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Kriegerdenkmal Geroldshausen: Name des KZ-Arztes ist entfernt

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    Kriegerdenkmal Geroldshausen: Name des KZ-Arztes ist entfernt

    Monatelang hat der Gemeinderat von Geroldshausen im Landkreis Würzburg darüber diskutiert. Jetzt ist der Name von Eduard Wirths von dem Kriegerdenkmal entfernt worden. Wirths war ab 1942 Arzt im Konzentrationslager Dachau, später in Ausschwitz.

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    Von
    • Carolin Hasenauer

    Der Name des KZ-Arztes Eduard Wirths ist jetzt aus dem Kriegerdenkmal in Geroldshausen entfernt. Die Inschrift "Dr. Ed. Wirths+20.9.45" war 1952 fälschlicherweise dort eingraviert worden - genaue Hintergründe sind nicht dokumentiert und bekannt. Der Gemeinderat hatte Mitte April einstimmig beschlossen, dass die Inschrift aus dem Stein gemeißelt wird.

    Name am Montag entfernt

    Geroldshausens Bürgermeister Gunther Ehrhardt musste noch eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung für den Eingriff einreichen, dann konnte am Montag ein Steinmetz aus Allersheim den Namen entfernen. Dr. Eduard Wirths war kein Gefallener im Zweiten Weltkrieg. Im Gegenteil: Er ist 1909 in Geroldshausen geboren, war ab 1942 Arzt im Konzentrationslager Dachau, später in Ausschwitz. Er hat Tausende in den Tod geführt, in die Gaskammern, hat die Selektion mitverantwortet.

    Impuls durch Fernseh-Beitrag

    Seit November 2020, als das Thema über einen MDR-Fernsehbeitrag ans Tageslicht kam, hat Bürgermeister Gunther Ehrhardt viele Gespräche geführt, unter anderem mit Zentralratspräsident Josef Schuster und mit Christoph Heubner, dem Exekutiv-Vizepräsidenten des Internationalen Auschwitz Komitees. "So können wir eine gute Erinnerungs- und Mahnkultur für die Bevölkerung einrichten, die auch noch in Jahrzehnten die Erinnerung an die Verbrechen gegen die Menschlichkeit wachhält", so der Bürgermeister. Bei der nächsten Gemeinderatssitzung am 11. Mai wolle man nun über den genauen Text für eine Infotafel diskutieren.

    Diskussion über alternativen Text

    Für den Text habe Christoph Heubner bereits einen Vorschlag vorgelegt, so Ehrhardt. So solle in dem Text unter anderem die Formulierung "Auschwitz hat auch in Geroldshausen begonnen" stehen. "Da zieht man sich einen großen Schuh an", sagt Bürgermeister Ehrhardt und ist gespannt, wie der Gemeinderat dazu stehen wird. Außerdem habe Heubner vorgeschlagen, den Namen Eduard Wirths überhaupt nicht mehr auf der Infotafel zu erwähnen. Stattdessen solle lediglich darauf hingewiesen werden, dass dort einst der Name eines Menschen eingemeißelt war, der Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hat.

    Unterdessen hat Bürgermeister Ehrhardt eine vorläufige Info-Tafel vor dem Kriegerdenkmal positioniert. Der Text auf der Tafel lautet: "Der Name Dr. Eduard Wirths hat nichts auf dem Denkmal zu suchen. Der Gemeinderat verurteilt die von Wirths während des Dritten Reiches als Standortarzt in verschiedenen Konzentrationslagern verübten Kriegsverbrechen aufs Schärfste." Für Josef Schuster war dieses Provisorium ein deutliches und richtiges Zeichen.

    Ursprung der Inschrift ist unklar

    Doch wie kam der Name überhaupt auf das Denkmal? Das Kriegerdenkmal wurde bereits zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet. 1951 wollte die Gemeinde Geroldshausen dann auch den Gefallenen des Zweiten Weltkriegs ein Denkmal setzen. Den Auftrag für die Ergänzung der Namen auf dem Stein hat der ortsansässige Steinmetz Albert Wirths erhalten - und dessen Sohn war Eduard Wirths. Ob Albert Wirths den Namen seines Sohnes selbst in den Stein gemeißelt hat und wenn ja, wie das zunächst nicht auffallen konnte, dazu ist nichts bekannt.

    Zu den aktuellen Entwicklungen hat auch die Familie Wirths Stellung genommen. In dem Schreiben heißt es: "Die Beteiligung unseres Familienmitgliedes an den in Auschwitz verübten, beispiellosen Verbrechen wollen wir nicht leugnen oder beschönigen. Eine Schuld daran trifft "die Familie Wirths" – wer auch immer damit angesprochen sein soll – aber nicht."

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