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Reitergrab: Spektakulärer Archäologen-Fund in Nordendorf | BR24

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In Nordendorf, unweit von Augsburg, haben Archäologen einen besonderen Schatz geborgen: Beigaben aus dem Grab eines Reiters, der im Frühmittelalter bestattet wurde. Sehr ungewöhnlich: Auch Geschirr war dabei, das möglicherweise aus Ägypten stammt.

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Reitergrab: Spektakulärer Archäologen-Fund in Nordendorf

Archäologen haben in Nordendorf einen Krieger samt Pferd aus dem frühen Mittelalter entdeckt. Das Grab ist ungewöhnlich gut erhalten und reich ausgestattet. Es ist, anders als andere Gräber, nie ausgeraubt worden.

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Er muss wohlhabend und einflussreich gewesen sein, der Reiterkrieger, der mit Pferd seine letzte Ruhestätte auf einem Feld in Nordendorf, im Landkreis Augsburg, gefunden hat. Gestorben ist er vermutlich vor 1.300 bis 1.500 Jahren, schätzen die Archäologen des bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in München.

Wie und warum er gestorben ist, muss noch untersucht werden. Die Experten gehen davon aus, dass der Krieger aus der Region kommt. Entdeckt wurde das Grab im Sommer 2019. Am Montag hat das Landesamt für Denkmalschutz die Grabbeigaben der Öffentlichkeit vorgestellt.

Gut erhaltene Waffen, Gefäße und Kreuze im Krieger-Grab

Das Besondere an dem Grab war, dass es noch vollständig erhalten und reich ausgestattet war. Im Gegensatz zu anderen Gräbern hatten Räuber die Ruhestätte nicht geplündert. Die Beilagen waren koptische Gefäße und Goldblattkreuze. Die Gefäße waren zum Teil zerbrochen, strahlten aber immer noch in türkisblauer Farbe. Seine Lanze soll der Krieger in der rechten Hand gehalten haben, neben ihm im Grab lagen ein Kurzschwert und ein Schild.

Reiter und Pferd aus dem Grab werden zur Zeit konserviert

Die Überreste von Ross und Reiter waren bei der Präsentation des bayerischen Landesamts für Denkmalpflege nicht zu sehen. Sie liegen derzeit in der Staatssammlung, werden dort konserviert und später archiviert.

Ein reicher Krieger mit Kontakten in den Mittelmeerraum

Offenbar hatte der Reiter Handelsbeziehungen oder persönliche Kontakte in den Mittelmeerraum, eventuell nach Ägypten, teilte die verantwortliche Archäologin Ruth Sandner vom Landesamt für Denkmalpflege mit. Zu sehen waren auch die drei kleinen Goldblattkreuze. Sie waren laut Archäologen für die Bestattung auf Textil aufgenäht und über das Gesicht des Reiters im Grab gelegt worden. Sie deuten darauf hin, dass der Krieger aus einer sehr wohlhabenden Schicht kommt, so Sandner.

Nordendorf: Eldorado der bayerischen Archäologen

Das weitere Besondere an diesem Fund ist die Lage im schwäbischen Nordendorf. Die 2.000 Einwohner kleine Gemeinde ist unter Archäologen bekannt. Hier gibt es bereits ein Gräberfeld. Das Reiter-Pferd-Grab ist aber an einer anderen Stelle entdeckt worden, rund 600 Meter vom Gräberfeld entfernt. "Dadurch ergeben sich ganz neue Aspekte zur Besiedlungsgeschichte Nordendorfs", sagt Ruth Sandner. "Die Funde sind ein Spiegel der Gesellschaft der frühmittelalterlichen Zeit."

Teure Ausgrabungen - Bürgermeister freut sich trotzdem

Auch wenn er schon einige Ausgrabungen in seiner Gemeinde mitbekommen hat, freut sich Nordendorfs Bürgermeister Elmar Schöniger über den aktuellen außergewöhnlichen Fund. „Das ist schon ein Highlight.“ 40.000 Euro habe die Ausgrabungen im Zuge einer Baumaßnahme gekostet. Das hat nicht bei allen in der Gemeinde für Zustimmung gesorgt, so Schöniger.

Ausstellung über Nordendorfer Krieger-Grab geplant

Weitere Ausgrabungen wird es in Nordendorf wohl nicht mehr geben. Es ist bereits alles umgegraben, alles ist erschlossen, sagt Bürgermeister Schöniger. Er wünscht sich, dass die sensationellen Fundstücke in Nordendorf ausgestellt werden. Die Mitarbeiter des bayerischen Landesamtes für Denkmalschutz in München gehen davon aus, dass die Skelette von Reiter und Pferd, aber auch die schmucken Beigaben, auf jeden Fall der Öffentlichkeit präsentiert werden. Wo und wann, ist aber noch nicht klar.

© BR/Katrin Bohrmann

Archäologen haben im Sommer 2019 in Nordendorf einen Krieger samt Pferd aus dem frühen Mittelalter entdeckt. Das Grab ist ungewöhnlich gut erhalten und reich ausgestattet, denn es ist, anders als andere Gräber, nie ausgeraubt worden.