haben. Nun steht er in München wegen Kriegsverbrechen vor Gericht. Er will sich zu den Vorwürfen äußern – auch wenn ihm sein Anwalt davon abrät.

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Im Kriegsverbrecher-Prozess gegen einen früheren afghanischen Offizier will sich der Angeklagte zu den Vorwürfen gegen ihn äußern. "Mein Anwalt ist dagegen, dass ich eine Aussage mache, aber wenn Sie mir erlauben, würde ich gerne eine Aussage machen", sagte der 26-Jährige auf Deutsch vor dem Oberlandesgericht (OLG) München: "Weil hier auch Presse ist, will ich Aussage machen."

Das Gericht riet dem Angeklagten, sich noch einmal mit seinen Anwälten zu besprechen. Danach verkündete die Verteidigung, der Angeklagte werde am kommenden Dienstag eine Erklärung abgeben.

Hat er Taliban-Kämpfer bei Verhören misshandelt?

Die Bundesanwaltschaft wirft dem jungen Mann vor, als Soldat der afghanischen Nationalarmee Taliban-Kämpfer bei Verhören in Afghanistan misshandelt zu haben. Außerdem soll er die Leiche eines gegnerischen Taliban-Kommandeurs, auf den die USA ein Kopfgeld ausgesetzt haben sollen, durchs Dorf gezogen und aufgehängt haben.

Dabei habe er sich gerühmt, den Mann "wie einen Esel" umgebracht zu haben. Er soll zuvor in einem Feuergefecht gestorben sein.

💡 Warum ist der Prozess in München?

Der Angeklagte wird in München nach dem Völkerstrafgesetzbuch (VStGB) angeklagt. Er hatte in Deutschland Asyl beantragt und war zuletzt wohnhaft in Steinhöring im Landkreis Ebersberg, wo er im Oktober 2018 auch verhaftet wurde. Das Oberlandesgericht in München ist somit zuständig für die Hauptverhandlung. Der Angeklagte hat laut Anklage der Bundesanwaltschaft entgegen dem humanitären Völkerrecht als Offizier in Afghanistan gehandelt hat. Das Völkerstrafgesetzbuch regelt in Deutschland seit 2002 Straftaten gegen das Völkerrecht. Dabei geht es um Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen. Mit dem Völkerstrafgesetzbuch hat Deutschland die Voraussetzungen für die Verfolgung dieser Straftaten geschaffen. Nach Paragraf 1 unterliegen Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen dem Weltrechtsprinzip, das heißt: Die Strafbarkeit nach deutschem Recht besteht unabhängig davon, wo, von wem und gegen wen diese Straftaten begangen werden. Dazu gehören also auch Straftaten im Ausland zwischen ausländischen Staatsangehörigen. (Erklärt von Daniel Knopp, Redaktion Bayern Aktuell)

Vorwurf: Folter und entwürdigende Behandlung

Die Anklage wirft dem 26-Jährigen Folter und entwürdigende Behandlung vor. Die Vorwürfe stützen sich auf Videos, die vor Gericht gezeigt wurden. Eine Sequenz zeigt den Angeklagten und einige seiner Kollegen bei einem Verhör. Die gegnerischen Taliban-Soldaten sind gefesselt, ihre Augen sind verbunden. Es gibt Schläge und Drohungen.

Anklage: Leiche umhergeschleift und aufgehängt

Ein zweites Video zeigt die blutüberströmte Leiche des Taliban-Kommandeurs, aufgehängt am Heck eines Armee-Fahrzeuges. Die Soldaten lachen, kichern. Einer, den der Angeklagte als Polizisten bezeichnet, schlägt mit einer Waffe auf den Toten ein und bespuckt ihn.

Schließlich wird der tote Taliban-Kämpfer mit einem Strick an einer Mauer aufgehängt. Während die Bilder gezeigt wurden, senkte der Angeklagte den Kopf und schloss die Augen.